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28.10.2010 | Von:
Roland Eckert

Kulturelle Homogenität und aggressive Intoleranz. Eine Kritik der Neuen Rechten

Im Zentrum der Gedankenwelt der Neuen Rechten steht das "Recht auf kulturelle Differenz". Ihre Forderung nach völkischer Homogenität und die Rehabilitation der Intoleranz ignorieren das wichtigste Vermächtnis des 20. Jahrhunderts.

Einleitung

Als Antithese zur Neuen Linken wurde ab 1969 die Neue Rechte von dem französischen "Rechtsintellektuellen" Alain de Benoist begründet. Seine zahlreichen Schriften sind auch in Deutschland aufgegriffen worden.[1] Die Idee einer Neuen Rechten findet heute vor allem im Umkreis der Wochenzeitung "Junge Freiheit", der Monatsschrift "Sezession", der Schriftenreihe "Antaios", des "Instituts für Staatspolitik" und des Onlinemagazins "Blaue Narzisse" Niederschlag, wobei der Begriff "Neue Rechte" selbst kontrovers ist.[2] Die Begriffspolitik läuft darauf hinaus, sowohl den Begriff "konservativ" als auch den Begriff "rechts" zu besetzen und sich "vor jeder Ablenkung ins 'Liberalkonservative', 'Freiheitlich-Konservative', 'Kulturkonservative', 'Wertkonservative'"[3] zu bewahren. "Was spricht eigentlich dagegen, sich 'rechts' zu nennen, da wo das Rechte, das Richtige gedacht, gewollt, getan wird?"[4] 1994 verließen nach einem Streit über den "Leuchterreport" Armin Mohler, Andreas Molau und Götz Meidinger die "Junge Freiheit". Seither grenzen diese und das Institut für Staatspolitik sich gegen den Nationalsozialismus und seine Traditionswahrer, gegen Antisemiten und Geschichtsrevisionisten ab und orientieren sich am konservativen Widerstand gegen Hitler, wie er für sie durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg repräsentiert wird.[5]

Vertreter der Neuen Rechten sind rechtsradikal, weil die universelle Geltung der Menschenrechte infrage gestellt wird, sie sind aber nicht notwendig rechtsextrem im Sinne eines Angriffs auf die Verfassungsordnung, wenn man das Verfassungsgerichtsurteil vom 25. Mai 2005, das der ehemalige Bundesanwalt Alexander von Stahl zugunsten der "Jungen Freiheit" erkämpft hat, zu Grunde legt.[6] Die Übernahme der politischen Philosophie Carl Schmitts begründet aber Zweifel daran, ob die Menschenwürde jenseits ethnischer Grenzen von ihnen so gewahrt wird, wie es dem Grundgesetz entspräche.[7] Indem sie die "positiven" Seiten der deutschen Geschichte wie des Preußentums betonen und die Verbrechen anderer Völker thematisieren,[8] wollen sie Deutschland von der "Vergangenheitsbewältigung" befreien und zu einer "selbstbewussten Nation" machen.

Fußnoten

1.
Vgl. Armin Mohler, Vorwort, in: Alain de Benoist, Kulturrevolution von rechts, Krefeld 1985, S. 9-12.
2.
Vgl. Institut für Staatspolitik (Hrsg.), Die "Neue Rechte". Sinn und Grenze eines Begriffs, Albersroda 2003.
3.
Karlheinz Weißmann, Der konservative Katechismus, in: Sezession, (2009) 29, S. 36.
4.
Ebd.
5.
Vgl. Götz Kubitschek, 20 Jahre Junge Freiheit, Albersroda 2006, S. 194-206.
6.
Vgl. Roland Eckert, Extremismus und kein Ende: zur Dynamik von Radikalisierung, in: R. Egg (Hrsg.), Extremistische Kriminalität. Kriminologische Zentralstelle, Wiesbaden 2006, S. 107-126.
7.
Vgl. Wolfgang Gessenharter, Der Schmittismus der "Jungen Freiheit" und seine Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz, in: Stephan Braun/Ute Vogt (Hrsg.), Die Wochenzeitung "Junge Freiheit", Wiesbaden 2007, S. 77-94.
8.
Vgl. Alexander Ruoff, Verbiegen, Verdrängen, Beschweigen, Münster 2001.