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16.8.2010 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Die großen Herausforderungen unserer Zeit verlangen, dass zunehmend über nationale Staatsgrenzen hinaus nach Strategien gesucht und entsprechend abgestimmt gehandelt wird. Probleme wie die Erderwärmung, die globale Finanzkrise oder weltweite Armut lassen sich von einzelnen Staaten oder kleineren Staatengruppen nicht allein lösen. Doch wie soll die Politik in der vielfältig vernetzten Welt gestaltet werden? Sind supranationale Institutionen denkbar, die erstens über die notwendige Legitimität verfügen und zweitens dazu in der Lage sind, wirksame Maßnahmen nicht nur zu beschließen, sondern auch durchzusetzen? Kurz: Wie könnte global governance künftig aussehen?

Das System der internationalen Ordnung, das sich in der Nachkriegszeit herausgebildet hat, wird derzeit stärker hinterfragt denn je. Die Vereinten Nationen sind zwar immer noch die wichtigste internationale Organisation, aber ihre Wirksamkeit - etwa bei der Bewältigung von Konflikten - ist begrenzt. Zudem hat es "tektonische Verschiebungen" gegeben: Staaten wie China, Brasilien oder Indien haben inzwischen erheblich an politischem und ökonomischem Gewicht gewonnen und verlangen nach stärkerer Repräsentation auch in anderen Institutionen. Der Bedeutungsverlust der Gruppe der sieben stärksten Industrienationen und Russlands (G8) zugunsten der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) spiegelt dies schon wider. Wie aber die Rolle der aufstrebenden Staaten künftig genau aussehen wird, ist noch unklar.

Ist die Vorstellung einer "Weltstaatengesellschaft" also realistisch oder eine unerreichbare Utopie? Gibt es Normen, auf die sich alle einigen könnten, bzw. wer soll diese definieren? Um (bessere) globale Kooperation zu ermöglichen, gilt es, alte Nord-Süd-Gräben zuzuschütten, eingefahrene Sichtweisen zu überwinden und vor allem: zu lernen, "bessere Zuhörer zu sein".