Fließende Grenzen zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa?
Der Unterschied zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus liegt vor allem auf ideologischem Gebiet. Aktuelle Tendenzen spiegeln die soziale Unterschichtung, Transnationalisierung und Vernetzung wider.Einleitung
Der französische Populismus- und Rechtsextremismusforscher Pierre-André Taguieff hat in den 1980er Jahren für den bis dahin als rechtsextrem geltenden französischen Front National (FN) die Bezeichnung "nationalpopulistisch" eingeführt, ohne dass dieser einen substanziellen Richtungswechsel vorgenommen hatte. Der FN ergriff rasch dieses Unbedenklichkeitsattest, das seine Nähe zum Vichy-Regime und die Leugnung des Holocaust durch prominente Mitglieder ausblendete und bezeichnet sich seit den 1990er Jahren selbst als "populistisch und stolz darauf".[1] Diese Kontaminierung von Rechtsextremismus (RE) und -populismus bedeutet einerseits eine Verharmlosung und Banalisierung des RE. Andererseits verweist sie auf einen Modernisierungsschub im RE seit den 1980er Jahren, bei dem der FN eine Vorreiterrolle vor allem für die British National Party (BNP) und den Vlaams Belang (VB) gespielt hat. Das neue Erfolgsrezept, mit dem man die Stigmatisierung als rechtsextreme Randpartei abzustreifen gedachte, beruhte auf ethno-nationalistischer Fremdenfeindlichkeit und der Vermischung von Anti-System- mit Anti-Establishment-Rhetorik. "Die extreme Rechte konnte auf diese Weise politischen Protest schüren und zugleich verhindern, als antidemokratisch stigmatisiert zu werden."[2]
Auch die Einführung des Begriffs Ethnopluralismus wirkte modernisierend. Er zielt nicht mehr wie der Kolonialrassismus auf die Unterwerfung fremder Ethnien, sondern auf deren Ausschluss aus Europa. Der biologische Rassismus gilt als überholt und wird durch die These von der unhintergehbaren Differenz von Ethnien ersetzt, die in einer globalen Apartheid separiert bleiben sollen.
Fußnoten
- Nonna Mayer, Votes populaires, votes populistes, in: Hermès, (2005) 42, S. 161.
- Matthew J. Goodwin, The Extreme Right in Britain: Still an "Ugly Duckling" but for How Long?, in: The Political Quarterly, 78 (2007) 2, S. 244.
Extremismus
Ablehnung des Verfassungsstaat, Negierung der Pluralität von Interessen, starke Freund-Feind-Stereotypen, ein hohes Maß an ideologischem Dogmatismus und ein ausgeprägtes Missionsbewusstsein. Extremismus hat viele Merkmale und Ausprägungen. Hier finden Sie die Online-Angebote der bpb zum Thema Extremismus. Weiter...


