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18.12.2008 | Von:
Nikolaus Katzer

Ideologie und Pragmatismus in der sowjetischen Außenpolitik

Der Kalte Krieg verlangte jeder Sowjetführung eine Entscheidung darüber ab, welchen Preis sie für die Systemstabilisierung und für ihre offensive Weltpolitik zu zahlen bereit war.

Einleitung

Nach dem militärischen Triumph über das Deutsche Reich verfolgte Stalin ein doppeltes Ziel. Einerseits sollte ein langfristig stabiles, eigenes Sicherheitssystem aufgebaut, andererseits die hinzugewonnene Rolle als zweite Weltmacht neben den USA unverzüglich ausgefüllt werden. Beide Strategien bargen erhebliche Risiken und verursachten gewaltige Kosten, welche die begrenzten Ressourcen der Sowjetunion nach dem verheerenden Krieg extrem beanspruchten. Auf beiden Feldern der internationalen Politik genügte es nicht, die ideologischen Muster der Zwischenkriegszeit fortzuschreiben. Vielmehr betrieben die Sowjetführungen in wachsendem Maße eine pragmatische Interessenpolitik, die sich den Zeitumständen und den regionalen, nationalen und globalen Gegebenheiten anzupassen suchte. Bei der Ausweitung der Einflusssphäre in bislang diplomatisch nicht frequentierte Weltgegenden vermischten sich ideologisch-revolutionäre Konstanten mit konventionell-traditionellen Zielen und neu definierten Ambitionen. Außenpolitische Erfolge außerhalb Europas und zuungunsten des gegnerischen Lagers im Kalten Krieg wurden als Gradmesser für Größe, Macht und Ansehen der Sowjetunion genommen.[1]




Jahrzehntelang stritten "orthodoxe" und "revisionistische" Forscher darüber, wann und wodurch der Kalte Krieg ausgelöst worden und wem letztlich die "Schuld" für den Ost-West-Gegensatz und die Teilung Europas zuzuweisen sei. Erst das Ende der Sowjetunion und dadurch bedingte Veränderungen in der historischen Wahrnehmung sowie nicht zuletzt die Öffnung russischer Archive haben dieser apodiktischen Debatte die Schärfe genommen. Neue Einsichten in die sowjetischen Entscheidungsprozesse legen nahe, das Kausalitätsprinzip im Kalten Krieg nicht über Gebühr zu strapazieren. Im Lichte der neuen Quellen erscheint der Kurswechsel nach 1945 weniger radikal und stärker auf Kontinuität angelegt gewesen zu sein.

"Antiimperialismus" und Hegemonialpolitik

Das Auseinanderbrechen der Kriegskoalition beendete aus Stalins Sicht ein Zweckbündnis auf Zeit.[2] In einer Rede am 9. Februar 1946 rechtfertigte der Diktator zunächst seine widersprüchliche und umstrittene Diplomatie am Vorabend und während des Krieges, um dann zu betonen, dass der Sozialismus nach wie vor einer tödlichen äußeren Bedrohung ausgesetzt sei. Seine Verteidigung erfordere außerordentliche Anstrengungen.[3]

In historischer Perspektive erschien es vordringlich, die Gunst der Stunde zu nutzen, um den gegen die Sowjetunion gerichteten cordon sanitaire der Zwischenkriegszeit umzukehren.[4] Ostmitteleuropa sollte zum sowjetischen Sicherheitsgürtel werden. In den Ländern dieses Hegemonialbereiches, der die baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien umfasste, duldete Moskau nur für wenige Jahre den Fortbestand der im Krieg erschütterten politischen Strukturen. Die Mehrparteiensysteme mit relativ freien Wahlen gehörten einer vergangenen Zeit an. Bereits Ende der 1940er Jahre waren überall mit Hilfe der Besatzungstruppen und der kommunistischen Parteien mehr oder weniger homogene, sowjetfreundliche Regime eingerichtet worden.[5] Die östlichen Teile Deutschlands wurden ins sowjetische Staatsgebiet inkorporiert bzw. durch eine Westverschiebung der Grenzen Bestandteil Polens. Das Territorium der Sowjetischen Besatzungszone reihte sich mit Verzögerungen und mit dem Ostteil Berlins als Hauptstadt in die Front der Satellitenstaaten ein, obwohl ursprünglich die Teilung Kerndeutschlands von den Sowjets nicht favorisiert worden war.[6] Mit der Gründung der DDR 1949 hatte der "Ostblock" seine endgültige äußere Gestalt angenommen. Spätestens nach der sowjetischen Intervention 1953 in der DDR und 1956 in Ungarn war der Aufbau der Hegemonialsphäre abgeschlossen. Der Bau der Berliner Mauer 1961 und die Intervention in Prag 1968 bestätigten noch einmal diesen Status quo. Innerhalb eines Jahrzehnts war es der Sowjetunion gelungen, zwischen Ostsee und Schwarzem Meer eine breite Pufferzone einzurichten, die äußere Einflüsse abschirmen und zugleich offensive außenpolitische Ambitionen stützen konnte.[7]

Obwohl die Gründung der NATO 1949 und die Sicherheitsgarantien der USA für Westeuropa dem sowjetischen Ausgreifen Grenzen setzten, war die Sowjetunion nicht zuletzt wegen der Überwindung des amerikanischen Atomwaffenmonopols zum Zeitpunkt von Stalins Tod 1953 mächtiger als jeder andere russische Staat in der Geschichte. Der antiimperialistische Impetus der frühen sowjetischen Nachkriegspolitik spiegelt sich exemplarisch wider in einem Memorandum des Sowjetbotschafters in Washington, Nikolai W. Nowikow, vom September 1946.[8] Angeleitet durch Außenminister Wjatscheslaw Molotow kam der Diplomat zu dem Schluss, dass die USA stärker als jemals zuvor aus dem Krieg hervorgegangen seien. Er unterstellte, dass sie nicht zum Isolationismus zurückkehren würden und nach Weltherrschaft strebten. Zwei der imperialistischen Hauptrivalen, Deutschland und Japan, seien besiegt; Großbritannien sei im Niedergang begriffen. Allein die erstarkte Sowjetunion stehe der amerikanischen Expansion noch im Weg.

Stalin folgerte aus der neuen Weltlage gleichwohl nicht, dass ein Krieg unmittelbar bevorstand. Er traute Amerikanern und Briten aufgrund divergierender Interessen keine konsequente Einkreisungspolitik gegen die Sowjetunion zu. Selbst die Atombombe, die offenbar die sowjetische Führung tief beeindruckte, spielte er in ihrer strategischen Bedeutung zunächst herunter. Sie diente nach seiner Ansicht einzig dem Zweck, Politiker "mit schwachen Nerven" einzuschüchtern. Die Atombombe war demnach nicht geeignet, Kriege endgültig zu entscheiden. Im Übrigen trachtete Stalin jedoch energisch danach, im Bereich der Kernwaffen mit den Amerikanern gleichzuziehen.[9]

Entkolonialisierung und Weltpolitik

Aus der Verbindung von ideologischem Geltungsanspruch und erneuerten russischen Traditionen erwuchs ein imperiales Bewusstsein, das die bisherigen Grenzen zu überschreiten, in neue Räume vorzustoßen und dafür die eigenen Ressourcen ebenso wie die der neuen "Brudervölker" rücksichtslos auszubeuten bereit war. Die Offensive der Kommunisten in Asien bestärkte die Westmächte in der Ansicht, dass Moskau sich nicht mit der Vorherrschaft in Europa begnügen würde.

Drei Jahrzehnte, nachdem die Kommunistische Internationale (Komintern) im Jahr 1920 Thesen zur nationalen und kolonialen Frage verkündet und ihre Solidarität mit den Befreiungsbewegungen im Nahen, Mittleren und Fernen Osten erklärt hatte, fühlte sich Moskau mehr denn je als antikolonialer Fürsprecher. Getragen von der Euphorie des Sieges im Weltkrieg, knüpfte der Sekretär des Zentralkomitees Andrei Schdanow auf der Gründungskonferenz des Kommunistischen Informationsbüros (Kominform) im September 1947 an die Strategie der Komintern an. Als neue Weltmacht war die Sowjetunion demnach berufen, an der Spitze des "demokratischen Lagers" den Kampf gegen die "imperialistische Expansion" anzuführen und "neue Kriege" zu verhindern.[10]

Während in Ostmitteleuropa die Einrichtung von Satellitenstaaten noch andauerte, brachten die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong der nationalistischen Guomintang 1949 im Bürgerkrieg die entscheidende Niederlage bei. Der Norden der koreanischen Halbinsel fiel in die Hände von Kommunisten. Auch in Süd- und Südostasien befanden sich die europäischen Kolonialimperien in der Defensive. Der Kalte Krieg begann, eine "Dritte Welt" aus Entwicklungsländern von der "Ersten" aus kapitalistischen Industriestaaten und der "Zweiten" aus den Ländern des sowjetischen Hegemonialbereichs abzusondern, auf die sich fortan die rivalisierenden Interessen konzentrierten.[11] Für die umworbenen ehemaligen Kolonien und die aufstrebenden Entwicklungsländer eröffneten sich Freiräume zwischen den Blöcken. Als "Peripherie" des Kalten Krieges nutzten sie diese in vielen Fällen zur Herausbildung nationalstaatlicher Strukturen, aber auch zur Entwicklung technologischer Autonomie und nichtkommunistischer antikapitalistischer Alternativen.[12]

Obgleich die nationalen Revolutionen meist ohne sowjetische Unterstützung auskamen, beanspruchte Moskau die alleinige Führung im Unabhängigkeitskampf. Dies belastete das ambivalente Verhältnis zur Kommunistischen Partei Chinas nach deren Sieg zusätzlich.[13] Zwar waren die bedeutendsten radikalen Bewegungen wie schon in den 1920er Jahren überwiegend nationalistisch und nicht sozialistisch ausgerichtet. Doch lehrte das chinesische Beispiel, dass der Antikolonialismus erfolgreicher Bestandteil einer antikapitalistischen Strategie sein konnte. Gestützt auf indigene kommunistische Kräfte in Indochina, Indonesien, Indien, Burma, Malaysia und auf den Philippinen schienen sich der Sowjetunion zahlreiche Möglichkeiten zum Aufbau eines strategischen Vorfeldes in Asien zu eröffnen.[14] Allerdings war es dafür unabdingbar, die Urheberschaft am erfolgreichen chinesischen Weg gleichsam zu enteignen und für sich zu verbuchen. Unverblümt wurde der Sieg Mao Zedongs den Lehren Lenins und Stalins bzw. der russischen revolutionären Tradition gutgeschrieben. Peking durfte nicht zum Mutterland des antikolonialen Kampfes in Asien aufsteigen. Der sowjetisch-chinesische Gegensatz vertiefte sich im Koreakrieg. Dieser drohte Peking nicht zuletzt wegen taktischer Manöver Stalins in einen anhaltenden, blutigen Konflikt mit den USA zu stürzen.[15]

Unter Stalins Nachfolgern wurde das Engagement in der "Dritten Welt" erheblich ausgeweitet. Nikita Chruschtschow erklärte die "strategische Reserve des Imperialismus" zum bevorzugten Schauplatz, auf dem man dem Westen erfolgreicher und weniger riskant als an den Brennpunkten der bipolaren Rivalität in Korea, Berlin oder auf Kuba entgegentreten könne.[16] Kennzeichnend für die neuen Prioritäten waren im Jahr 1955 nicht nur Waffenlieferungen an Ägypten, sondern auch die demonstrative Anwendung des Protokolls der Spitzendiplomatie beim Empfang des indischen Premierministers Jawaharlal Nehru in Moskau oder bei Chruschtschows und Nikolai Bulganins Gegenbesuch in Neu-Delhi. Überdies kündigte die Sowjetführung Wirtschaftshilfe für Entwicklungsländer an, die zwar nicht unbedingt auf dem Weg zum Sozialismus waren, aber geostrategische Vorteile boten.

Die ideologische Nachsicht gegenüber der praktischen Experimentierfreude vor Ort veranlasste die Volksrepublik China in den 1960er Jahren, den Alleinvertretungsanspruch Moskaus bei der Auslegung des Marxismus für die Länder der "Dritten Welt" offen in Frage zu stellen. Das Schisma äußerte sich nun auch in zahlreichen bewaffneten Zwischenfällen an der chinesisch-russischen Grenze. Sie widerlegten den Mythos von der internationalen Solidarität des "Proletariats".[17] "Völkerfreundschaft" und "Internationalismus" gerieten in den Ruch, Verschleierungen für die realpolitische Ausweitung der sowjetischen Einflusssphäre zu sein. Doch dazu genügte kein Export politischer Ideologie. Die Werbung um Verbündete bedurfte eines materiellen Kerns. Offiziellen Kontakten auf diplomatischer Ebene mussten Wirtschaftsverträge folgen. Darüber hinaus festigte der Austausch von Beratern, Arbeitskräften und Fachleuten die Bindungskraft. Da die Wirtschaftshilfe kontinuierlich aufgestockt werden musste, sah sich Moskau gezwungen, eine Rangfolge der Adressaten festzulegen. Es war zudem bezeichnend, dass die Ausgaben für Militärhilfe durchgängig den größten Posten ausmachten.[18]

Insgesamt zeitigte das sowjetische Engagement in der "Dritten Welt" eher prekäre Folgen. Zum einen belastete die Unterstützung von Rebellen die Entspannungspolitik gegenüber dem Westen. Zum anderen durchkreuzten der Nationalismus der postkolonialen Staaten und die wachsenden Konflikte untereinander die Stabilität der regionalen Stützpunkte. Aus der Unterstützung von "Befreiungsbewegungen" entwickelten sich nicht selten "Stellvertreterkriege" im globalen Konflikt der Supermächte.[19] Einzelne Partner wie Somalia oder Ägypten wechselten auf die Seite des Westens. Andere wie Chile unter Salvador Allende oder Äthiopien unter Haile Mariam Mengistu wurden gestürzt.[20] In den 1970er Jahren verzeichnete Moskau mit der Errichtung prosowjetischer Regime in Angola, Äthiopien, Nicaragua und Afghanistan und mit dem Sieg der Kommunisten in Laos und Kambodscha seine größten Erfolge in der postkolonialen Welt.[21] Auf dem 25. Parteitag im März 1976 verkündete Leonid Breschnew nicht ohne Stolz, dass die Stellung der Sowjetunion in der Welt niemals fester gewesen sei.

Doch der Schein trog. Der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat kündigte einseitig das Vertragsverhältnis mit der Sowjetunion. Sudan und Somalia folgten 1977 diesem Beispiel. Nichts trübte allerdings den Nimbus als "Friedensmacht" mehr als die Intervention in Afghanistan im Dezember 1979.[22] Sie setzte dem scheinbar unaufhaltsamen Machtzuwachs der Sowjetunion ein definitives Ende. Die UN-Vollversammlung verurteilte im Januar 1980 mit großer Mehrheit den Einmarsch. Eine Konferenz von 36 islamischen Staaten wiederholte wenig später das Verdikt. Erst unter Michail Gorbatschow, dem (abgesehen von Boris Jelzin) letzten sowjetischen Herrscher, wurde die Rechnung für die Überdehnung der sowjetischen Ressourcen aufgemacht. Das Fiasko von Afghanistan stand dabei stellvertretend für allzu ambitionierte weltpolitische Ziele.

Entspannungspolitik und Konfrontationsideologie

Mit der massiven Aufrüstung der strategischen Streitkräfte nach der Kubakrise erreichte Moskau innerhalb eines Jahrzehnts eine Pattsituation mit den USA.[23] Allerdings war dieser militärpolitische Kraftakt nur um den Preis eines rapide sinkenden Wirtschaftswachstums möglich. Um die Konsumerwartungen der Bevölkerung dennoch befriedigen zu können, entschieden sich Parteichef Breschnew und Ministerpräsident Alexei Kossygin für einen doppelten Kurswechsel. Wirtschaftspolitisch sollte die Einfuhr westlicher Technologien die Produktivität der Industrie kurzfristig erheblich steigern. Außenpolitisch wurde das bereits von Chruschtschow wiederbelebte Lenin'sche Konzept der "Friedlichen Koexistenz" um Elemente konstruktiver Zusammenarbeit erweitert. Grundsätzlich ging es darum, Kriege mit dem ideologischen Gegner zu vermeiden und Konfliktursachen zu reduzieren. Nicht zuletzt signalisierte die sowjetische Führung die Bereitschaft, über Rüstungskontrolle, Krisenmanagement und Handelsabkommen zu verhandeln.

Die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition in der Bundesrepublik nach 1969, die Anerkennung der Unverletzlichkeit der Grenzen in Europa, die Verträge mit den osteuropäischen Nachbarn, das Viermächteabkommen über Berlin, die deutsch-deutschen Vereinbarungen über einen geregelten diplomatischen Verkehr, die Aufnahme der Bundesrepublik und der DDR in die Vereinten Nationen und schließlich die Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki am 1. August 1975 waren Ausdruck eines ost-westlichen Normalisierungsprozesses. Die Sowjetunion erreichte eines ihrer Hauptziele, die Anerkennung des politischen und territorialen Status quo nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausdruck dieser Akzeptanz war es, dass die internationalen Proteste gegen die Intervention von Truppen des Warschauer Paktes 1968 in der Tschechoslowakei rasch abebbten.[24] Dagegen nahmen studentische Demonstrationen gegen das Engagement der USA in Vietnam erheblich zu. Moskau wusste die antiamerikanischen Stimmungen zu fördern und zu nutzen.[25]

Für die Entspannungspolitik wie für die "Dritte-Welt"-Politik markierte "Moskaus Vietnam", die Besetzung Afghanistans, den Wendepunkt. Die vom amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter Anfang 1980 verkündete Boykottpolitik tangierte nahezu alles, was die Ost-West-Beziehungen für etwa zehn Jahre in Schwung gebracht hatte. Die Getreidelieferungen wurden gekürzt, die Ausfuhr von Hochtechnologie eingefroren, der Kulturaustausch eingeschränkt und die prestigeträchtigen Olympischen Spiele von Moskau boykottiert. Für den Fall einer Unterbrechung der Ölpipelines in den Persischen Golf drohte Washington sogar mit militärischen Operationen. Carters Amtsnachfolger Ronald Reagan verschärfte den antisowjetischen Kurs. Doch auch Moskaus unmittelbares Vorfeld geriet in Bewegung. Streiks und Unruhen in Polen führten 1981 an den Rand einer Invasion. Am Ende von Breschnews Amtszeit bestand die sowjetische Außenpolitik in defensiver Bestandswahrung. Die sowjetische Weltpolitik war an ihre Grenzen gestoßen. Für ein erneutes Wettrüsten im Bereich der Mittelstreckenraketen fehlten ebenso die Ressourcen wie für ein Gegenstück zum angekündigten amerikanischen weltraumgestützten Raketenabwehrsystem (SDI).

Eine Wirtschaftskrise, die Überalterung des Partei- und Staatsapparates und das Machtvakuum unter den Übergangsführern Juri Andropow und Konstantin Tschernenko schwächten das Imperium weiter. Dennoch zögerte Gorbatschow, der dritte Parteichef innerhalb von drei Jahren, mit einer Wende in der Außenpolitik. Erst nach 1987 kam es aufgrund der bedrohlichen inneren Krise sowie unter dem Eindruck der verheerenden Folgen des Atomunglücks von Tschernobyl ein Jahr zuvor und der anhaltenden internationalen Spannungen zu bedeutsamen Erfolgen in der Abrüstungspolitik und bei der Lösung regionaler Konflikte in Afrika, Asien und Lateinamerika.[26] Moskau unterstützte 1987 eine UN-Resolution, um einen Waffenstillstand im Iran-Irak-Krieg zu erreichen. Zudem setzte es sich für Friedensgespräche zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ein. 1988 wurde das Engagement in Angola beendet. 1989 kündigte Moskau an, die Militärhilfe für Nicaragua einzustellen.

Von besonderem Gewicht war der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan 1988/89. Er brachte den traumatischen Krieg gegen die antikommunistische Guerilla zum Abschluss. Im Mai 1989 reiste Gorbatschow zum ersten Gipfeltreffen seit zwanzig Jahren nach Peking. Es leitete mit der Entmilitarisierung an der sowjetisch-chinesischen Grenze und mit Wirtschafts- und Wissenschaftsabkommen eine Phase der Deeskalation und Kooperation ein. Eines der letzten Anzeichen für das nahe Ende des Kalten Krieges war, dass sich die Sowjetführung gegen erhebliche innere Widerstände dazu bereit fand, in der Golfkrise von 1990 mit den USA zusammenzuarbeiten.

Das "Neue Denken" in der sowjetischen Außenpolitik kehrte eine jahrzehntelange Entwicklung imperialer Expansion und steigenden globalen Einflusses um.[27] Das gewaltige Militärbündnis Warschauer Pakt wurde aufgelöst. Die sowjetischen Stützpunkte in aller Welt wurden geräumt.

"Internationalismus" und Kulturtransfer

Die beachtlichen Erfolge in der Europapolitik waren durch die Anerkennung der "bürgerlichen" Freiheitsrechte auf der Konferenz von Helsinki nur scheinbar günstig erkauft worden. Schon bald zeigte sich, dass die Verpflichtung auf die Freiheit des Denkens, des Gewissens und der Religionsausübung und das Bekenntnis zu ungehindertem Informationsfluss, Freihandel und menschlichen Kontakten die weltanschauliche Deutungshoheit der Sowjetunion erodieren ließ. Im Innern war es Breschnew in den 1960er Jahren noch gelungen, die kulturelle Liberalisierung des "Tauwetters" nach Stalins Tod teilweise zurückzunehmen. Nach außen, so hoffte er, werde es ebenfalls gelingen, durch das Prinzip der "Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten" unliebsame Einflüsse aus dem Westen von der sowjetischen Bevölkerung fernzuhalten.

Die Anerkennung der Menschenrechte bedeutete jedoch ganz im Gegenteil den Eintritt in eine neue Dimension der internationalen Beziehungen, in der das Paradigma des Sowjetmarxismus seine allumfassende Gültigkeit verlor. Zudem wirkten sich nun auch die Folgen der mit dem Supermachtstatus verbundenen Öffnung des Landes gegenüber der Außenwelt aus. Internationale Großereignisse wie Jugendfestivals oder Olympische Spiele wurden zu öffentlichen Räumen eines schwer reglementierbaren Kulturtransfers zwischen Ost und West. Das offizielle Selbstbild vom "sowjetischen Lebensstil", aber auch die von Moskau allein beanspruchte normative Auslegung des Sozialismus kontrastierten mit der Vielfalt möglicher Alternativen.

Die Geschichte des Kalten Krieges ist meist als eine der Abschottung und Konfrontation zweier gegensätzlicher gesellschaftlicher Systeme geschrieben worden. Diese dichotome Sicht setzte voraus, die Propaganda der gegnerischen Lager für einen verlässlichen Spiegel der tatsächlichen Kulturbeziehungen zu nehmen.[28] Alltag und persönliche Erfahrungswelt verschwanden hinter der offiziellen Fassade der internationalen Kontakte. Entsprechend dem Primat der Großen Politik bewegten sich sowjetische Diplomaten, Schriftsteller, Ingenieure oder Athleten wie Schachfiguren. Sie galten als manipulierte Instrumente staatlichen Willens und standen an der symbolhaften kulturellen "Front" des Kalten Krieges bzw. im Kampf gegen den äußeren "Klassenfeind".[29]

Nicht minder politisch erschienen Wissenschaftsbeziehungen und technologische Kooperationen, die in den Jahren der Entspannungspolitik in beträchtlichem Umfang zunahmen, jedoch in der Orientierung auf amerikanische Vorbilder und internationale Modernekonzepte eine lange Tradition hatten.[30] In der Tat wurde die Forschung in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen in die vorderste nationale "Verteidigungslinie" eingereiht und zum Bestandteil des "Militär-Industriell-Akademischen Komplexes".[31] Darüber hinaus aber vermittelte der internationale Austausch zahlreichen Wissenschaftlern und Studenten Einblicke in neue Denkhorizonte und Forschungskonzepte.[32] Noch sehr wenig ist über die Erfahrungsräume von Fachleuten und Arbeitsmigranten bekannt, die aus der Sowjetunion in die "Dritte Welt" oder von dort in die Sowjetunion zogen.

Die chauvinistischen Kampagnen der frühen Nachkriegsjahre bzw. der späten Stalinzeit widersprachen dem Selbstbild der Sowjetunion als Hüterin einer universalen "Völkerfreundschaft". Sie bestätigten, ganz im Gegenteil, mit ihrer militant fremdenfeindlichen und antisemitischen Rhetorik eher den Eindruck eines radikalen kulturellen Isolationismus. Umso erstaunlicher war, dass die groben Gleichschaltungstendenzen in Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft durch eine Entscheidung der Parteiführung unmittelbar nach Kriegsende konterkariert wurden, die in ihren Folgewirkungen offenbar unterschätzt wurde. Sowjetische Leistungssportler sollten durch Siege bei internationalen Wettkämpfen, insbesondere bei Olympischen Spielen, maßgeblich zur Mehrung des Ansehens der Sowjetunion beitragen.[33] Die Entsendung von "Diplomaten im Trainingsanzug" (G. Holzweißig) widersprach nicht nur der bisherigen Verdammung des Wettkampfprinzips im "bourgeoisen Sport". Sie bedeutete zugleich eine Anerkennung "nationaler" Rekordjagden.

In kurzer Folge fanden im Zuge des kulturpolitischen "Tauwetters" nach Stalins Tod in Moskau zwei Großveranstaltungen mit reger internationaler Beteiligung statt. Im August 1956 wurde die Spartakiade der Völker der Sowjetunion und im Jahr 1957 das 6. Studentenfestival der Jugend und Freundschaft (auch: 3. Freundschaftsspiele der Jugend) auf dem Gelände des gerade fertig gestellten Sportparks Luschniki ausgerichtet. Für die Initiatoren ging es vor allem darum, der Weltöffentlichkeit das multifunktionale Gelände als Beispiel moderner Stadt- und Landschaftsarchitektur zu präsentieren.[34] Unterhalb der offiziellen Diplomatie und Politik bahnte sich seither ein substantieller Kulturtransfer zwischen dem Westen und der Sowjetunion an. Der Hochleistungssport und seine mediale Breitenwirkung wurden zum Katalysator der intersystemischen Beeinflussung. Auf der Schnittfläche des amerikanisch-westlichen und des russisch-sowjetischen Kulturimperialismus[35] entfalteten sich dynamische Räume des "Eigen-Sinns" und subkultureller Identitäten. Gerade der moderne Sport bot sowohl innerhalb der Sowjetunion als auch im so genannten Ostblock und ebenso im weltweiten Wettbewerb Möglichkeiten, nationale Bekenntnisse und symbolischen Widerstand gegen ideologische Homogenisierung wirkungsvoll zu artikulieren. Insofern traten die männlichen und die weiblichen Athleten nicht nur als "Botschafter" eines Landes oder als "Missionare" einer verordneten Weltanschauung auf. Sie wurden zu Helden einer transnationalen Moderne und repräsentierten nicht zuletzt sich selbst. Siege von Sportlern kleiner Nationen ließen sich daher auch als kollektiver emanzipatorischer Akt, als späte ausgleichende Gerechtigkeit deuten.[36]

Vor diesem Hintergrund erwies sich der intensivierte internationale Kulturaustausch als ambivalentes Feld kompensatorischer Konfliktaustragung. Einerseits gelang es der Sowjetunion, westliche Gesellschaften kulturell zu "infiltrieren". Andererseits erhielten Sowjetbürger aber auch direkten oder aus der offiziellen Kritik erschließbaren indirekten Zugang zu Attributen des "Westens" in Mode, Konsumverhalten, Musik, Film und Theater.[37] Sportveranstaltungen boten aufgrund ihrer Popularität nicht die einzige, aber eine besonders dichte Sphäre des Kulturkontakts.[38] Spitzenleistungen wurden als Nachweis der Überlegenheit des sozialistischen Systems ausgegeben. Daneben vermittelte die direkte Teilnahme an Wettkämpfen oder das mediale "Dabeisein" Eindrücke von anderen Lebensstilen und Alltagswelten. Im Umfeld von Sportgemeinschaften entwickelten sich Subkulturen, in denen sich lokale Besonderheiten mit globalen Verhaltensmustern vermischten.

Besser erforscht sind inzwischen die offiziellen Freundschaftsgesellschaften, Solidaritätskomitees und sonstigen Kulturorganisationen.[39] Hier lernten Mitglieder transnationale Gewohnheiten und Standards kennen. Hier konnte man sich mit Lesegewohnheiten und kulturellen Vorlieben in einzelnen Ländern befassen und wurde mit eigenen und fremden Stereotypen konfrontiert. Auf diese Weise reflektierte die Wahrnehmung des Auslands auch die des eigenen Landes.

Die individuellen und kollektiven Bilder von "Europa" und dem "Westen" bzw. von der "Sowjetunion" und dem "Osten" setzten sich unter dem Dach des Kalten Krieges und in Konkurrenz zu den offiziell verbreiteten Mustern neu zusammen.[40] Die Sowjetunion verlor schrittweise und unspektakulär den Charakter einer geschlossenen Welt, in der alle Bereiche der (politischen) Kultur einem Kanon verbindlicher Normen unterworfen waren.
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Fußnoten

1.
Zur Frage der historischen Kontinuität interventionistischer Politik vom späten Zarenreich bis in die 1960er Jahre vgl. Odd Arne Westad, The Global Cold War, Cambridge 2007, S. 39 - 72.
2.
Zur Neuausrichtung der sowjetischen Außenpolitik vgl. V. S. Lel'cuk/E. I. Pivovar (Hrsg.), SSSR i cholodnaja vojna [Die UdSSR und der kalte Krieg], Moskau 1995, S. 39 - 75. Zur sowjetischen Politik im Kalten Krieg Vladislav M. Zubok, A Failed Empire. The Soviet Union in the Cold War from Stalin to Gorbachev, Chapel Hill 2007.
3.
Rede Stalins vom 9.2. 1946, in: Iosif V. Stalin, Socinenija [Werke], Bd. 3 (XVI), Stanford 1967, S. 1 - 22. Dt. Übersetzung in: Neue Welt, (1946) 1, S. 3 - 12.
4.
Vgl. Donal O'Sullivan, Stalins "Cordon sanitaire". Die sowjetische Osteuropapolitik und die Reaktionen des Westens 1939 - 1949, Paderborn 2003.
5.
Vgl. Stefan Creuzberger/Manfred Görtemaker (Hrsg.), Gleichschaltung unter Stalin? Die Entwicklung der Parteien im östlichen Europa 1944 - 1949, Paderborn 2002.
6.
Vgl. Andreas Hilger/Mike Schmeitzner/Clemens Vollnhals (Hrsg.), Sowjetisierung oder Neutralität? Optionen sowjetischer Besatzungspolitik in Deutschland und Österreich 1945 - 1955, Göttingen 2006.
7.
Vgl. Vojtech Mastny/Malcolm Byrne (eds.), A Cardboard Castle? An Inside History of the Warsaw Pact 1955 - 1991, Budapest 2005; Frank Umbach, Das rote Bündnis. Entwicklung und Zerfall des Warschauer Paktes 1955 - 1991, Berlin 2005.
8.
Siehe die Zusammenfassung bei David Holloway, Stalin and the Bomb. The Soviet Union and Atomic Energy, 1939 - 1956, New Haven-London 1994, S. 169ff. Das Memorandum erschien in englischer Übersetzung in der Zeitschrift International Affairs, (1990) 12, S. 123 - 129.
9.
So Stalin am 17. 9. 1946 im Gespräch mit Alexander Werth, dem Korrespondenten der "Sunday Times" in Moskau; I. V. Stalin (Anm.3), S. 56.
10.
Giuliano Procacci (ed.), The Cominform. Minutes of the Three Conferences 1947/1948/1949, Mailand 1994.
11.
Zur Konstruktion der "Dritten Welt" aus sowjetischer und aus amerikanischer Perspektive O. A. Westad (Anm. 1), S. 49 - 57, S. 110 - 157.
12.
Vgl. John Krige/Kai-Henrik Barth, Introduction: Science, Technology, and International Affairs: New Perspectives, in: dies. (Hrsg.), Global Power Knowledge (Osiris, 21/2006), S. 13.
13.
Maos Besuch in Moskau anlässlich Stalins 70. Geburtstag offenbarte die unterschiedliche Interessenlage der beiden "Bruderstaaten". Siehe die ins Englische übertragenen Protokolle der Gespräche Stalins mit Mao am 16. 12. 1949 und 22.1. 1950, in: Cold War International History Project (CWIHP), Bulletin, Nr. 6 - 7 (1995 - 1996), S. 5 - 9.
14.
Vgl. exemplarisch Ragna Boden, Die Grenzen der Weltmacht. Sowjetische Indonesienpolitik von Stalin bis Breznev, Stuttgart 2006, S. 92 - 97.
15.
Neue Erkenntnisse über die komplexe Vorgeschichte des Koreakriegs bieten die Dokumentationen der Bulletins des CWIHP, insbesondere Nr. 3 bis 7 (1993 bis 1997). Zum Aspekt der Militarisierung des Ost-West-Konflikts nach dem Koreakrieg Vojtech Mastny/Gustav Schmidt, Konfrontationsmuster des Kalten Krieges 1946 bis 1956, München 2003, S. 175 - 188.
16.
Vgl. Aleksandr Fursenko/Timothy Naftali, Khrushchev's Cold War, New York 2006.
17.
Vgl. Debora Kejpl [Deborah Caple], Razvencanie mifa o sovetsko-kitajskom monolite 1949 - 1960 [Die Entzauberung des Mythos vom sowjetisch-chinesischen Monolith, 1949 - 1960], in: M. M. Narinskij (Hrsg.), Cholodnaja vojna. Novye podchody, novye dokumenty [Kalter Krieg. Neue Ansätze, neue Dokumente], Moskau 1995, S. 334 - 346.
18.
Vgl. R. Boden (Anm. 14), S. 197 - 231, die am indonesischen Fall die Folgen dieser "Waffenbrüderschaft" nachzeichnet.
19.
Siehe die vergleichende Erörterung von Einzelbeispielen in Bernd Greiner/Christian Müller/Dierk Walter (Hrsg.), Heiße Kriege im Kalten Krieg, Hamburg 2006.
20.
Robert H. Donaldson (Hrsg.), The Soviet Union in the Third World. Successes and Failures, Boulder 1981.
21.
Vgl. Mark Webber, "Out of Area" Operations: The Third World, in: Edwin Bacon/Mark Sandle (eds.), Brezhnev Reconsidered, Basingstoke 2002, S. 110 - 134.
22.
Vgl. Paul Bucherer-Dietschi/Albert Alexander Stahel (Hrsg.), Strategischer Überfall - das Beispiel Afghanistan. Vorgeschichte, Durchführung, Reaktionen. Bd. 1 - 2, Liestal 1991/1993.
23.
Vgl. Dimitrij N. Filippovych/Matthias Uhl (Hrsg.), Vor dem Abgrund. Die Streitkräfte der USA und der UdSSR sowie ihrer deutschen Bündnispartner in der Kubakrise, München 2005.
24.
Mark Kramer erörtert das sowjetische Kalkül während der Interventionskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg und die Abwägung der außenpolitischen "Kosten": Mark Krejmer [Kramer], Krizisy v otnosenijach SSSR so stranami vostocnoj Evropy, 1948 - 1981: ispol'zovanie novych dannych [Die Krisen in den Beziehungen der UdSSR mit den Ländern Osteuropas, 1948 - 1981: Die Anwendung neuer Daten], in: M. M. Narinskij (Anm. 17), S. 127 - 150.
25.
Vgl. Ilya V. Gaiduk, Confronting Vietnam. Soviet policy toward the Indochina conflict. 1954 - 1963, Washington, DC 2003; Mari Olsen, Soviet-Vietnam Relations and the Role of China, 1949 - 64. Changing alliances, New York 2006.
26.
Zur ideologischen Begründung und pragmatischen Konzeption der sowjetischen Afrikapolitik vgl. Dieter Lösch, Sozialismus in Afrika, Hamburg 1990, S. 35 - 49.
27.
Vgl. Robert H. Donaldson/Joseph L. Nogee, The Foreign Policy of Russia. Changing Systems, Enduring Interests, New York-London 1998, S. 93 - 103.
28.
Siehe etwa Frederick Barghoorn, The Soviet Cultural Offensive. The Role of Cultural Diplomacy in Soviet Foreign Policy, Princeton 1960. Zu Genese, Funktion und Wandel der Bilder vom Fremden und Anderen Silke Satjukow/Rainer Gries, Feindbilder im Sozialismus. Eine theoretische Einführung, in: dies. (Hrsg.), Unsere Feinde. Konstruktionen des Anderen im Sozialismus, Leipzig 2004, S. 13 - 70.
29.
Michail Ju. Prozumenscikov, Bol'soj sport i bol'saja politika [Großer Sport und Große Politik], Moskau 2004, S. 65; Henry W. Morton, Soviet Sport. Mirror of Soviet Society, New York 1963, S. 22.
30.
Vgl. Jean-Jacques Salomon, The Internationale of Science, in: Science Studies, 1 (1971), S. 23 - 42; Volker R. Berghahn, America and the Intellectual Cold Wars in Europe, Princeton 2001; Angelika Linke/Jakob Tanner, Attraktion und Abwehr. Die Amerikanisierung der Alltagskultur in Europa, Köln-Weimar-Wien 2006; Corinna R. Unger, Cold War Science: Wissenschaft, Politik und Ideologie im Kalten Krieg, in: Neue Politische Literatur, 51 (2006), S. 49 - 68.
31.
J. Krige/K.-H. Barth (Anm. 12), S. 13f. Zum Aufbau des Militär-Industriellen Komplexes in der Sowjetunion siehe auch V. S. Lel'cuk/E. I. Pivovar (Anm.2), S. 160 - 202.
32.
Vgl. Jens Niederhut, Wissenschaftsaustausch im Kalten Krieg. Die ostdeutschen Naturwissenschaftler und der Westen, Köln-Weimar-Wien 2007, S. 148 - 163.
33.
Vgl. Jennifer Parks, Verbal gymnastics. Sports, bureaucracy, and the Soviet Union's entrance into the Olympic Games, 1946 - 1952, in: Stephen Wagg/David L. Andrews (eds.), East plays West. Sport and the Cold War, London-New York 2007, S. 27 - 44.
34.
Vgl. Kristin Roth-Ey, "Loose Girls" on the loose? Sex, Propaganda, and the 1957 Youth Festival, in: Melanie Ilic/Susan Reid/Lynne Atwood, Women in the Khrushchev Era, Basingstoke 2004, S. 75 - 95.
35.
Vgl. Allen Guttmann, Games and Empires. Modern Sports and Cultural Imperialism, New York 1994.
36.
Vgl. Robert E. Rinehart, Cold War expatriot sport. Symbolic resistance and international response in Hungarian water polo at the Melbourne Olympics, 1956, in: S. Wagg/D. L. Andrews (Anm. 33), S. 45 - 63; Markku Jokisipilä, Revenge in 1969, Miracle in 1980.The Two Most Politically Charged Moments of Cold War Ice Hockey, in: Arié Malz/Stefan Rohdewald/Stefan Wiederkehr (Hrsg.), Sport zwischen Ost und West. Beiträge zur Sportgeschichte Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert, Osnabrück 2007, S. 93 - 111; Jörg Ganzenmüller, Bruderzwist im Kalten Krieg. Sowjetisch-tschechoslowakische Länderspiele im Umfeld des "Prager Frühlings", in: ebd., S. 113 - 130.
37.
Vgl. Walter L. Hixson, Parting the Curtain. Propaganda, Culture, and the Cold War, 1945 - 1961, New York 1997; David Caute, The Dancer Defects. The Struggle for Cultural Supremacy during the Cold War, Oxford 2003.
38.
Vgl. Barbara Keys, The Soviet Union, Cultural Exchange and the 1956 Melbourne Olympic Games, in: A. Malz u.a. (Anm. 36), S. 131f.
39.
Vgl. Jan C. Behrends, Die erfundene Freundschaft. Propaganda für die Sowjetunion in Polen und in der DDR, Köln-Weimar-Wien 2006.
40.
Von einer Erosion offizieller Feindbilder durch massenhafte Visualisierung und populärkulturelle Medialisierung spricht Elena Müller, Tragische Helden, würdige Gegner und unwiderstehliche Verführer, in: S. Satjukow/R. Gries (Anm. 28), S. 447f.