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28.10.2010 | Von:
Roland Eckert

Kulturelle Homogenität und aggressive Intoleranz. Eine Kritik der Neuen Rechten

Gibt es eine "völkische" Kultur?

Historisch gesehen kommen - so ist hier einzuwenden - Vorstellungen getrennter Kulturen schon immer zu spät. Nicht nur die "Stämme", aus denen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gebildet wurde, sondern auch die "Kultur" in Deutschland stand von Anfang an in engem Austausch mit den Traditionen anderer Länder. Die Mythisierung eines "deutschen Wesens" ist nicht Ergebnis einer 2000-jährigen Geschichte von Arminius bis Bismarck, sondern Teil einer Grenzziehung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, entstanden in dem doppelten Kampf der Nationalbewegung gegen die französische Fremdherrschaft einerseits und die unzähligen Fürstentümer andererseits, die nach dem Sieg über Napoleon die Souveränität wieder für sich beanspruchten. Sie war also Ausdruck spezifischer Konfliktlagen. Kultur aber hat sich auch damals kaum an tatsächlichen oder ersehnten Staatsgrenzen aufhalten lassen. Aktualisiert wird der völkische Kulturbegriff heute als Reaktion auf die Wanderung der Arbeitssuchenden und das exponentielle Anwachsen der Verfügbarkeit von Informationen rund um den Globus.