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Schwelende Konflikte in der Kaukasus-Region

21.3.2009

Brisanter Streit um Berg-Karabach



Der brisanteste Konflikt schwelt zwischen dem islamisch geprägten Aserbaidschan und dem christlich-orthodoxen Armenien, das sich auf die Hilfe Moskaus stützen kann. Das Verhältnis dieser beiden Länder, wenn man die Nichtexistenz von Beziehungen überhaupt so nennen kann, ist ganz und gar zerrüttet. Die Gräben zwischen beiden Ländern sind so tief, dass letztlich niemand weiß, wie angesichts dessen der Konflikt um Berg-Karabach - eine völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende, seit Anfang der 1990er Jahre aber von Armenien beherrschte Exklave - gelöst werden soll.

Berg-Karabach ist mit 4400 Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie Rügen. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Gebiet, dessen Grenzen später - wie so viele im Kaukasus - von Stalin willkürlich gezogen wurden, ein Zankapfel zwischen beiden Ländern. Die Armenier glauben, Berg-Karabach, im Russischen Nagorno-Karabach, auf Armenisch Arzach, sei ihr historisches Siedlungsgebiet. Im Mittelalter hatten sich hier noch Reste des armenischen Staates in Form kleiner Fürstentümer halten können, als die anderen Teile des Landes schon okkupiert worden waren. Nachdem Armenien zunächst zwischen Byzanz und Iran, später zwischen Arabern und Türken geteilt worden war, siedelten sich in Arzach immer mehr Türken an. Sie kamen und nannten die Region Karabach - "Schwarzer Garten".

Als der Transkaukasus im 19. Jahrhundert ans russische Imperium angegliedert wurde, geriet ein Teil von Karabach-Arzach unter die Verwaltung des Gouvernements Eriwan, der andere wurde dem Gouvernement Elisawetpolsk - heute Stepanakert - zugeschlagen. Nachdem die drei transkaukasischen Republiken Aserbaidschan, Armenien und Georgien nach dem Ersten Weltkrieg kurzzeitig unabhängig geworden waren, gehörte Berg-Karabach zeitweilig zu Armenien. Mit dem türkisch-sowjetrussischen Friedensschluss von 1921 wurde die Region dann aber als Autonomie Aserbaidschan zugeschlagen. Zu sowjetischer Zeit war es somit ein autonomes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik, in dem Aserbaidschaner und Armenier - gezwungenermaßen - zusammenlebten. Damals, so die Klage in Eriwan, hätten die Machthaber in Baku absichtlich die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Karabach-Armenier gebremst, ihre ethno-kulturelle Identität unterdrückt und eine zielgerichtete Veränderung der Demografie im Interesse der Aserbaidschaner betrieben. Die Armenier hätten sich immer dagegen gewehrt.

In einer Anhörung vor dem armenischen Parlament im März 2005 machte der damalige Sekretär des Sicherheitsrates und Verteidigungsminister Sersch Sarkisjan, seit April 2008 Präsident des Landes, das Zentralkomitee der kommunistischen Partei in Moskau für den erneuten Ausbruch des Konflikts 1988 verantwortlich. Von dort seien widersprüchliche Signale ausgegangen, "die einerseits die armenische Seite ermunterten, den Weg für die demokratische Selbstbestimmung der Armenier in Nagorno-Karabach zu suchen, und die andererseits Aserbaidschan aufstachelten, jeder Status-Veränderung von Karabach hart entgegenzutreten und dabei die Prinzipien der territorialen Integrität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten zu betonen". Es gebe Grund zu der Annahme, sagte Sarkisjan weiter, "dass die massenhaften Pogrome und Morde an der friedlichen armenischen Bevölkerung von Sumgait, Kirowabad und Baku, aber auch die ethnische Säuberung in Nord-Arzach mit Wissen des ZK der KPdSU stattgefunden haben".[1]

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Fußnoten

1.
Zit. in: Regnum vom 12. 4. 2005, in: www.regnum. ru/news/437271.html (1. 2. 2009).