APUZ Dossier Bild

25.6.2010 | Von:
Peer Wiechmann
Harald Weilnböck
Silke Baer

Jugendkulturen in der politischen Bildungsarbeit

"Wir-unter-uns-Gruppe"

In der Erprobung dieses Ansatzes von zivilgesellschaftlicher Bildung - der in den Sphären von (Jugend-)Kulturen stets auch kreative, ästhetische Bildung betreibt - hat Cultures Interactive aber nicht nur die Erfahrung gemacht, dass das individuell-lebensweltliche Vorgehen unerlässlich ist, sondern auch, wie hoch die persönlichen und emotionalen Intensitäten dabei sein können - und wie sehr der individuell-lebensweltliche Bezug daher eines eigenen Raums bedarf. Aus diesem Grund setzen wir seit einiger Zeit als zusätzliches methodisches Modul eine themenoffene Gesprächsgruppe ein, die im Wesentlichen als Selbsterfahrungsgruppe geleitet wird und intern einfach die "Wir-unter-uns-Gruppe" heißt. Hier kann das persönliche Erzählen über die verschiedenen biografischen und sozialräumlichen Lebensbereiche unserer "Brennpunkt-Jugendlichen" in angemessener Dosierung moderiert werden. Und von hier aus kann es dann auf die jugendkulturellen Workshops und die Module der politischen Bildung zurückwirken - und sie vertiefen.

Gewiss wird durch diese Verfahrenserweiterung im Grunde ein Methodenbereich herangezogen, der gemeinhin eher der Psychotherapie oder klinischen Arbeit zugeordnet wird. Und während der Entwicklungsphase stellten die Kolleginnen und Kollegen häufig fest, dass das Zugehen auf "Psychologisches" auf den Feldern der politischen Bildung nicht immer leicht vermittelbar und manchmal geradezu tabuisiert ist, so dass sie häufig auf große vorauseilende Skepsis trafen.

Als ein guter begrifflicher Kompromiss erwies sich hierbei, vom Arbeiten im "narrativen Modus" zu sprechen. Das Augenmerk soll dabei vor allem darauf liegen, was eine Person zu erzählen hat, weniger darauf, welchen Argumenten sie zuneigt. Denn das individuelle Erzählen von unmittelbar selbst Erlebtem vermag ganz andere Prozesse der persönlichen Bewusstseinsbildung anzustoßen als das Argumentieren und Diskutieren von Meinungen. Die pädagogische Orientierung, in der Gesprächsführung eher einen lebensweltlich-narrativen als einen argumentativ-diskursiven Austausch anzuvisieren, hat in der praktischen Arbeit von Cultures Interactive einige Erfolge erbracht: Die Prozessqualität der Veranstaltungen ist durchweg deutlich gestiegen, wann immer wir begleitend eine "Wir-unter-uns-Gruppe" einsetzen konnten.


Dossier

Jugendkulturen in Deutschland

Skinheads, Punks, Hooligans, Gothics, Skater oder Hip-Hopper: Nicht alle Jugendlichen schließen sich einer Jugendkultur an. Aber der Einfluss derjenigen, die mit ganzem Herzen dabei sind, ist nicht zu unterschätzen. Sie sind Meinungsbildner und kulturelle Vorbilder für eine große Zahl von Gleichaltrigen.

Mehr lesen