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11.5.2010 | Von:
Gemma Pörzgen

Die Welt im Blick: ARD-Auslandskorres-
pondenten

Tabuthema Kosten

Wie groß der Kostenanteil für die Auslandsberichterstattung an den Gesamtkosten der Programme der Landesrundfunkanstalten und ARD-Gemeinschaftsprogramme ist, ist offenbar ein Tabuthema. Keiner der zahlreichen Interviewpartner mochte über Geld sprechen - als ließen sich die jährlichen Kosten für ein Auslandsstudio oder einen Korrespondenten nicht beziffern. "Der Verteilungsschlüssel ist so kompliziert wie bei der EU", antwortet die stellvertretende WDR-Chefredakteurin Schmidt auf eine entsprechende Frage. "Bei den Zahlen lässt sich niemand reingucken", betont auch MDR-Chefredakteur Kenntemich. In jedem Sender würden die Kosten unterschiedlich berechnet, deshalb sei auch die Vergleichbarkeit schwierig.

Ob die Mittel effizient eingesetzt werden, ist fraglich: Anekdoten über gepanzerte Fahrzeuge, die aus bürokratischen Rücksichten von der ARD nicht gekauft werden können, sondern für 3000 Euro im Monat jahrelang geleast werden müssen, lassen erahnen, dass hier große Summen im Spiel sind, über die offenbar einvernehmliches Stillschweigen herrscht. Bislang deckt die Gebührenerhebung im Rahmen des staatlichen Grundversorgungsauftrags die Kosten der Auslandsberichterstattung, aber in allen Sendern werden die Budgets knapper, und vor dem Hintergrund latenter Konflikte zwischen "Qualität und Quantität" wird effizientes Kostenmanagement immer wichtiger.

"Die Frage ist, wie lange sich die ARD uns noch leisten kann", bangen viele Auslandskorrespondenten angesichts sinkender Rundfunkbeiträge mit Blick in die Zukunft. Bisher sind Korrespondenten bei der ARD fest angestellt und werden dank der Auslandszulagen überdurchschnittlich gut bezahlt. Auch ein Heer freier Journalisten lebt davon, Fernseh- und Radiobeiträge aus dem Ausland an die ARD-Anstalten für Honorare verkaufen zu können, die sich bei Printmedien und im Onlinebereich nicht erzielen lassen.

"Ich plädiere dafür, diesen Schatz zu wahren", betont Wolfgang Kenntemich in Bezug auf das ARD-Korrespondentennetz. Er setzt für die Zukunft auf größere Synergieeffekte in der Zusammenarbeit von Hörfunk- und Fernsehkorrespondenten im Ausland. Durch den technischen Fortschritt ließen sich schon jetzt erhebliche Kosten sparen. Ob die Entwicklung bei den Printmedien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Warnung verstanden wird, oder im Gegenteil auch bei der ARD zukünftig eine Kürzung der Auslandsberichterstattung befördert, wird sich in den kommenden Jahren erweisen.


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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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