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13.12.2010 | Von:
Claudia Nospickel

Armutsbekämpfung durch Corporate Social Responsibility?

Unternehmerische soziale Verantwortung?

Hinter Corporate Social Responsibility steht die Idee, dass Unternehmen durch und zusätzlich zu ihrem wirtschaftlichen Handeln Verantwortung für gesellschaftliche Prozesse übernehmen (sollten). Eine so verstandene Unternehmenspolitik richtet sich nicht ausschließlich an den Interessen der Anteilseigner aus, sondern bezieht das gesamte Umfeld des unternehmerischen Handelns mit ein. Als sogenannte stakeholder (Anspruchs- bzw. Interessengruppen) zählen zu diesem Umfeld unter anderem Arbeitnehmer, Kunden, Auftraggeber, Lieferanten, Anwohner, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Investoren, politische Akteure, Medien, Wissenschaft, Forschung und Bildung bis hin zu supranationalen Organisationen, die an der Entwicklung von Leitlinien zur Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung zu beteiligen sind. CSR bezeichnet dabei die Maßnahmen, die von Unternehmen eingesetzt werden, um gesellschaftliche Prozesse positiv zu beeinflussen.[20]

Laut Bundesregierung ist CSR Teil einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft. Es handele sich dabei um "ein integriertes Unternehmenskonzept, das alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung beinhaltet, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinausgehen (...)".[21]

Zentrales und wichtigstes Element des CSR-Konzepts ist die Freiwilligkeit. Als Grundlage dienen den Unternehmen allgemeingültige Prinzipien, die vor allem in der dreigliedrigen Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO),[22] dem Global Compact der Vereinten Nationen[23] sowie in Konzepten der Europäischen Union festgelegt sind. Zwei Ziele stehen im Zentrum der CSR-Aktivitäten: Zum einen wollen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, zum anderen wollen sie dazu beitragen, Antworten auf gesellschaftliche Probleme zu entwickeln.

Das auf soziale, gesellschaftliche und ökologische Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerichtete Handlungsfeld innerhalb der CSR-Strategie ist in Deutschland weitgehend durch einen rechtlich abgesteckten Rahmen verbindlich geregelt.[24] Viele dieser Themen fallen in den Bereich der betrieblichen Mitbestimmung. So enthält etwa das Betriebsverfassungsgesetz Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter.[25] Nachdem deutsche Unternehmen schon im vorletzten Jahrhundert die Notwendigkeit sahen, Verantwortung für ihre Mitarbeiter und deren Familien zu übernehmen,[26] führte dies nach dem Zweiten Weltkrieg hierzulande in gesetzlich verankerte Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter auf Unternehmensebene.

CSR hingegen hat seinen Ursprung in angelsächsischen, liberal geprägten Wohlfahrtsstaaten. Allerdings verlief auch hier die Debatte um CSR-Ansätze kontrovers. Der liberale US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman (1912-2006) etwa argumentierte, dass es nicht in der Verantwortung eines Unternehmers liege, durch freiwillige Maßnahmen Armut zu reduzieren. Vielmehr liege die Verantwortung dafür bei der Politik. Denn diese definiere den gesetzlichen Rahmen, der von den Unternehmen in der Umsetzung ihrer unternehmerischen Ziele eingehalten werden müsse.[27]

Was das internationale Engagement angeht, spielt Armutsbekämpfung in den CSR-Konzepten deutscher Unternehmen eine zentrale Rolle.[28] Durch die Verbindung ihres Kerngeschäfts mit der Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung achten sie zum Beispiel darauf, dass in ihrer Produktionskette die Menschenrechte und internationale Sozialstandards eingehalten werden. Dabei stellt auch eine angemessene Entlohnung eines der Ziele dar.

In der nationalen Ausrichtung liegt der Schwerpunkt der CSR-Konzepte jedoch auf anderen Themen wie zum Beispiel lebenslanges Lernen, demografische Entwicklung sowie Förderung von Kindern und Familien. Ziel der Unternehmen ist es, eine Situation zu schaffen, die sowohl den Unternehmen selbst als auch den Arbeitnehmern nützt (Win-win-Situation). So stellt beispielsweise die Ergänzung des Kinderbetreuungsangebots durch betriebliche Initiativen eine Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar, die letztlich auch den Unternehmen durch die verlässliche Präsenz ihrer Angestellten zugute kommt.

Konkrete CSR-Maßnahmen der Armutsbekämpfung sind in Deutschland bisher vergleichsweise selten. Erste Ansätze liegen aber vor allem im Bereich der Kinderarmutsbekämpfung vor.[29] Einige Initiativen wie beispielsweise das soziale Unternehmen "ArbeiterKind" zielen auf die Förderung benachteiligter Gruppen.[30]

Fußnoten

20.
Vgl. Beate Feuchte, Glossar zum Thema Freiwillige gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, o.J., online: www.boeckler.de/pdf/mbf_csr_glossar_
feuchte.pdf (26.11.2010).
21.
Aktionsplan CSR (Anm. 4), S. 2f.
22.
Vgl. ILO, Dreigliedrige Grundsatzerklärung über Multinationale Unternehmen und Sozialpolitik, Genf 20013 (erstmals 1979), online: www.econsense.de/_CSR_INFO_
POOL/_INT_VEREINBARUNGEN/
images/Dreigliedrige Grundsatzerklärung der ILO.pdf (30.11.2010).
23.
Vgl. United Nations Global Compact, online: www.unglobalcompact.org (30.11.2010).
24.
Hierzu zählen z.B. Arbeitsschutzmaßnahmen, Weiterbildungsangebote und betrieblicher Umweltschutz.
25.
Vgl. Beate Feuchte, Positionspapier der Hans-Böckler-Stiftung zu Corporate Social Responsibility, 2009, S. 2, online: www.boeckler.de/pdf/mbf_csr_positions
papier_hbs.pdf (26.11.2010).
26.
Vgl. z.B. Hans-Jürgen Teuteberg, Historische Vorläufer der Lebensmitteltafeln in Deutschland, in: Stefan Selke (Hrsg.), Tafeln in Deutschland, Wiesbaden 2009, S. 41.
27.
Vgl. Milton Friedman, The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits, in: The New York Times Magazine vom 13.9.1970, S. 2.
28.
Für Beispiele siehe das CSR-Portal vom Bundesverband Deutscher Industrie und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, www.csrgermany.de (26.11.2010).
29.
Vgl. z.B. die Bepanthen-Kinderarmutsstudie von Sabine Andresen/Susann Fegter, Spielräume sozial benachteiligter Kinder, Leverkusen 2009, online: www.fuer-eine-heilere-welt.de (26.11.2010).
30.
Vgl. Peter Baumgärtner, Corporate Social Responsibility und Social Entrepreneurship als Lösungsansätze der Problematik struktureller Arbeitslosigkeit in Deutschland, Magisterarbeit, Heidelberg 2009, S. 78ff., online: http://pbaumi.pb.funpic.de/MA/2009-04-02%20-%20MA.pdf (26.11.2010).

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