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5.3.2009 | Von:
Heinz A. Richter

Historische Hintergründe des Zypernkonflikts

Die britische Kolonialzeit 1878-1959

1878 wurde Zypern im Gefolge des Berliner Kongresses im Juni/Juli des selben Jahres[2] eine Art britisches Protektorat. 1914 annektierte Großbritannien die Insel. Im Friedensvertrag von Lausanne am Ende des griechisch-türkischen Kriegs von 1919 bis 1922 erkannte die Türkei die britische Annexion an und leistete formellen Verzicht auf Zypern. 1925 wurde Zypern Kronkolonie.

Seit der Jahrhundertwende verstärkte sich unter den griechischen Zyprioten der Wunsch nach Anschluss - Enosis - an Griechenland. Die Menschen hofften, dass die britische Regierung in einem Akt von Großmut - ähnlich wie im Fall der Ionischen Inseln 1864 - Zypern an das Mutterland abtreten würde. Aber diese glaubte, aus militärischen Gründen (Sicherung der Life Line durchs Mittelmeer) nicht auf Zypern verzichten zu können. 1931 schlug sich der Enosis-Wunsch zum ersten Mal sichtbar in größeren Unruhen nieder. Die Kolonialmacht unterdrückte diese und regierte die Insel bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs diktatorisch. Die griechische Regierung verhielt sich gegenüber dem griechisch-zypriotischen Wunsch nach Enosis äußerst zurückhaltend; die britische Schutzmacht sollte nicht verärgert werden. Im Zweiten Weltkrieg spielte Zypern keine Rolle, aber nach Ausbruch des Kalten Krieges und der Gründung der NATO und der CENTO (Central Treaty Organization oder Bagdad-Pakt) erlangte Zypern als Royal-Air-Force-Stützpunkt für Atombomber und Ausgangspunkt für Spionageflüge (U2) große Bedeutung. Vor diesem Hintergrund stand für London fest, dass Zypern als Ganzes britische Basis bleiben müsse.

Fußnoten

2.
Auf dem Berliner Kongress handelten Vertreter der europäischen Großmächte Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien und Russisches Reich sowie des Osmanischen Reiches eine neue Friedensordnung für Südosteuropa aus.