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8.12.2010 | Von:
Harald Müller
Niklas Schörnig

Drohnenkrieg: Die konsequente Fortsetzung der westlichen Revolution in Military Affairs

Revolution in Military Affairs der westlichen Hightech-Krieger

Seit dem Ende des Kalten Krieges, spätestens aber seit den militärischen Erfolgen der technologisch hochgerüsteten US-Streitkräfte während des Golfkrieges 1991, war das Schlagwort der "militärischen Transformation" beziehungsweise der Revolution in Military Affairs in aller Munde. Während in Deutschland unter dem Begriff Transformation oft der immer noch andauernde Umbau der Bundeswehr zu einer "Armee im Einsatz" verstanden wird, bedeutet er für die meisten anderen Staaten die Ausrichtung ihrer Streitkräfte am amerikanischen Vorbild einer vernetzten Hightech-Armee.[1] Die Veränderungen, die sich durch neue Technologien, daran angepasste Strategien, entsprechende Organisation und Training der Streitkräfte ergaben, wurden schnell mit dem Begriff der "Revolution" belegt.

Die Ursprünge der aktuellen RMA gehen noch auf die Zeit des Kalten Krieges zurück, als der Westen versuchte, den quantitativ überlegenen Truppen des Warschauer Paktes mit qualitativ überlegener Technologie entgegenzutreten.[2] Allerdings hat die RMA seitdem eine eigene Dynamik entwickelt. Legt man den Fokus auf die technologischen Entwicklungen innerhalb der RMA, so treten vier Elemente hervor:

  • Der Schutz eigener Einheiten vor feindlicher Entdeckung. Bekannt sind hier vor allem "Tarnkappenbomber" mit der "Unsichtbarkeit" für Radar (stealth), wobei zunehmend ein multispektraler Schutz gegen jedwede Ortung (optisch, Wärme) erzielt werden soll.


  • Die optimierte Aufklärung. Mittels Satelliten, unbemannten Aufklärungsdrohnen und immer leistungsfähigeren Sensoren ist es möglich, hochwertige Ziele präzise aufzuklären und ein immer genaueres und zeitnäheres Lagebild zu erhalten.


  • Präzision. Seit den 1970er Jahren geht die Entwicklung hin zu immer genaueren Sprengkörpern und Raketen. Besondere Fortschritte in der Zielgenauigkeit wurden mit der Einführung von Laser- und GPS-geleiteten Präzisionsbomben erzielt.[3]


  • Die Vernetzung dieser Elemente in einem "System der Systeme", innerhalb dessen der kontinuierliche Datenaustausch zwischen allen Einheiten ein zeitnahes und vor allem einheitliches Lagebild ermöglicht. Dies ist das zentrale Element der RMA. Die umfangreichen Fortschritte im Bereich der Kommunikations- und Informationselektronik der letzten Jahre ermöglichen wesentlich schnellere Aktions- und Reaktionszeiten und ein bislang unbekanntes Maß an Koordination im militärischen Vorgehen. So erzeugt die RMA - zumindest in der Theorie - eine Multiplikation der Wirkung weit über die Summe der Fähigkeiten der einzelnen Elemente hinaus. Das wohl bedeutendste Beispiel ist, dass sich die Zeitspanne zwischen Aufklärung eines Ziels und seiner Bekämpfung - die so genannte sensor-to-shooter gap - von Tagen und Stunden inzwischen auf wenige Minuten reduziert hat.
In amerikanischen Strategiepapieren werden als primäres Ziel der RMA immer wieder fast and decisive victories genannt. Der Golfkrieg 1991, der Kosovo-Krieg 1999, der Afghanistankrieg 2001 und der Irakkrieg 2003 haben bewiesen, dass westliche Armeen, mit den USA an der Spitze, den Anspruch schneller und entscheidender Siege im klassischen zwischenstaatlichen Krieg zumindest gegenüber Staaten erzielen können, die nicht über ähnlich fortschrittliche Technologie verfügen.

Was aus heutiger Sicht ganz natürlich erscheint, nämlich die besondere technologische Überlegenheit des Westens gegenüber fast allen nichtwestlichen Staaten, ist aber keine Selbstverständlichkeit. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hätte angesichts der deutlich gesunkenen Bedrohung die Chance bestanden, die Forschung und Entwicklung neuer Waffensysteme drastisch zu reduzieren und stattdessen eine umfangreiche Friedensdividende zu realisieren. Gerade in den USA entschied man sich aber dafür, zwar nicht die Beschaffung, doch zumindest die Forschung und Entwicklung auf konstant hohem Niveau zu halten und den technologischen Vorsprung nicht nur ins neue Jahrtausend mitzunehmen, sondern sogar noch auszubauen.[4] Hierbei spielten neue militärische Einsatzszenarien und deren Rückhalt in der Bevölkerung eine wichtige Rolle.

Fußnoten

1.
Vgl. Jan Helmig/Niklas Schörnig, Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert - Eine kritische Bestandsaufnahme, in: dies. (Hrsg.), Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert, Frankfurt/M. 2008, S. 11-32.
2.
Vgl. Götz Neuneck/Christian Alwardt, The Revolution in Military Affairs, its Driving Forces, Elements and Complexity, IFSH Working Paper, Nr. 13, Hamburg 2008, S. 4f.
3.
Vgl. David A. Koplow, Death by Moderation. The U.S. Military's Quest for Useable Weapons, Cambridge 2010, S. 79-103.
4.
Vgl. Niklas Schörnig, Theoretisch gut gerüstet?, Baden-Baden 2007, S. 159.