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22.11.2010 | Von:
Rosine Schulz

Freiwilliges Engagement Arbeitsloser - Chancen und Herausforderungen

Erfahrungsmerkmale der Erwerbsarbeit

Eine erwerbszentrierte Integration in unsere Gesellschaft lässt sich insbesondere über die folgenden Erfahrungsmerkmale der Erwerbsarbeit begründen, von denen diejenigen, die einer Arbeit nachgehen, profitieren: Wahrnehmung einer sinnvollen Aufgabe und Erfahrung einer Tagesstruktur, Einbindung in soziale Netzwerke, Kompetenzerwerb, Identitäts- und Statusbezug sowie Einkommensbezug und soziale Absicherung.

Der deutsche Arbeitsmarkt unterliegt jedoch einem gravierenden Strukturwandel: Die wichtigsten Veränderungen quantitativer Art zeigen sich in einer Reduktion sozialversicherungsrechtlich abgesicherter Arbeitsplätze sowie in einem Anstieg prekärer Beschäftigungsverhältnisse,[5] die wichtigsten Veränderungen qualitativer Art wirken sich auf das Anspruchsniveau der Arbeitsplätze aus. Trends zur weiteren Globalisierung, Tertiarisierung und Informatisierung auf den Arbeitsmärkten verschlechtern die Beschäftigungschancen der Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Bildungsabschluss.[6] Die Spezialisierung Deutschlands auf die Herstellung wissensintensiver Produkte und Dienstleistungen, die rasante Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die damit einhergehenden, sich rasch ändernden Arbeitsprozesse verweisen immer eindringlicher auf die wachsende Bedeutung lebenslangen Lernens. Insbesondere geringer qualifizierte Personen sehen sich deshalb einem erhöhten Risiko ausgesetzt, in prekäre Arbeitsverhältnisse abgedrängt zu werden, die erst recht zu einem Ressourcenverschleiß und erhöhtem Arbeitslosigkeitsrisiko führen.[7] Die integrierende Funktion der Erwerbsarbeit geht für diesen Personenkreis verloren, denn sowohl Erwerbslosen als auch Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen bieten sich kaum Möglichkeiten an, von den oben genannten Erfahrungsmerkmalen zu profitieren.

Fußnoten

5.
Vgl. Heidi Oschmiansky, Der Wandel der Erwerbsformen und der Beitrag der Hartz-Reformen. Berlin und die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich, WZB Discussion Paper, (2007) SP I 2007-104; sowie den Beitrag von Josef Schmid in diesem Heft.
6.
Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.), Die Zukunft der Arbeit in Deutschland. Megatrends, Reformbedarf und Handlungsoptionen, Köln 2008.
7.
Vgl. Klaus Dörre, Prekäre Arbeit und soziale Desintegration, in: APuZ, (2006) 40-41, S. 7-14; Wolfgang Biersack/Anja Kettner/Alexander Reinberg/Franziska Schreyer, Gut positioniert, gefragt und bald sehr knapp. Akademiker/innen auf dem Arbeitsmarkt, IAB-Kurzbericht, (2008) 18.

Dossier

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