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19.7.2010 | Von:
Rolf Reißig

Von der privilegierten und blockierten zur zukunftsorientierten Transformation

Die Transformation Ostdeutschlands als Angleichungspfad und nachholende Modernisierung hat ihre Dynamik und richtungweisende Funktion eingebüßt. Erforderlich ist der Übergang zu einem neuen, zukunftsfähigen Entwicklungspfad.

Einleitung

Der plötzliche Systemzusammenbruch im Osten überraschte fast alle - die Politik, die Medien, die Wissenschaft und selbst die Geheimdienste, wie das Archiv des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl offenbart. Die tiefe wirtschaftliche, soziale und geistig-kulturelle Krise der staatssozialistischen Herrschaftssysteme war in den 1980er Jahren immer offensichtlicher geworden. Doch lange Zeit dominierte in West und Ost die Annahme eines Systemwandels, nicht eines Systemwechsels. Die zunehmende Massenflucht von DDR-Bürgerinnen und -bürgern (Exit-Optionen) und das wachsende Aufbegehren der Opposition sowie die sich rasch ausbreitenden Massendemonstrationen seit Herbst 1989 (Voice-Optionen) rückten dann jedoch das Problem des Systemwechsels und damit das der deutschen Einheit politisch auf die Tagesordnung.

Doch keiner der Akteure in West- und Ostdeutschland verfügte in dieser Umbruchsituation über ein schlüssiges Konzept der Systemtransformation und der deutschen Einheit. In der politischen Arena wurden durch unterschiedliche Akteursgruppen unterschiedliche Transformations- und Einheitsoptionen kommuniziert: Systemwechsel in und Weiterexistenz einer reformierten DDR; Vereinigung und gemeinsame Gestaltung eines zukunftsfähigen Deutschlands (doppelte Modernisierung); Vereinigung durch Beitritt (Modellübernahme und nachholende Modernisierung in Ostdeutschland).

Die von der Bundesregierung favorisierte Beitrittsoption fand bald die Zustimmung der Mehrheit der Ostdeutschen. Diese vor allem drängten seit der Jahreswende 1989/90 auf eine schnelle Vereinigung, denn allein der Beitritt erschien ihr als glaubwürdige und sichere Option. Nur der sie repräsentierende Akteur (Bundesregierung) verfügte über die zu seiner Umsetzung erforderlichen Ressourcen. Der politische System- und Ordnungswechsel und auch seine Form (Beitritt) waren mithin von innen gewollt und durch Wahlen (18. März 1990) demokratisch legitimiert.


Dossier

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