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5.7.2010 | Von:
Jürgen Pohl

Wiederaufbau nach dem Erdbeben - Perspektiven für Haiti

Erfolgsaussichten des Plans

Aus der Sicht der Katastrophenprävention bietet das Hilfspaket und der Aktionsplan grundsätzlich eine große Chance, künftige Naturkatastrophen ihrer größten Schrecken zu berauben. Für die Überlebenden der Katastrophe ist der Wiederaufbauprozess nach der "Stunde Null" auch eine Chance des Neubeginns. Die Aufgabe ist gewaltig: Einerseits ist unmittelbare Soforthilfe notwendig, andererseits aber müssen langfristig Strukturen geschaffen werden, innerhalb derer gesellschaftlicher Strukturwandel und ökonomisches Wachstum generiert werden können. Der Wiederaufbau ist grundsätzlich eine Chance, Impulse von außen zu geben und im Land selbst eine neue Solidarität zu entwickeln, welche den Grundstein für einen sozioökonomischen Wandel bilden könnte. Daher ist auch der offizielle Wiederaufbauplan als integratives Konzept notwendig, bei dem alle Bereiche der haitianischen Gesellschaft und Wirtschaft eingebunden werden.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation erscheinen die Ziele der Regierung allerdings mehr als ehrgeizig. Eine "Politik der kleinen Schritte", ein planerischer "Inkrementalismus", der flexibel auf neue Lagen reagieren kann, ist vielleicht realistischer als einen "Wiederaufbau aus einem Guss" zu planen. Die Zerstörungen sind so gravierend, dass Haiti noch Jahre von einem "planmäßigen" Wiederaufbau entfernt ist.

Auf fast allen Ebenen der Soforthilfe haben die Vereinten Nationen, die Interamerikanische Entwicklungsbank, die Weltbank sowie Nichtregierungsorganisationen als dominierende Akteure das Handeln übernommen. Ein starker haitianischer Staat, der von der breiten Bevölkerung getragen wird, ist jedoch nötig, um Fremdsteuerung und Abhängigkeiten zu vermeiden. Schließlich sind das koloniale Erbe und die fehlende Zivilgesellschaft weiterhin Strukturmerkmale Haitis. Eine neue Form von Kooperation und geteilter Verantwortung zwischen Haiti und der internationalen Staatengemeinschaft ist unabdingbar.


Hintergrund aktuell (01.04.2010)

Knapp zehn Milliarden Dollar für Haiti

Eine neue Zukunft für Haiti: Auf Einladung der UN haben sich unter diesem Motto am Mittwoch (31.03.2010) Vertreter von mehr als 150 Staaten auf einer internationalen Geberkonferenz in New York getroffen. Für den langfristigen Wiederaufbau Haitis wollen Staaten und Organisationen rund 10 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Das ist deutlich mehr als erwartet.

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