Deutsche Kultur im Einigungsprozess
Im kulturellen Einigungsprozess verschränken sich das gemeinsame Erbe, die Divergenz ästhetischer Konzepte, der Utopieverlust und die Neuansätze jüngerer Generationen, die unbefangen auf einen komplexen Erinnerungsraum blicken.Einleitung
Für die da drüben ist hier drüben." Mit diesem ironischen Bonmot pointierte das Leipziger Kabarett "Die Pfeffermühle" 1964 die Blickrichtungen, die in Zeiten der Teilung in Deutschland aufeinandertrafen. Doch die Wahrnehmungsintensität, mit der die Menschen im Osten und Westen des politisch gespalteten Landes die jeweils andere Seite betrachteten, war höchst verschieden, die Deutschen lebten in einer "asymmetrischen Beziehungsgeschichte" (Christoph Klessmann).
Der Systemantagonismus prägte nicht nur die politisch-ökonomische Realität, sondern wirkte sich auch nachhaltig auf die kulturellen Entwicklungsprozesse aus, die sich in der Polarität zwischen dem Pathos der Freiheit und dem Postulat der Parteilichkeit manifestieren sollten. Doch die "Stunde Nichts" (Heinrich Böll) löschte die Vergangenheit nicht aus, die durch fundamentale Widersprüche zwischen Politik, Moral und Kultur bestimmt gewesen war.
Dossier
Deutsche Teilung - Deutsche Einheit
13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer. Die Teilung bekommt eine konkrete Gestalt. Mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften. Weiter...


