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19.10.2010 | Von:
Kenneth Dyson

Krise? Welche Krise? Wessen Krise?

Der Beitrag geht folgender Frage nach: Handelt es sich bei der Krise in der Euro-Zone um eine strukturelle Krise oder nur um eine Häufung von "Krisenereignissen"?

Einleitung

Bei der Analyse und in der Praxis der gegenwärtigen Politik ist "Krise" eines der am stärksten überstrapazierten Wörter überhaupt. Es scheint, als ob wir permanent in gefährlichen Zeiten lebten und ständig vor neuen Wendepunkten stünden. Angesichts dieser Allgegenwart der Krise sollten wir beginnen, unterschiedliche Krisentypen zu unterscheiden. Welcher Art ist also der Wendepunkt, an dem wir aktuell stehen?

In diesem Artikel versuche ich, anhand von drei Fragen die unterschiedlichen Arten herauszuarbeiten, wie wir das Wort "Krise" verwenden. Erstens: Haben wir es mit "Krisenereignissen" zu tun oder mit einer strukturellen Krise? Zweitens: In welcher Krisenphase befinden wir uns? Denn im Laufe der Zeit ändert sich sowohl das Gefüge struktureller Krisen (crisis construction) als auch die Richtung der Schuldzuschreibungen (crisis attribution). Schließlich wird gefragt: Wessen Krise ist es? Denn was eine strukturelle Krise für die einen ist, muss es noch lange nicht für die anderen sein.