APUZ Dossier Bild

14.5.2010 | Von:
Inken Wiese

Das Engagement der arabischen Staaten in Afghanistan

"We did it for America, (...) but also, obviously, for ourselves"

Die Frage nach der Motivation und politischen Analyse, die ein derartiges finanzielles Engagement strategisch sinnvoll erscheinen ließ, drängt sich auf. Wie eng innen- und außenpolitische Faktoren zusammenhingen, zeigt die Äußerung von Prinz Turki bin Faisal, der seit Anfang der 1990er Jahre mit dem Portfolio für Afghanistan betraut war: "We did it for America, (...) but also, obviously, for ourselves."[9] Drei Gründe, bei denen Innen- und Außenpolitik Hand in Hand gingen, seien im Folgenden genannt.

"We saw it as our job to fight against Soviet atheism wherever it might threaten", führte Prinz Turki bin Faisal weiter aus. Dem Kommunismus etwas entgegenzusetzen, war seit den 1950er Jahren ein Kernanliegen saudischer Außenpolitik und begründete die umfangreiche finanzielle Unterstützung politischer islamischer Bewegungen in zahlreichen Ländern der islamischen Welt durch Saudi-Arabien. Besonders Gamal Abdel Nassers pan-arabischer Nationalismus war von Saudi-Arabien als Unterminierung der Legitimität des saudischen Königshauses betrachtet worden, dem Saudi-Arabien den Pan-Islamismus als ideologische Alternative entgegensetzte. Unter saudischer Führung wurden daher die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) gegründet, um die Außenpolitik(en) islamischer Staaten zu koordinieren, sowie die Muslimische Weltliga, über die der saudische Einfluss auf kulturelle und religiöse Aktivitäten weltweit institutionalisiert wurde.

Zur wahhabitischen Doktrin, aus der der saudische Staat und das Königshaus ihre Legitimation ziehen, zählte jedoch von jeher auch die Opposition zum und der Kampf gegen den als Häresie betrachteten schiitischen Islam. Die Eindämmung iranischen Einflusses auf die islamische Welt, darunter auch die Staaten Zentralasiens mit ihren nicht unbedeutenden schiitischen Minderheiten, stellte eine Maxime saudischer Politik dar, die sowohl religiösen als auch außenpolitischen Ursprungs ist.[10] Die Bedeutung der anti-schiitischen Stoßrichtung der saudischen Afghanistan-Politik ist nicht zu unterschätzen. Es findet sich mehr als eine Stimme in der Literatur, die sich folgender Einschätzung anschließt: "Pashtuns were supported by Pakistan for strategic reasons and by Saudis because they were seen as the main bulwark against any Shi'i but also Persian influence. It seems even that Riyadh was more concerned to thwart Iranian influence in Afghanistan than to topple the communist regime. Once more the ideological dimension is hiding strategic concerns".[11]

Ergebnis dieser anti-schiitischen Politik war jedoch auch eine einseitige Parteinahme für und Fraternisierung mit afghanischen Paschtunen, die nicht-paschtunische (und damit primär persisch-sprachige) Afghanen sowie afghanische Schiiten ausschloss. Eine Spätfolge der Einseitigkeit der arabisch-afghanischen Kontakte seit dieser Zeit ist heute der Mangel an belastbaren persönlichen Beziehungen zwischen Vertretern der Regierungen am Golf und denen der aktuellen multiethnischen Regierung Afghanistans, was Einfluss auf die aktuelle Politik der Kooperation hat.

Fußnoten

9.
Zit. nach: Robert Lacey, Inside the Kingdom. Kings, Clerics, Modernists, Terrorists, and the Struggle for Saudi Arabia, London 2009, S. 66.
10.
Vgl. Madawi Al-Rasheed, The Minaret and the Palace: Obedience at Home and Rebellion Abroad, in: dies. (ed.), Kingdom without borders. Saudi political, religious and media frontiers, London 2008, S. 200.
11.
Olivier Roy, Islam and resistance in Afghanistan, Cambridge 19902, S. 233.