30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
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19.7.2010 | Von:
Felix Ringel

Hoytopia allerorten? Von der Freiheit zu bleiben

Die Schrumpfungsprozesse fordern das vereinte Deutschland heraus, neu über Leben, Arbeit und Freiheit nachzudenken. Am Beispiel Hoyerswerda wird auf mögliche Lösungsstrategien für die Zukunft verwiesen.

Einleitung

Es ist schon mehr als 20 Jahre her, dass die Menschen in Ostdeutschland auf die Straße gingen. Zwei Grundwerte waren es, für die sie damals kämpften: Demokratie und Freiheit. Während der Ruf nach Demokratie vor allem den Wunsch nach transparenter politischer Mitgestaltung enthielt, ist das Ideal der Freiheit ein weitaus komplizierteres und unsteteres Gut[1] und allemal mehr als Meinungs- und Reisefreiheit, welche in den Jahren der "Wende" im Forderungskatalog ganz oben standen. Ständig muss sie neu erkämpft und ausgehandelt werden, auch im wiedervereinten Deutschland. Von verschiedenen sozialen Gruppen werden einzelne Freiheiten unterschiedlich definiert und gewertet, was nicht selten zu harten ideologischen Machtkämpfen führt. Wie viel Freiheit brauchen der Markt, das Individuum, das Bankenwesen? Wer garantiert diese Freiheit, und zu Ungunsten welcher anderen Grundrechte? Wie viel Sicherheit, wie viele Wahlmöglichkeiten brauche ich, um Freiheit ausüben zu können?

Ich will versuchen, diese wichtigen und ganz praktischen Fragen mit Bezug auf eine typische und doch besondere ostdeutsche Kleinstadt zu beantworten. Dabei geht es auch um die Frage, wie eine Gesellschaft mit Schrumpfungsprozessen, mit Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert umgeht.[2] Die ostdeutschen Schrumpfungs- und Lebensexperten haben dazu vieles beizutragen.

Fußnoten

1.
Vgl. Wolfgang Engler, Unerhörte Freiheit. Arbeit und Bildung in Zukunft, Berlin 2007; ders., Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft, Berlin 2005.
2.
Vgl. einführend zum Folgenden das Heft "Städtepolitik", APuZ (2003) 28, bes. den Beitrag von Christine Hannemann, S. 16-24.

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