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14.5.2010 | Von:
Inken Wiese

Das Engagement der arabischen Staaten in Afghanistan

Rolle arabischer Hilfsorganisationen in Afghanistan

Die Rolle der arabischen Hilfsorganisationen in Afghanistan und an der afghanisch-pakistanischen Grenze seit den frühen 1980er Jahren ist weit über die Arbeitsplatzversorgung für arabische Freiwillige hinaus bedeutsam. Zwar würde eine umfassende Darstellung ihrer Tätigkeiten in Afghanistan den Rahmen sprengen.[15] Sie dürfen aber nicht unerwähnt bleiben, da die Erfahrungen dieser Organisationen in Afghanistan als prägend für spätere Aktivitäten in anderen Krisenregionen der islamisch geprägten Welt gelten, in denen ein enger Austausch mit militanten islamischen Kämpfern gepflegt wurde. Afghanistan hat als Katalysator für die Mobilisierung von jungen Muslimen für humanitäre Zwecke und damit für die Gründung weiterer, bis heute aktiver Organisationen gewirkt.

Die arabischen und islamischen Organisationen in Afghanistan trennten zunächst kaum zwischen "Medizin, Militanz und Militär"; praktische Kooperationszwänge angesichts des nach 1989 schwindenden internationalen Interesses und damit sinkender Finanzmittel hätten zu einer Professionalisierung der Arbeit dieser Organisationen, aber auch zur Überwindung von Berührungsängsten gegenüber westlichen und nicht-islamischen Organisationen geführt.[16] Bis 2001 blieben die arabischen Hilfsorganisationen Arbeitgeber für "arabische Afghanen", da sie ehemalige Kämpfer und Freiwillige auffingen und beschäftigten, die aus politischen Gründen nicht in ihre Heimatländer zurückkehren konnten.

Fußnoten

15.
Vgl. dazu Jonathan Benthall/Jérome Bellion-Jourdan, The Charitable Crescent. Politics of Aid in the Muslim World, London-New York 2009, S. 69-84.
16.
Vgl. ebd., S. 77.