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22.11.2010 | Von:
Rosine Schulz

Freiwilliges Engagement Arbeitsloser - Chancen und Herausforderungen

Gesamtgesellschaftliche Herausforderungen

Bei der Begegnung der Herausforderung einer gesellschaftlichen Integration Arbeitsloser wurde den Potenzialen der Bürgergesellschaft bisher wenig Vertrauen geschenkt, denn die Akteure der Zivilgesellschaft wurden bei der Etablierung des Konzeptes Bürgerarbeit bisher übergangen. Während ein sektorenübergreifender Aushandlungsprozess noch aussteht, werden an dieser Stelle einige diskussionsleitende Vorschläge unterbreitet:

  • Langzeitarbeitslose sollten die freie Wahl haben, eine Beschäftigung nach dem Modell der Bürgerarbeit auszuüben oder eine zivilgesellschaftliche Tätigkeit aufzunehmen - in Abhängigkeit vom jeweiligen regionalen Angebotsspektrum. Auch Bürgerarbeit zeigt vorteilhafte Aspekte, wie Befragungen der Bürgerarbeiter in den bisherigen Modellstandorten zeigen.[22] Entwürdigend wirken jedoch die sanktionsbehaftete Verpflichtung und die zeitliche Befristung des Konzepts.
  • Zur Stärkung einer Leistungsgesellschaft mit solidarischem Charakter bedarf es mehr Anreiz- und Motivationsmechanismen. So sind die jeweiligen Strukturen der unterschiedlichen Konzepte zwar individuell gestaltbar, müssten jedoch auf die Bedürfnisse der Zielgruppe Langzeitarbeitsloser ausgerichtet werden. Hier zeigt sich auch Handlungsbedarf innerhalb der Bürgergesellschaft, denn die generelle Unterrepräsentanz Arbeitsloser ist auf die ungenügende Umsetzung der erforderlichen Zuwendungsstrategien zurückzuführen.
  • Sowohl Bürgerarbeit als auch die Freiwilligentätigkeiten sollten zeitlich unbefristet angeboten werden können. Erzwungene Abbrüche beeinträchtigen die nachhaltigen Inklusionschancen derjenigen Personen, die sich bereits aus dem regulären Arbeitsmarkt als ausgeschlossen betrachten. Bei unvermeidbaren Unterbrechungen sollten entsprechende Begleitungsprozesse etabliert werden.
  • Sowohl die Organisationen des Nonprofit-Sektors als auch die Kommunen als die konkreten Orte, an denen die erläuterten Konzepte umgesetzt werden, leiden unter eklatantem Ressourcenmangel und bedürfen unterstützender Fördermittel. Hier wäre verstärkte ressortübergreifende Zusammenarbeit wünschenswert. Vertreter der Arbeitsmarktpolitik sind von den nachhaltigen positiven Effekten eines Kompetenz-Engagements Arbeitsloser noch zu überzeugen, damit Ressourcen der aktiven Arbeitsmarktpolitik auch zur Etablierung der notwendigen Engagement-Infrastruktur eingesetzt werden können.
Die Erwerbsarbeit verliert angesichts ihres Strukturwandels ihr gesellschaftsintegrierendes Alleinstellungsmerkmal. Kompetenz-Engagement hat das Potenzial zur Förderung des sozialen Zusammenhalts einer Gesellschaft sowie zur Generierung von Synergievorteilen im Hinblick auf die ökonomische Entwicklung und politische Partizipation, sofern die dafür notwendigen Strukturbedingungen etabliert werden. Der Sozialstaat der Zukunft wird immer stärker geprägt sein durch einen neuen Wohlfahrtspluralismus. Damit die Bürgergesellschaft ihre effiziente Wirkungsweise darin entfalten kann, sind die Konkretisierung und die Umsetzung der am 6. Oktober 2010 im Bundeskabinett beschlossenen "Nationalen Engagementstrategie" sowie die Inkraftsetzung eines Engagementfördergesetzes unerlässlich.[23]

Fußnoten

22.
Vgl. C. Steiner/F. Hauss/S. Böttcher/B. Lutz (Anm. 15), Punkt 3.2.1.
23.
Vgl. Gerhard Igl, Fördermöglichkeiten des Bundes bei lokalen und regionalen Infrastrukturvorhaben auf dem Gebiet des bürgerschaftlichen Engagements. Rechtsgutachten erstellt im Auftrag des BMFSFJ, Kiel 2010; Ansgar Klein, Nachhaltige Engagementinfrastrukturen: Kommentar zum Rechtsgutachten von Prof. Igl, in: BBE-Newsletter, (2010) 17; Nationale Engagementstrategie der Bundesregierung, 6.10.2010, online: www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/
aktuelles/2010/10/Nationale%20Engagementstrategie_10-10-06.pdf (22.10.2010).

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