APUZ Dossier Bild

22.11.2010 | Von:
Martin Brussig
Matthias Knuth

Zugewanderte und ihre Nachkommen in Hartz IV

Aktivierung durch Jobcenter?

Aufgrund der sprachlichen Verständigungsprobleme ist zu erwarten, dass Migranten weniger aktiviert werden. Ökonometrische Analysen zeigen in der Tat, dass für die Mehrheit der in den Geschäftsdaten der BA identifizierbaren Migranten die Zugangschancen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen (Arbeitsgelegenheiten, Trainingsmaßnahmen,[6] Förderung der beruflichen Weiterbildung sowie die Vermittlung durch Dritte) schlechter sind als für Deutsche ohne erkennbaren Migrationshintergrund.[7] Dies gilt insbesondere für ausländische Leistungsbezieher. Bei Eingebürgerten und bei Aussiedlern ist die Benachteiligung im Zugang gegenüber Deutschen ohne Migrationshintergrund auf wenige Maßnahmearten beschränkt oder es ist sogar - wie beim Zugang von Aussiedlern zu Trainingsmaßnahmen zur Eignungsfeststellung - eine Bevorzugung zu beobachten. Diese Unterschiede in den Zugangschancen können nicht durch schlechtere Schul- und Qualifikationsabschlüsse der Leistungsbezieher mit Migrationshintergrund erklärt werden, denn diese individuellen Merkmale wurden - neben einer Vielzahl weiterer - im Rahmen der ökonometrischen Analyse berücksichtigt.

Untersucht man andererseits die Wirkung der Maßnahmeteilnahme auf eine spätere Integration in Beschäftigung und die Überwindung des Leistungsbezuges, so unterscheiden sich die Resultate zwar nach der Art der Maßnahme, aber nur graduell zwischen Hilfebedürftigen mit und ohne Migrationshintergrund. Beispielsweise haben "Ein-Euro-Jobs" eine negative Wirkung auf die Integrationschancen und die Wahrscheinlichkeit, den Leistungsbezug zu überwinden; dies gilt aber für ALG-II-Bezieher mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen. Berufsbezogene Weiterbildung hat positive Wirkungen, und dies gilt ebenfalls gleichermaßen für ALG-II-Bezieher mit und ohne Migrationshintergrund. Dieses ist ein wichtiges Ergebnis, denn es bedeutet, dass sich die geringere Zuweisung von Migranten in Maßnahmen nicht durch schlechtere Erfolgsaussichten rechtfertigen lässt.

Fußnoten

6.
Trainingsmaßnahmen zur Vermittlung von Kenntnissen, zur Eignungsfeststellung, zur Überprüfung der Verfügbarkeit sowie Kombinationen davon wurden jeweils separat betrachtet.
7.
Vgl. Stephan Thomsen/Thomas Walter, Der Zugang zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende von Personen mit und ohne Migrationshintergrund im Vergleich, in: M. Knuth (Anm. 2), S. 161-183; IAQ et al. (Anm. 2), S. 155-182.

Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor.

Mehr lesen