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28.10.2010 | Von:
Matthias Mletzko

Gewalthandeln linker und rechter militanter Szenen

Es wird Leib und Leben bedrohende Gewalt rechter und linker militanter Szenen verglichen. Rechte Gewalt lässt deutlich öfter Tötungsbereitschaften erkennen. Im linken Phänomenbereich sind solche aber auch vorhanden.

Einleitung

Politisch motivierte Gewalt in Deutschland ist in den vergangenen 20 Jahren stark durch das Handeln rechter und linker militanter Szenen und deren Randbereiche geprägt.[1] Relevante Trägergruppen finden sich im "subkulturell geprägten Rechtsextremismus", zu dem gegenwärtig Teile der NS-affinen Szene und die Rechtsrockszene zählen, und im Milieu linksautonomer Gruppen. Spätestens seit vergangenem Jahr wird öffentlich darüber gestritten, ob die rechte oder linke militante Szene die "gefährlichere" sei.

So hört man etwa von denjenigen, die rechte Gewalt für ungleich bedrohlicher halten, dass es seit Beginn der 1990er Jahre im Gegensatz zu zahlreichen Todesopfern rechter Gewalt kein Todesopfer linker Gewalt mehr gegeben habe. Umgekehrt gab es im Zuge eines Anstiegs linker Gewaltdelikte 2009 mediale und politische Verlautbarungen, die nahelegen wollten, es stünde nun ein neuer Linksterrorismus bevor. Bei näherem Hinsehen mangelt es beiden Positionen an belastbaren Daten, denn systematische Langzeituntersuchungen politisch motivierter Gewalt nach Tötungsdelikten und lebensbedrohlichen Tatbegehungen liegen bislang nicht vor.

Fußnoten

1.
Dieser Beitrag ist mit Unterstützung der Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus des Bundeskriminalamts (BKA) entstanden. Das BKA hat zudem das Forschungsprojekt "NPD-Wahlmobilisierung und politisch motivierte Gewalt" ermöglicht, welches durch das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. durchgeführt wurde und einen Teil der empirischen Grundlage für den vorliegenden Beitrag bietet. Vgl. Uwe Backes/Matthias Mletzko/Jan Stoye, NPD-Wahlmobilisierung und politisch motivierte Gewalt, Köln 2010. Der Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider. Diese entspricht nicht notwendigerweise der des BKA.