APUZ Dossier Bild

20.4.2010 | Von:
Christine Hannemann

Heimischsein, Übernachten und Residieren - wie das Wohnen die Stadt verändert

Alterung und Wohnen

Zweitens betrifft dies auch das Phänomen der Alterung der Gesellschaft. Ein immer größerer Anteil von Menschen wohnt als "Hochbetagte/r" allein. Für das Wohnen im Alter ist das zunehmende Alleinwohnen von hochbetagten Frauen in Privatwohnungen charakteristisch. Das resultiert aus der nach wie vor längeren Lebenserwartung von Frauen und dem immer stärkeren und besser zu realisierenden Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben. Vor allem aber bleiben "die Alten" auch länger "jung" und aktiv. Traditionelle Altenheime entsprechen nicht dem vorherrschenden Wunsch nach Beibehaltung der gewohnten, selbständigen Lebensführung. Alte wohnen bis weit in ihre Siebziger Jahre eigenständig. Selbst in ihren Achtzigern bleiben viele noch vital. "Beim Thema Wohnen ist in den Lebensentwürfen 50+ ein neuerlicher Variantenreichtum an die Stelle von Altenheim oder Pflege innerhalb der Familie getreten. Zwei populär diskutierte Modelle für das Wohnen im Alter sind die Alten-Wohngemeinschaft und das Mehrgenerationenhaus. (...) 60 Prozent unserer Befragten halten das Mehrgenerationenhaus (...) für hoch attraktiv. Nicht weil sie derzeit einen besonderen Bedarf dafür hätten, sondern weil es unter der Perspektive schwindender Familiensolidarität eine echte Alternative darstellt. Das Modell findet jedoch aus einem weiteren Grund bei der Zielgruppe 50+ breite Unterstützung: 88 Prozent der Menschen zwischen 50 und 70 Jahren würden nie oder nur im Pflegefall in ein Altenheim gehen."[2]

Fußnoten

2.
Dieter Otten/Nina Melsheimer, Lebensentwürfe "50plus", in: APuZ, (2009) 41, S. 34, online: www.bpb.de/files/XGI2F3.pdf (1.4.2010).