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Eigentums- und Bevölkerungsfragen im geteilten Zypern


5.3.2009
Eigentums- und Bevölkerungsfragen auf der geteilten Insel werden von griechischen und türkischen Zyprioten sehr unterschiedlich wahrgenommen. Wie wirken sich diese Divergenzen auf den zentralen politischen Konflikt in Zypern aus?

Einleitung



Seit 1974 ist Zypern de facto in zwei Zonen geteilt, die von den beiden Volksgruppen der Insel getrennt verwaltet werden. 36 Prozent des Gebiets der ursprünglichen Republik Zypern im Norden befinden sich unter der Kontrolle der türkischen Zyprioten (TZ); der größere, im Süden liegende Teil - 62 Prozent - wird von griechischen Zyprioten (GZ) regiert. Dazwischen liegt die von UN-Friedenstruppen kontrollierte Pufferzone.






Lange vor dieser territorialen Teilung waren GZ und TZ bereits voneinander getrennt, und es existierten zwei separate Verwaltungen. 1963 zerbrachen die Vereinbarungen der Republik Zypern über eine bikommunale Machtteilung - im Wesentlichen aufgrund Präsident Makarios' Bestrebungen, Zypern griechisch zu machen, indem er die TZ ihres von der Verfassung garantierten Status politischer Gleichheit beraubte. Infolgedessen zogen sich die TZ aus Sicherheitsgründen in zahlreiche kleine, über die Insel verstreute Enklaven zurück, die zusammen etwa drei Prozent der Inselfläche ausmachten. Dort blieben sie bis 1974. Nachdem sie allmählich aus allen Institutionen der Republik Zypern vertrieben worden waren, bildeten die TZ ihre eigene Verwaltung. Die zypriotische Regierung - jetzt eine rein griechisch-zypriotische Verwaltung - behielt die Kontrolle über die gesamte Republik mit Ausnahme der Enklaven. Trotz der offensichtlichen Abwesenheit der TZ hat diese Verwaltung seit 1964 den Anspruch und nach und nach auch die internationale Akzeptanz gewonnen, die einzig rechtmäßige Regierung der Republik Zypern und der einzige international anerkannte zypriotische Staat zu sein.[1]

Nach der türkischen Militärintervention als Reaktion auf den von Griechenland unterstützten griechisch-zypriotischen Enosis-Putsch (von der Athener Militärjunta ausgelöster Staatsstreich), mit dem Ziel des Anschlusses Zyperns an Griechenland, und der gewaltsamen Teilung im Jahr 1974 wurde die Autorität dieser rein griechisch-zypriotischen Regierung auf den südlichen Teil der Insel begrenzt. Die provisorische türkisch-zypriotische Verwaltung von 1964 bis 1974 regierte den Norden und gründete 1983 die "Türkische Republik Nordzypern" (TRNZ), die nur von der Türkei anerkannt wird. Seit 1974 hat die Türkei rund 35 000 Soldaten auf der Insel stationiert, die angeblich aus Sicherheitsgründen bis zu einer umfassenden Einigung dort bleiben sollen.


Fußnoten

1.
Dies erfolgte ohne jegliche Formalitäten, wie etwa einer Neuverhandlung der international bestätigten Zypernabkommen von 1960. Selbst die Großmächte haben sich an dieser Anomalität bislang offensichtlich nicht gestört.