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3.5.2010 | Von:
Kathrin Voss

Grassrootscampaigning und Chancen durch neue Medien

Lange Tradition in den USA

Seinen Ursprung hat das Grassrootscampaigning in den USA. Dort gibt es eine lange Tradition der Einbindung der Bürger in politische Kampagnen. Diese erklärt sich insbesondere aus dem politischen System der USA, welches das Grassrootscampaigning nicht nur ermöglicht, sondern geradezu herausfordert. Das Wahlsystem stellt auf allen Ebenen den einzelnen Kandidaten in den Mittelpunkt, während Parteiorganisationen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Auch ist der Fraktionszwang in den USA nur sehr gering ausgeprägt. Damit macht das politische System den einzelnen Politiker zwar unabhängiger von den Parteistrukturen, aber gleichzeitig abhängiger von den Wählern seines Wahlkreises. Daher funktionieren Kampagnen, welche die Wähler gezielt dazu auffordern, ihren Abgeordneten zu kontaktieren; denn mit Blick auf die nächsten Wahlen werden die aktivierten Bürger von den Politikern als potenzielle Wähler angesehen.[3] Eine hohe Mobilisierungsrate kann daher eine entsprechende Wirkung entfalten. Umgekehrt nutzen auch die Kandidaten im Wahlkampf Strategien des Grassrootscampaigning, wie es etwa Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf 2008 mit großem Erfolg getan hat.[4]

Im Vergleich dazu sind deutsche Abgeordnete durch das Wahlsystem und den Fraktionszwang wesentlich stärker von ihren Parteien abhängig. Das gilt vor allem für die über die Parteilisten ins Parlament gewählten Abgeordneten. Aber selbst bei den Direktkandidaten steht der Einfluss der Bürger aus dem Wahlkreis immer in direkter Konkurrenz zur Bedeutung der Partei. Aus diesem Grund lassen sich die in den USA verbreiteten Grassrootsstrategien nicht in dem Ausmaß auf Deutschland übertragen und wurden daher in der Vergangenheit auch nicht so intensiv genutzt.[5] Wenn sie hierzulande genutzt werden, sind die Adressaten seltener einzelne Abgeordnete sondern eher Minister oder andere Spitzenpolitiker.

Fußnoten

3.
Vgl. Martin Sebaldt, Strukturen des Lobbying: Deutschland und die USA im Vergleich, in: Ralf Kleinfeld/Annette Zimmer/Ulrich Willems (Hrsg.), Lobbying: Strukturen, Akteure, Strategien, Wiesbaden 2007, S. 104f.
4.
Vgl. Costas Panagopoulos/Peter L. Francia, Grassroots Mobilization in the 2008 Presidential Election, in: Journal of Political Marketing, 8 (2009) 4, S. 315-333.
5.
Vgl. R. Speth (Anm. 1).