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21.3.2009 | Von:
Gemma Pörzgen

Aus den Augen - aus dem Sinn: Der Kaukasus in den Medien

Südossetien und Abchasien

Seit Kriegsende ist Südossetien de facto ein russisches Protektorat. Trotz der instabilen politischen Lage dringen nur spärliche Information aus dem Gebiet, um das ja noch vor wenigen Monaten ein erbitterter Krieg geführt wurde. Erschwert wird die Berichterstattung vor allem durch die noch immer bestehenden Reisebeschränkungen der russischen Regierung. Von georgischer Seite ist kein Zugang nach Südossetien mehr möglich. So können Journalisten nur von Moskau aus mit einer organisierten Reise in die Provinz gelangen. Korrespondenten in Moskau erzählen, dass solche Reisen in die Region neben dem geplanten Besuchsprogramm wenig Spielraum für eigenständige Recherchen lassen. Begründet werde dies von russischen Behörden mit der schwierigen Sicherheitslage.

In die andere von Moskau annektierte Provinz Abchasien dagegen gelangt man vergleichsweise einfach: Über ein Formular im Internet kann eine Einreisegenehmigung beantragt werden, die in der Regel wenige Tage später per E-Mail erteilt wird. In Abchasien können sich Journalisten frei bewegen und eigenständig recherchieren. Dennoch gibt es auch von dort nur sehr wenige "Geschichten", die es bis in die Zeitungen und Sendungen schaffen. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass die Redaktionen zunehmend einem Agenda Setting der Politik folgen, deren öffentliche Empörung über das russische Vorgehen ebenfalls stark nachgelassen hat. Themen können dadurch sehr leicht als unwichtig erscheinen und in der Fülle der übrigen Nachrichten untergehen. Dadurch, dass die russische Führung die Befriedung und Stabilisierung ihrer Regionalkonflikte im Nordkaukasus traditionell als innerrussische Angelegenheiten betrachtet und die deutsche Politik daran auch nicht rührt, wird die "Nicht-Berichterstattung" zusätzlich gefördert.