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20.8.2010 | Von:
Siddharth Mallavarapu
Thomas Fues
Jeanne Lätt

"Wir werden lernen müssen, besser zuzuhören" – Übersetzung des Doppelinterviews mit Thomas Fues und Siddharth Mallavarapu

Das Doppelinterview widmet sich den normativen Grundlagen von global governance unter den Bedingungen einer multipolaren Welt. Fehlt es derzeit an globalen Normen und Visionen?

Einleitung

Der Aufbau von Institutionen für globale Ordnungspolitik ist nach Ansicht vieler Fachleute für internationale Politik weniger eine Frage der Wahl als vielmehr eine notwendige Reaktion auf drängende globale Probleme wie zunehmende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, Klimawandel, Finanzkrise oder internationaler Terrorismus. Unsere Bemühungen sollten sich daher nicht auf die Frage konzentrieren, ob diese globale Ordnungspolitik wünschenswert ist oder nicht, sondern darauf, wie sie effizient und integrativ gestaltet werden kann.

Der erste wichtige Schritt auf dem Weg zu mehr Integration in der globalen Ordnungspolitik muss zweifellos die Überwindung des Nord-Süd-Konflikts sein. Um dies zu erreichen, müssen wir aufmerksamer auf Kräfte-Ungleichgewichte im gegenwärtigen internationalen System achten, aber auch ein Gespür entwickeln für historische Empfindlichkeiten und regional unterschiedliche Perspektiven auf die globalen Probleme, die uns alle betreffen.

Obwohl die im folgenden Interview vorgetragenen Einschätzungen sehr persönliche Meinungsäußerungen sind, geben sie doch Aufschluss darüber, wo die zentralen Diskussionspunkte liegen könnten: Ist die Schaffung international verbindlicher Normen als ein integrativer Prozess vorstellbar oder spiegeln diese zwangsläufig die Prioritäten mächtiger Staaten? Haben bereits bestehende Institutionen wie die Vereinten Nationen (UN) die erforderliche Legitimität, den Prozess globaler Normenbildung zu koordinieren oder haftet ihnen der Makel an, dass sie in einer historischen Periode westlicher Dominanz entstanden sind? Und werden aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien – die wirtschaftlich und politisch stark genug sind, um auf der globalen Bühne mitzuspielen – dabei prinzipiell eine wichtige und positive Rolle einnehmen?

Übersetzung aus dem Englischen: Georg Danckwerts.