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19.7.2010 | Von:
Rolf Reißig

Von der privilegierten und blockierten zur zukunftsorientierten Transformation

Fazit

Die Transformation Ostdeutschlands - zunächst vor allem als Modell-Implementation, Angleichungspfad und nachholende Modernisierung konzipiert und praktiziert - hat sich voll entfaltet; in ihrer Stärke und Ambivalenz, mit ihren Vor- und Nachteilen, mit ihren gewollten und ungewollten Folgewirkungen. Der 1989/90 in Ostdeutschland eingeleitete, zunächst ungeplante System- und Ordnungswechsel ist im Ergebnis zielgerichteter Entwicklung vollzogen. Demokratie und Marktwirtschaft haben sich durchgesetzt. Die Einheit Deutschlands wurde hergestellt, sie ist demokratisch legitimiert und international respektiert. Mit der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Transformation haben sich die ostdeutschen Länder in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend gewandelt, konsolidiert und modernisiert. Dies ist das Ergebnis sowohl der beachtlichen westdeutschen Transferleistungen wie vor allem auch der engagierten Arbeit der Ostdeutschen. Dennoch - wichtige strategische Ziele und Aufgaben der Transformation und Integration harren der Lösung: eine "selbsttragende, dynamische Wirtschaftsentwicklung", die "soziale Einheit" sowie "kulturelle Anerkennung und Integration".

Transformation und deutsche Vereinigung haben sich als viel komplexer, komplizierter, langwieriger und auch offener erwiesen, als es gerade das spezifische deutsche ("privilegierte") Transformations- und Vereinigungsmodell erwarten ließ. Das steht im Zusammenhang mit den strukturellen Altlasten der DDR, die sich als gravierender und langwieriger erwiesen als zunächst angenommen. Das hat natürlich auch mit Fehlern in der Transformations- und Vereinigungspolitik (vor allem in den Anfangsjahren) zu tun, die dem Zeit- und Problemdruck geschuldet waren, nicht zuletzt aber auch dem mangelnden Such- und Lernprozess der dominierenden Akteure. Vor allem aber hat der Angleichungsprozess seine Dynamik und seine zukunftsweisende Funktion verloren. Hier ist nach den Gründen zu fragen, denn hier liegt heute das eigentliche Problem.


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