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8.12.2010 | Von:
Harald Müller
Niklas Schörnig

Drohnenkrieg: Die konsequente Fortsetzung der westlichen Revolution in Military Affairs

Westliche Staaten rüsten ihre Armeen immer häufiger mit modernsten Hightech-Waffensystemen aus. Dabei steht der Wunsch, eigene Verluste zu vermeiden, im Vordergrund. Der Ansatz birgt auch Gefahren, die oft heruntergespielt werden.

Einleitung

Spätestens mit dem Rücktritt von Donald Rumsfeld als Verteidigungsminister der USA im Dezember 2006 schien die vor allem von den USA vorangetriebene Revolution in Military Affairs (RMA), also das Streben nach Hightech-Waffensystemen und die umfassende Vernetzung dieser Waffen mit modernster Informationstechnologie, ihr Ende gefunden zu haben. So sehr sich amerikanische Hochtechnologie in den zwischenstaatlichen Kriegen gegen den Irak, Serbien und Afghanistan aus militärischer Sicht bewährt hatte, so wenig schienen die neuartigen Waffensysteme für asymmetrische Guerilla-Kriege geeignet. Boots on the ground, also Bodentruppen schienen die Lösung zu sein, mit der westliche Staaten die Situation im Irak und in Afghanistan wieder unter Kontrolle bekommen wollten, das Streben nach umfassenden Hightech-Armeen schien für die neuen asymmetrischen Szenarien der vermeintlichen Nachkriegszeit nicht geeignet. Allerdings zeigt sich aktuell, dass sich zentrale Elemente der RMA und der Gedanke einer über Informationstechniken (IT) vernetzten Kriegsführung inzwischen vom zwischenstaatlichen Szenario emanzipiert haben. Sie werden auch für die Aufstandsbekämpfung (counter insurgency) oder die Terroristenjagd als zentrale Erfolgsrezepte angesehen. Mit dem rasant ansteigenden Einsatz zunehmend auch bewaffneter Drohnen (unmanned combat aerial vehicles, UCAV) auf den Schlachtfeldern des Irak, Afghanistans und zunehmend auch Pakistans kommen nämlich Systeme zum Einsatz, welche die Grundgedanken der Revolution in Military Affairs in ganz besonderer Weise in sich vereinen und als idealtypische Waffen des militärischen Transformationsgedankens zählen können. RMA und die Transformation westlicher Streitkräfte hin zu Hightech-Armeen sind in den Köpfen militärischer Planer also mitnichten überholt. Entsprechend kommen beim Streben nach und dem Einsatz von U(C)AVs zumindest in westlichen Staaten die gleichen Motive zum Ausdruck, die auch als wichtige Antriebskräfte hinter der RMA standen: das politisch motivierte Streben, Militäreinsätze durchzuführen, bei denen die eigenen Truppen einer so geringen Gefahr wie möglich ausgesetzt werden.


Damit ist die RMA im gesamten Spektrum militärischer Aufgaben im 21. Jahrhundert angekommen und das westliche Streben nach militärischer technologischer Überlegenheit wird fortgesetzt. Im Windschatten dieser Entwicklung müssen aber in verschärftem Maße Risiken und Gefahren thematisiert werden, die schon mit der RMA assoziiert wurden und sich durch die jüngsten Entwicklungen nochmals verschärfen.