APUZ Dossier Bild

5.7.2010 | Von:
John Miller Beauvoir

Herausforderungen für die Jugend in Haiti - Essay

Haitis letzte große Hoffnung

Trotz aller angesprochenen Hindernisse ist die Jugend Haitis der Hoffnungsträger, der eine zersplitterte Gesellschaft wieder regenerieren kann. Das Bedürfnis nach Veränderung ist allenthalben spürbar. Sogar die internationalen Akteure beginnen nach neuen Partnern Ausschau zu halten, die eine reformorientierte neue Bewegung steuern können, welche die Jugend mobilisieren und der gebrochenen Nation neuen Mut einträufeln kann.

Ungeachtet der entmutigenden Lebensbedingungen und aller Arten von strukturellen Barrieren gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Haiti durch eine tatsächliche Beteiligung der jüngeren Generation im gesellschaftspolitischen Bereich wiederaufleben kann. Haitis Jugendliche dürsten nach Veränderung. Sie trauen den traditionellen Eliten nicht mehr und wollen endlich an einer Lösung beteiligt werden. Mehrere Jugendbewegungen planen eine landesweite Mobilisierung, um eine nationale "Jugendagenda" zu entwerfen. Sie wollen sich selbst in die Politik begeben, um diese Agenda in die Tat umzusetzen. "Diejenigen, die unsere Generation haben scheitern lassen, dürfen nicht dieselben sein, denen die Planung der Zukunft unserer Kinder anvertraut wird. Jetzt nicht mehr." Dies ist der Sammelruf, den man oft zu hören bekommt. Zurzeit herrscht ein fortgesetzter Widerstreit zwischen zwei Gruppen der Gesellschaft: Zwischen der Jugend, der es an der Erfahrung zur Führung des Landes fehlt, und den Vertretern des Status quo, die einen katastrophalen Eindruck dabei hinterlassen haben, wie sie in den vergangenen 25 Jahren die Geschicke dieses Landes geleitet haben. Doch um die Debatte gewinnen zu können, müssen einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

Durchhaltevermögen:
Widerstand gegen einen Wandel ist in Haiti weit verbreitet. Um ihm entgegenzutreten, ist Rückgrat erforderlich. Nur Zyniker nähren eine Theorie der Hoffnungslosigkeit.

Sachverstand:
Haiti ist ein Land, in dem derzeit der Seemann die Position des Piloten einnimmt. Infolge des Nepotismus sitzt der rechte Mann oder die rechte Frau nicht immer am rechten Platz. Über erfolgreiches Handeln sollten aber letztlich die Fertigkeiten, die man mitbringt, entscheiden.

Uneigennützigkeit:
In Haiti gibt es die weit verbreitete Ansicht, dass jede ehrenamtliche Tätigkeit durch verborgene politische oder wirtschaftliche Absichten motiviert sei. Daher muss der oder die für den Wandel Eintretende zutiefst von der Selbstlosigkeit seiner bzw. ihrer Initiative überzeugt sein, um ein gutes Beispiel abzugeben und mit der Zeit die eigene Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen zu können.

Mitgefühl:
Man muss mit den Schuhen Anderer gelaufen sein, um ihre Sorgen, Nöte, und Ängste verstehen und wirklich etwas für sie tun zu können.

Haiti braucht dringend Befürworter des Wandels, damit einige der großen Aufgaben, vor denen wir stehen, gelöst werden. Haiti sehnt sich nach einem neuen Führungsstil. Unsere Generation hat eine lange überfällige Mission zu erfüllen, für ein neues, prosperierendes und friedliches Haiti.


Hintergrund aktuell (01.04.2010)

Knapp zehn Milliarden Dollar für Haiti

Eine neue Zukunft für Haiti: Auf Einladung der UN haben sich unter diesem Motto am Mittwoch (31.03.2010) Vertreter von mehr als 150 Staaten auf einer internationalen Geberkonferenz in New York getroffen. Für den langfristigen Wiederaufbau Haitis wollen Staaten und Organisationen rund 10 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Das ist deutlich mehr als erwartet.

Mehr lesen