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22.9.2010 | Von:
Heinrich Kreft

Chinas Aufstieg - eine Herausforderung für den "Westen"

Der Aufstieg Chinas führt zu einer Machtverschiebung vom euro-atlantischen Raum nach Asien mit China als neuem Machtzentrum. Auf diesen Wettbewerb muss sich der "Westen" politisch und ökonomisch besser einstellen.

Einleitung

Der wirtschaftliche und in der Folge politische Aufstieg Chinas ist der Megatrend unserer Zeit. Wir sind Zeitzeugen einer geopolitischen Machtverschiebung vom euro-atlantischen Raum in die asiatisch-pazifische Region mit China als neuem Machtzentrum. Aus Warte der USA ist China der einzige ernst zu nehmende zukünftige Rivale. Daher sehen einige bereits eine neue Zeit der Bipolarität (G-2) heraufziehen - was nicht nur in Europa auf Skepsis und Ablehnung stoßen würde. Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Chinas im Jahr 1978 ist das "Reich der Mitte" dank zumeist zweistelliger Wachstumsraten von der Peripherie ins Zentrum der Weltwirtschaft gerückt. Im zweiten Quartal 2010 hat China gemäß eigener Statistiken die Wirtschaftsleistung Japans übertroffen und sich hinter den USA als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft etabliert. Chinas Anteil am Welthandel ist von unter einem Prozent vor 25 Jahren auf heute über sechs Prozent angestiegen. Das Land hat Deutschland im vergangenen Jahr als "Exportweltmeister" abgelöst. Das Pro-Kopf-Einkommen im Land konnte von 1980 bis 2008 mehr als verzehnfacht werden. Damit ist auch die Armut im Lande signifikant zurückgegangen.

Als weltweit größter Halter von Devisenreserven spielt China auch im Weltwährungssystem eine immer wichtigere Rolle. Die wachsende Bedeutung Chinas auf den Weltfinanzmärkten wird dadurch deutlich, dass die ersten vier der zehn größten Banken der Welt ihren Sitz im "Reich der Mitte" haben. Ausländische Direktinvestitionen strömen weiter in das Land - allein 2008 fast 150 Milliarden US-Dollar. Chinesische Firmen sind in die Weltliga aufgestiegen und exportieren nicht nur, sondern treten auch zunehmend selbst als Investoren im Ausland auf (etwa 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009). Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft weiter gestiegen. Während die Wirtschaftsleistung in den OECD-Ländern 2009 deutlich schrumpfte, konnte China dank erheblicher Konjunkturspritzen seinen Wachstumskurs halten. In 2010 wird ein Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft von über neun Prozent erwartet, womit China wie schon im vergangenen Jahr der wichtigste unter den wenigen verbliebenen Wachstumspolen der Weltwirtschaft sein dürfte.