APUZ Dossier Bild

2.3.2009 | Von:
Siegfried Lokatis

Die Hauptverwaltung des Leselandes

Druckgenehmigte Literatur

Die Literatur der DDR spiegelt sich in Zensurakten. Es ist ein weltweites Unikum, dass diese für eine ganze Landesliteratur nahezu vollständig erhalten sind. Im Bundesarchiv lagern die Druckgenehmigungsakten der HV. Fast zu allen in der DDR zwischen 1951 und 1989 erschienenen Titeln, ob es sich um Romane oder Geschichtsbücher, um Lyrikanthologien oder Lexika handelt, sind jeweils ein Antragsbogen sowie in der Regel zwei Gutachten überliefert. Allein für die Schöne Literatur ist von etwa 20 000 solcher Druckgenehmigungsvorgänge auszugehen.

Beim Zensursystem der DDR handelt es sich um ein Phänomen, für dessen Erforschung Anfang der 1990er Jahre noch keine wissenschaftlichen Routinen existierten. Das undurchsichtige bürokratische Geflecht aus Kompetenzbereichen und Interessenlagen nachzuzeichnen wurde zur Aufgabe einer systematischen Zensurforschung, die sich nicht auf die Präsentation der großen Zensurfälle von öffentlichem Interesse beschränken wollte. Letztlich half nur die zeitraubende wie staubintensive induktive Methode, aus einer Unzahl von Mosaiksteinchen ein Bild der alltäglichen Funktionsweise der Zensur zu entwerfen. Aus den Akten ließ sich lernen, zwischen harten, stets gültigen, und weichen, veränderlichen Tabus zu unterscheiden. Man konnte das Auf und Ab in der ideologischen Großwetterlage nachzeichnen und Zonen ideologischer Ungleichzeitigkeit identifizieren, etwa Verlage (wie Hinstorff oder Reclam), in denen zeitweise besonders mutige Bücher publiziert werden konnten. Wer in den Akten nach spannenden Fällen sucht, sollte darauf achten, wie viel Zeit vom Eingang des Druckgenehmigungsantrags bei der Zensurbehörde bis zur Erteilung der Druckgenehmigung verging, weil eine lange Bearbeitungsdauer den sicheren Hinweis auf mit dem Manuskript verbundene "ideologische Probleme" darstellt. Im Zensurjargon sprach man von "Schmorfällen". Buchverbote waren die Ausnahme, gebräuchlicher war, dass ein Verlag nach entsprechenden Hinweisen von sich aus ein "moralisch verschlissenes" Manuskript zurückzog, um einer "ideologischen Panne" vorzubeugen.

Für den Zensor enthielt der Druckgenehmigungsantrag genug Informationen, um über die Publikationswürdigkeit eines Manuskripts zu entscheiden. Er hatte nur in Ausnahmefällen die Zeit, es selber in Augenschein zu nehmen, und die Alternative, ein zusätzliches Gutachten einzuholen, war kostspielig. Für einen mitteldicken Roman betrug das Begutachtungshonorar, gestaffelt nach Schwierigkeitsgrad, zwischen 150 und 250 Mark. Diese Summe wurde nur investiert, wenn ein begründeter Verdacht bestand, sich der Verlag in anderen Fällen als unzuverlässig gezeigt hatte oder der Autor als heimtückischer Querulant galt. Doch oft gerieten auch parteitreue Autoren in die Mühlen, weil ihr einstmals "politisch richtiger" Text zum falschen Zeitpunkt eingereicht wurde und eine offizielle Auftragsarbeit inzwischen durch eine veränderte Beschlusslage überholt war. In diesem System reichte der gute Wille zur Selbstzensur keineswegs aus, man musste auch auf der Höhe des aktuellen ZK-Plenums schreiben können.

Wenn ein Manuskript bei der HV zur Druckgenehmigung eingereicht wurde, hatten solche Probleme bereits überwunden, die Texte druckreif zu sein. Der Hauptteil der Zensurarbeit am Manuskript wurde nicht erst in der Zensurbehörde, sondern bereits in den Verlagen geleistet, und die HV beschied sich mit Stichproben, mit einer Art Endabnahme- und TÜV-Funktion. Brisante oder verdächtige Manuskripte mit unzureichenden Gutachten wurden noch einmal in Augenschein genommen oder an zuverlässige anonyme Außengutachter weitergeleitet. Deren "Einwände" wurden als Änderungsauflagen dem Verlag übermittelt, der diese beim Autor zu vertreten hatte. Durch diese perfide, den sensiblen Verlagslektor quälende Methode gelang es der Zensur, mehr oder weniger unsichtbar zu operieren. Die Rolle der Selbstzensur in der DDR wird meist überschätzt. Diese war anders als in der Bundesrepublik kein moralisches Problem eines korrumpierten Autorengewissens, sondern Folge eines institutionell vermittelten Erziehungsprozesses, einer Konditionierung durch elektrische Stromschläge.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass sich im Lauf von vier Jahrzehnten die Begutachtungskriterien zivilisierten und verwissenschaftlichten und dass sich die Toleranzspielräume erstaunlich erweiterten. Es ist unstrittig, dass in der DDR der Schönen Literatur, zumal der Gegenwartsliteratur von Autoren wie Christoph Hein, Erich Loest, Landolf Scherzer, Erwin Strittmatter oder Christa Wolf, die Funktion einer kritischen Öffentlichkeit zuwuchs, in der über die stalinistische Vergangenheit, über Umweltfragen, korrupte Parteifunktionäre und sogar über die Zensur selbst verhandelt werden konnte. Das wird plausibel damit erklärt, dass die gelenkte Presse für eine solche Funktion nicht in Betracht kam. Aber die Belletristik wurde streng zensiert, und zwar eher noch gründlicher als die Tagespresse, systematischer, im Vorfeld, langfristig. Was die Effektivität der Buchzensur angeht, definierte die DDR unangefochten das Weltniveau. Dass man in dieser Hinsicht selbst das große Vorbild, die sowjetische Zensur, übertreffen konnte, lag sowohl an dernotorischen preußisch-bürokratischen Gründlichkeit als auch an den ungleich schwierigeren Arbeitsbedingungen in einem geteilten Land mit faschistischer Vergangenheit, welche die DDR-Zensur zur unablässigen Verfeinerung ihrer Methoden und zur effektiven Zentralisierung zwangen.

Autoren wie Franz Fühmann, Stefan Heym, Stephan Hermlin, Hermann Kant oder auch Jürgen Kuczynski haben sich an der Zensur abgearbeitet. Aber es gab auch Autoren, die mit dem MfS kooperierten und womöglich dort ihren wohl wollenden Zensor anschwärzten.[3] Hingegen fanden sich unter den Zensoren durchaus engagierte Literaturfreunde: Das Studium verbotener Bücher erweiterte den Gesichtskreis und zerstörte die enge Auffassung vom "Sozialistischen Realismus". Angesichts strenger Kontrollen und literaturfremder, ideologisch bornierter übergeordneter Stellen im Zentralkomitee (ZK) und im Politbüro der SED hätte guter Wille allein wenig genützt. Es war zweckmäßig, handfeste Argumente ins Feld zu führen, um das eine oder andere literarische Experiment befürworten zu können. Auch im Sozialismus erwies sich der Hinweis auf ökonomische Zwänge als durchschlagend: Wenn Devisen auf dem Spiel standen, bereits Satzkosten angefallen waren oder der sensible Terminplan der Großdruckereien aus den Fugen zu geraten drohte, wurden beide Augen zugedrückt.

Der verdeckte Primat der Ökonomie erklärt, weshalb in der DDR Zensurentscheidungen oft Kompromisscharakter trugen und weniger dekretiert als ausgehandelt wurden. Im Zweifelsfall waren alle Seiten bestrebt, auch politisch schwierige, "problematische" Titel zu "machen". Zensoren und politisch verantwortliche Lektoren taten gut daran, zu dokumentieren, dass sie es sich nicht leicht gemacht und Vorsicht hatten walten lassen. Deshalb glichen etliche Verlagsgutachten im Druckgenehmigungsantrag Verhandlungsprotokollen, in denen alle in den Gutachten erhobenen Einwände aufgeführt waren und jede im Verlag oder der Zensurbehörde durchgesetzte Änderung als Verhandlungserfolg verzeichnet wurde. Besonders gern griff man zu dem Argument, ein gefährliches Buch durch ein kommentierendes Nachwort stigmatisiert oder durch eine kleine Auflage marginalisiert zu haben. War das Buch einmal genehmigt, konnte man in der Nachauflage ein als peinlich empfundenes Nachwort wieder wegfallen lassen.

Die zensurerfahrenen Verlagslektoren verwalteten ein unerschöpfliches Repertoire an Krücken, mit denen sie die unwahrscheinlichsten Projekte ermöglichten. So enthält eine 1987 erschienene Bibliographie des Verlags Volk & Welt[4] bis auf Sartre und Proust, die bei Aufbau erschienen waren, die gesamte, einst als "dekadent" verpönte "literarische Moderne": Die Publikation von Autoren wie Apollinaire und Anouilh, Beckett und Benn, Camus und Canetti, Dürrenmatt, Enzensberger, Freud, Grass, Ionesco, Joyce, Kafka und Musil imponierte auch im brüchigen Kosmos des "Sozialistischen Realismus" als eindrucksvolle Kette kleiner Heldentaten. Wer zwischen den Zeilen der Akten liest, kann das Schauspiel beobachten, wie Schriftsteller, Lektoren, Verleger und Zensoren über zwei Jahrzehnte hinweg nicht müde wurden, Tabus anzuknabbern und die Grenzen des Publizierbaren auszuweiten. Infolge einer Eigenart des Druckgenehmigungsverfahrens handelte es sich bei solchen Zensurkämpfen keineswegs nur um Einzelgefechte. Ein druckgenehmigtes Buch wurde leicht zum Präzedenzfall. Es war offiziell erlaubt und gültig, man konnte einem DDR-Autor kaum verbieten, so zu schreiben, wie es internationale Protagonisten der literarischen Moderne vorgemacht hatten. Ungewöhnliche Bücher verschoben die literaturpolitische Linie und waren gerade deshalb heftig umstritten. Wenn, so wussten die Volk & Welt-Lektoren, Joyce möglich war, konnte man es auch mit Beckett versuchen, nachdem Ortega absolviert war, stand Nietzsche zur Diskussion, und von Camus schritt man weiter zu Genet.

Zum taktischen Repertoire gehörte es, suspekte Autoren nicht gleich mit ihren umstrittensten Werken, sondern zunächst an unauffälliger Stelle einzuführen. Als geeignetes Versteck für diskrete DDR-Premieren waren Anthologien beliebt. Hatte ein Autor auf diese Weise sein literarisches Aufenthaltsrecht erstritten, so konnte man sich an dessen berüchtigte Texte herantrauen. Diesem Muster entsprechend gelang es beispielsweise, von Henry Miller nach dessen Premiere in einer amerikanischen Prosasammlung ("Moderne amerikanische Prosa", 1965) und einem dezidiert unerotischen Taschenbüchlein ("Mademoiselle Claude", 1978) nach zwanzigjährigem Anlauf 1986 den "Wendekreis des Krebses" zu publizieren. Viele solcher Projekte erforderten langen Atem. Als sich eine Romanistik-Lektorin 1985 bei Volk & Welt daran wagte, endlich "Die Haut" von Curzio Malaparte durchzusetzen, musste sie im Gutachtenarchiv des Verlags feststellen, dass seit den 1950er Jahren schon drei ihrer Vorgänger an dieser Aufgabe gescheitert waren. "Stiller" von Max Frisch (1975) und drei Bände der Memoiren Ilja Ehrenburgs (1978) erschienen mit einer Verspätung von fünfzehn Jahren, nachdem diese Bücher Anfang der 1960er Jahre auf spektakuläre Weise vom ZK gestoppt worden waren.

Natürlich machte es einen erheblichen Unterschied, ob man es mit Texten von Weltautoren - die ein Zensor nicht gut ändern konnte - oder mit dem eigenen Schriftstellernachwuchs zu tun hatte, der vor allem im Mitteldeutschen Verlag in Halle einen Stützpunkt hatte. Hier arbeiteten die Lektoren intensiv mit am Text, was leicht zu legitimieren war, solange ein "Schreibender Arbeiter" auf Hilfestellungen angewiesen war. Ähnliche Einmischungen hätten sich Autoren der ersten Garde verbeten, die sich eher im Aufbau-Verlag versammelten. Wenn irgendwo ein so engagierter Literaturfreund wie Kurt Batt im Lektorat des Rostocker Hinstorff-Verlages am Werk war, sprach sich das herum, und eher ausgegrenzte Autoren wie Klaus Schlesinger und Ulrich Plenzdorf fühlten sich angezogen.

Belletristik-Zensur in der DDR funktionierte von Verlag zu Verlag unterschiedlich. Selbst im Nachhinein ist das Zensursystem nicht leicht zu durchschauen, die Autoren blieben auf Gerüchte angewiesen. Der Zensurforscher kann durch sein Ex-post-Wissen, durch die Kenntnis der Institutionen, Kader und Hintergrundintrigen, der dominierenden ökonomischen Zwänge und des Wechselspiels der ideologischen Großwetterlage leicht das Wichtigste verfehlen: die bedrohliche Offenheit einer undurchschaubaren Situation. Dem im Nebel stochernden Autor stand eine bunte Palette taktischer Manöver zur Verfügung, um seinen Text durchzusetzen. Er konnte ein aktuelles Anliegen durch ein historisches Gewand tarnen oder auf unverfängliches Terrain ausweichen. Stefan Heyms "König David Bericht" hatte beispielsweise weniger mit der Bibel als mit der Geschichtspolitik Walter Ulbrichts zu tun. Um zu vermeiden, dass ihre exotischen Abenteuer der strengen Zensur durch das Außenministerium unterlagen, ließen Krimiautoren ihre Abenteuer nicht mehr in Indien oder China, sondern auf einem Ozeandampfer spielen. Besonders beliebt wurden abgelegene Gegenden wie Grönland. Als einer Verfasserin von Eskimo-Märchen trotzdem abverlangt wurde, die Vorzüge der sowjetischen Eskimo-Politik herauszustreichen, verlegte sie die Handlung kurzerhand ins 14. Jahrhundert. Ganze Genres sind auf diese Weise entstanden. So hing die Vorliebe von Autoren wie Franz Fühmann und Christa Wolf für die Romantik damit zusammen, dass die gefürchteten Gutachter des Instituts für Marxismus-Leninismus erst für die Zeit ab 1844 zuständig waren.

Es gab spielerische Versuche, subversive Passagen in Texte einzuschmuggeln. Irmtraud Morgner gelang es, die umstrittensten Passagen eines verbotenen Manuskripts in einem neuen Roman zu verstecken. Die Strategie, so genannte "weiße Elefanten" oder "Porzellanhunde" als Streichmasse in den Text zu schmuggeln, um die Aufmerksamkeit des Zensors auf sich zu ziehen - man zitierte also etwa Trotzki, um von der Kritik an der staatlichen Umweltpolitik abzulenken -, wurde auch von Lektoren empfohlen: "Geh bis zur äußersten Grenze. Tue Dir keinen Zwang an. Streichen können wir dann immer noch!"[5] In dieser Offensivstrategie, einer Art Selbstzensur mit umgekehrten Vorzeichen, trafen die Interessen von Autor, Verleger und Leser glücklich zusammen. Hingegen existierte kein sichereres Mittel, die Zensurbehörde in Wut zu versetzen und zugleich die Aufmerksamkeit der Stasi anzustacheln, als ein noch nicht genehmigtes Manuskript zunächst in der Bundesrepublik verlegen zu lassen. Für den Zensor erfüllte das den Tatbestand der Nötigung, denn er konnte einen im Westen bekannten Text nicht mehr ändern. Sonst passierte es wie bei Christa Wolfs Kassandra-Vorlesungen, dass DDR-Leser die gestrichenen Passagen auswendig lernten, und man erntete zusätzlich zum Schaden auch noch den Spott des westdeutschen Feuilletons.

Es gab provokative Versuche, aus dem Zensursystem auszuscheren. Kleinauflagen von Graphiken unter 100 Stück waren nicht dem Druckgenehmigungsverfahren unterworfen, eine Regelung, auf die der literarische Untergrund der 1980er Jahre seine subversiven, allerdings in der Wirkung beschränkten Praktiken stützte. Doch politische Wirksamkeit war nur über die großen Verlage zu erwarten. Hier ist ein bislang übersehenes Phänomen zu erwähnen, das entschieden zur Unterwanderung des Zensursystems beitrug. Es gehörte zum Berufsbild des Zensors, dass er als Kenner verbotener Literatur der Gefahr ideologischer Aufweichung und politischer Zersetzung durch dekadente, feindliche Einflüsse ausgesetzt schien. Deshalb griffen seine Vorgesetzten regelmäßig zu kaderpolitischen Sanktionen. Hauptsächlich als Folge von Strafversetzungen wurden schließlich beinahe alle großen Verlage von ehemaligen Zensoren geleitet. Sie erhielten, wie man sagte, einen Verlag als "Lehen" überreicht. Diese Strategie erwies sich als zweischneidig. Zwar kannten Verleger wie Günter Hofé vom Verlag der Nation, Jürgen Gruner von Volk & Welt, Gerhard Dahne vom Altberliner Verlag oder Eberhard Günther vom Mitteldeutschen Verlag die strengen Spielregeln, aber gerade wegen dieses Insiderwissens und ihrer Behördenkontakte waren sie in der Lage, nahezu jedes Buch durchzusetzen: Auf diesem Minenfeld wurde der erfahrene Zensor zum besten Verbündeten des Autors.

Schließlich kam es soweit, dass die Zensurbehörde daran ging, die Belletristik-Zensur abzuschaffen. Buchminister Höpcke und der Präsident des DSV Hermann Kant nutzten den Rückenwind des XI. Schriftstellerkongresses 1987, auf dem Christoph Hein die Zensur als "überlebt, nutzlos, paradox, menschenfeindlich, volksfeindlich, ungesetzlich und strafbar" gegeißelt hatte, um dem Chefideologen Kurt Hager im Politbüro die Aufhebung des Druckgenehmigungsverfahrens zum 1. Januar 1989 abzuringen. Hager stellte zwar die seltsame Bedingung, dass davon niemand erfahren dürfe - schließlich konnte man schlecht eine Zensur abschaffen, die offiziell gar nicht existiert hatte -, aber eine solche Sensation machte die Runde, und die Vermutung, dass die Abschaffung der Zensur das öffentliche Meinungsklima im Vorfeld der "Wende" entscheidend beeinflusst hat, ist kaum von der Hand zu weisen. Doch als endlich die lange erwarteten Bücher Stefan Heyms, Rainer Kunzes, Rudolf Bahros, Ernst Jüngers, Friedrich Nietzsches oder Alexander Solschenizyns erscheinen konnten, gab es keine DDR mehr. Wer interessierte sich 1990 noch für die "Fünf Tage im Juni", den einst sagenumwobenen vierten Band der Ehrenburg-Memoiren oder für Bahros "Die Alternative"? In jenem Jahr verdrängte im sterbenden Volksbuchhandel die westdeutsche Literatur die Bücher aus der DDR, deren mit Abstand interessantester Jahrgang sich schließlich auf der Müllkippe wiederfand.

Fußnoten

3.
Vgl. Joachim Walter, Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der DDR, Berlin 1996.
4.
Vgl. H. D. Tschörtner (Hrsg.), Bibliographie Verlag Volk und Welt. 40 Jahre internationale Literatur, Berlin 1987; Simone Barck/Siegfried Lokatis (Hrsg.), Fenster zur Welt. Eine Geschichte des Verlags Volk und Welt in der DDR, Berlin 2003.
5.
Richard Zipser (Hrsg.), Fragebogen Zensur, Leipzig 1995, S. 219 (Dorothea Kleine).