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14.5.2010 | Von:
Inken Wiese

Das Engagement der arabischen Staaten in Afghanistan

Arabische Afghanistan-Politik 1990-2001

Während die internationale Aufmerksamkeit für Afghanistan und damit das US-amerikanische sowie das offizielle arabische Engagement mit dem Abzug der Roten Armee 1989 zunächst endete, läutete dies für arabische Freiwillige die dritte zentrale Phase ihres Engagements ein, galt es doch, nun das Regime des ehemaligen Kommunisten Nadschibullah (1987-1992) zu Fall zu bringen. Die Haltung diverser arabischer Regierungen gegenüber Afghanistan und vor allem gegenüber den Mudschahidin wandelte sich jedoch von Desinteresse hin zu Ablehnung, als Anschläge auf arabische Politiker zunahmen, für die zum Teil Rückkehrer aus Afghanistan verantwortlich zeichneten. Während Ägypten genug Druck auf Pakistan ausüben konnte, um ein Auslieferungsabkommen über die in den pakistanischen Grenzgebieten verbliebenen etwa 1800 "ägyptischen Afghanen" zu schließen, mischte sich die Mehrzahl der arabischen Staaten, darunter auch die Golfstaaten, zunächst nicht weiter in die innerafghanischen Auseinandersetzungen ein.

In Ermangelung einer fundierten Aufarbeitung der politischen Beziehungen nach 1990 zwischen den Golfstaaten und Afghanistan in Form verschiedener Bürgerkriegsfraktionen, darunter später auch den Taliban, sei an dieser Stelle nur darauf hingewiesen, dass entgegen der weit verbreiteten Meinung wenig dafür spricht, dass die besondere Qualität der Beziehungen generell fortgedauert hätte. Ungeachtet eventueller individueller Verbundenheiten schienen die afghanischen Gruppierungen im Allgemeinen nicht den Eindruck gehabt zu haben, bei Saudi-Arabien oder dessen Nachbarn am Golf für die jahrelange Unterstützung in der Schuld zu stehen. Dies zeigte sich unter anderem in der Parteinahme der meisten afghanischen Gruppierungen für Saddam Hussein nach dessen Kuwait-Invasion und damit gegen Saudi-Arabien, das die US-Offensive unterstütze. Saudi-Arabien wiederum zeigte die niedrige Priorität der Afghanistan-Politik dadurch an, dass der Außenminister die Zuständigkeit für Afghanistan an seinen Bruder abtrat.

Die Annäherung zwischen Saudi-Arabien und den Taliban Mitte der 1990er Jahre scheint weniger einer ideologischen oder sonstigen Nähe als eher innenpolitischen und ökonomischen Gründen geschuldet gewesen zu sein: Zwei saudische Firmen waren in ein umfangreiches Pipeline-Projekt in Afghanistan involviert, das zum Transport von Gas gebaut werden und afghanisches Territorium durchqueren würde; dies erhöhte den Druck auf Riad, die Taliban bei ihrem Sieg zu unterstützen. Die Weigerung der Taliban 1998, Osama bin Laden nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Afrika auszuliefern, resultierte zwar in einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Taliban. Dies allein ist jedoch kein Argument für die Güte der Beziehungen zuvor.

Es lässt sich für diese Phase feststellen, dass das arabische Engagement für Afghanistan nicht nur deswegen abnahm, weil sich mit dem Ende der Sowjetunion der Kampf gegen den Kommunismus als außenpolitische Maxime erledigt hatte, sondern auch weil sich der "Export" radikaler Oppositioneller als "Bumerang" erwiesen hatte. Die Rückkehr von ehemaligen Kämpfern in ihre Ursprungsländer bzw. ihr Wechsel in andere Krisenregionen in der islamischen Welt stellte viele arabische Regierungen vor neue Probleme. Die Auseinandersetzung mit dem Iran hingegen blieb auch in dieser Phase ein zentraler Faktor für das Engagement der Golfstaaten in Afghanistan, wie die andauernde Konzentration auf die Förderung von Paschtunen zeigte. Dies war jedoch bereits in den 1990er Jahren nicht mehr ausreichend für eine Afghanistan-Politik von hoher Priorität.