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27.1.2009 | Von:
Michael Hauser

Mit ökologischer Landwirtschaft gegen den Hunger?

Mit ökologischer Landwirtschaft können Ernteerträge gesteigert und Betriebskosten gesenkt werden. Nur mit einer ökologisch nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft ist eine wachsenden Weltbevölkerung zu ernähren.

Einleitung

Die globale Nahrungsmittelkrise, welche im Frühjahr des Jahres 2008 einen medialen Höhepunkt erreichte, rückte auch ökologische Landwirtschaft in den Blickpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Frage, ob angesichts von Armut und Hunger in Entwicklungsländern die ökologische Landwirtschaft effektive Lösungen zur Beseitigung von Ernährungsunsicherheiten anbieten kann.[1] Die Antworten auf diese Frage sind widersprüchlich - ideologische Verortung, Wertvorstellungen und Interessen der Betrachter sind mitunter wesentliche Faktoren, die Stellungnahmen zu diesem Themenkomplex beeinflussen. Der rund um das Ernährungssicherungspotential von ökologischer Landwirtschaft entfachte Richtungsstreit ist nicht neu. Er trennt seit langem Anhänger konventioneller und ökologischer Landwirtschaft und bekommt durch den antizipierten Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen als Strategie zur Hungerbekämpfung eine neue konfliktbehaftete Dimension.






Sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft nehmen für sich in Anspruch, durch Produktivitätssteigerung bei gleichzeitiger Erhaltung natürlicher Ressourcen einen substantiellen Beitrag zur Hungerbekämpfung zu leisten. Angesichts der geringen Ernteerträge und des nicht ausgeschöpften Ertragspotentials wichtiger Kultur-pflanzen ("yield gap"), insbesondere in Afrika südlich der Sahara, besteht wenig Zweifel an der Notwendigkeit, landwirtschaftliche Produktivität langfristig zu erhöhen.[2] Diese Notwendigkeit ergibt sich durch das prognostizierte Nahrungsmittelbedürfnis einer ständig wachsenden Weltbevölkerung - unabhängig von der Tatsache, dass gegenwärtig noch genügend Nahrungsmittel für alle Menschen dieser Erde verfügbar sind und es sich bei Hunger vor allem um ein Verteilungsproblem handelt. Geprägt durch die negativen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen von agro-industrieller Landwirtschaft in Industriestaaten und der Grünen Revolution in Südasien (in Afrika konnte sie kaum Fuß fassen), postulieren im Besonderen zivilgesellschaftliche Vertreter ökologische Landwirtschaft als dritten Weg. Ist ökologische Landwirtschaft eine Alternative? Welche langfristigen Ernährungssicherungseffekte sind von dieser Bewirtschaftungsweise zu erwarten?

Fußnoten

1.
Vgl. Cathrine Badgley u.a., Can organic agriculture feed the world?, in: Renewable Agriculture and Food Systems, 22 (2007), S. 80-85; Nadia Scialabba, Organic agriculture and food security. International conference on organic agriculture and food security (Food and Agriculture Organization of the United Nations), Rome 2007.
2.
Vgl. Jules Pretty, The sustainable intensification of agriculture, in: Natural Resources Forum, 21 (1997), S. 247 - 256.