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9.4.2010 | Von:
Tatjana Eggeling

Homosexualität und Fußball - ein Widerspruch?

Umdenken

Doch immerhin scheint im Fußball allmählich ein Umdenken einzusetzen. Der DFB-Präsident Theo Zwanziger setzt sich seit gut zwei Jahren offensiv dafür ein, das Tabu Homosexualität im Fußball abzubauen. Ein bei einem Länderspiel des Männernationalteams gegen Finnland am 14. Oktober 2009 in Hamburg stadionweit verteilter Flyer gegen Diskriminierung und für die Akzeptanz von Homosexualität im Fußball belegt das Engagement des Verbandes. Auch Bundesligavereine wie Werder Bremen haben erkannt, dass die sexuelle Orientierung ebenso wenig ein Grund zur Diskriminierung sein darf wie die soziale Herkunft oder andere Merkmale. In der "Satzung und Jugendordnung des SV ,Werder' von 1899 e.V." findet sich unter §2, Zweck des Vereins, der Absatz: "5. Der Verein fördert die Funktion des Sports als verbindendes Element zwischen Nationalitäten, Kulturen, Religionen und sozialen Schichten. Er bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität eine sportliche Heimat."[20]

Auch über Deutschland hinaus werden Zeichen gegen Homophobie im Fußball gesetzt, die belegen, dass eines der letzten großen Tabus im Sport abgeschafft werden soll und keinerlei Diskriminierungen mehr geduldet werden sollen. Der englische Fußballverband (Football Association) hat schon im Jahr 2002 eine Broschüre gegen Homophobie im Fußball in Kooperation mit Vereinen der Premier League aufgelegt[21] und unterstützt die Justin Campaign,[22] die mit Aufklärung und Schulungsangeboten der Homophobie im Fußball entgegenwirken will. Auf europäischer Ebene hat sich der europäische Fußballverband UEFA des Themas angenommen, auf seiner dritten Konferenz gegen Diskriminierung im Fußball im März 2009 Homophobie in Workshops aufgegriffen und deutlich gemacht, dass allen Diskriminierungen gleichermaßen begegnet werden müsse.

Dies sind wichtige Signale auf dem Weg des Wandels im Fußball hin zu einer Sportart, die dem Integrationsgedanken des Sports gerecht werden und fair play für alle, unabhängig von ihrem kulturellen oder sozialen Hintergrund - und von ihrer sexuellen Orientierung -, garantieren will.

Fußnoten

20.
www.werder.de/download/satzung.pdf (2.3.2010).
21.
Vgl. Football Association (ed.), Tackling Homophobia, London 2002.
22.
www.thejustincampaign.com (28.2.2010). Der Name der Kampagne erinnert an den englischen Profifußballer Justin Fashanu, der sich Anfang der 1990er Jahre als schwul geoutet hatte und im Jahr 1998 Selbstmord beging.

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