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Armutsbekämpfung durch Stadtplanung?


13.12.2010
Armut kann sich verfestigen, wenn es eine hohe Konzentration von Armen in einem Stadtviertel gibt. Es bedarf einer fachlich integrierten Stadtplanung, um diesem Problem zu begegnen.

Einleitung



Werden arme Menschen durch den Ort, an dem sie wohnen, ärmer? Das ist die Frage, die Stadtsoziologen, Armutsforscher und Stadtpolitiker sich angesichts der zunehmenden Konzentration von Armut in wenigen Teilen der großen Städte stellen müssen. Selbstverständlich werden Menschen nicht durch ihren Wohnort arm, aber Armut - so die zentrale Annahme - kann sich verfestigen, und sie kann vererbt werden, wenn es eine hohe Konzentration von Armen in einem Stadtviertel gibt. In der Stadtpolitik werden daher auch verschiedene Strategien diskutiert, wie mit diesem Problem umgegangen werden soll. In den USA hat die Regierung eine eindeutige Antwort: Dekonzentration, das heißt räumliche Umverteilung der Armenhaushalte, Abriss der schlimmsten Ghettos und Bau von neuen mixed-income-housing-Quartieren. Eine ähnliche Strategie verfolgt die französische Regierung, die in großem Stil Wohnblocks in der banlieue der großen Städte beseitigen und in möglichst vielen Städten neuen sozialen Wohnungsbau errichtet. Auch in Deutschland haben sich Bund, Länder und Gemeinden seit 1999 mit dem Programm "Soziale Stadt" diesem Problem zugewandt und sich die Verhinderung der Abkoppelung von Quartieren, in denen sich soziale Probleme verdichten, sowie die Verbesserung der Lebensperspektive ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zum Ziel gesetzt. Das Programm ist im Bereich der Städtebauförderung angesiedelt, steht also in direktem Zusammenhang mit der Stadtplanung.

Bevor man über Interventionen nachdenkt, muss allerdings geklärt werden, von welchen Zusammenhängen zwischen einem Wohnquartier und der Armut ihrer Bewohner ausgegangen wird. Solche bestehen auf zweierlei Weise: Zum einen geht es um Lage, Ausstattung und das Image eines Quartiers, die den Bewohnern den Zugang zu sozialen und kulturellen öffentlichen Diensten sowie zum Arbeitsmarkt erschweren können; zum anderen geht es um die "Kontexteffekte", die dann auftreten, wenn eine soziale Umgebung auf das Denken, Handeln und die normativen Orientierungen ihrer Bewohner einen ungünstigen Einfluss hat.




 

Zahlen und Fakten

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