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9.4.2010 | Von:
Michael Bochow

AIDS-Prävention: Erfolgsgeschichte mit offenem Ausgang

"Altes" und "neues" AIDS

Die seit 1996 verfügbaren antiretroviralen Kombinationstherapien bewirkten einen grundlegenden Wandel in der Situation der von HIV/AIDS betroffenen Menschen. In medizinischer Hinsicht waren jetzt therapeutische Interventionsmöglichkeiten gegeben, welche die wenigen vorher verfügbaren Mittel wie AZT (Azidothymidin) an positiver Wirkung weit übertrafen. Die Lebensqualität vieler Menschen mit AIDS verbesserte sich, und ihre Lebenserwartung stieg deutlich. Kündigte der Ausbruch des Vollbildes AIDS, ja selbst der Nachweis einer HIV-Infektion, für die meisten Betroffenen vor 1995 den nahen Tod an, so machten sich Ende der 1990er Jahre Menschen mit AIDS berechtigte Hoffnung auf viele weitere Lebensjahre. Die Kombinationstherapien machten AIDS zu einer behandelbaren chronischen Krankheit, wenngleich um den Preis einer Reihe von gravierenden Nebenwirkungen für viele Patienten.

Der Frankfurter Sexualwissenschaftler Martin Dannecker führte vor diesem Hintergrund in die deutschsprachige Diskussion die Unterscheidung vom "alten" und vom "neuen" AIDS ein. Mit dieser Unterscheidung hebt er hervor, dass in den 1980er Jahren eine unmittelbare Verknüpfung von AIDS und nahem Tod gegeben war; diese werde seit der Einführung antiretroviraler (gegen ein Retrovirus gerichteter) Mittel von Vielen so nicht mehr wahrgenommen. Nur die unmittelbare Verknüpfung von HIV-Infektion und Todesdrohung habe die weitgehende Einhaltung von Safer Sex unter schwulen Männern bewirkt, eine deutliche Zunahme von ungeschützten Sexualkontakten sei daher unausweichlich.[14]

Fußnoten

14.
Vgl. Martin Dannecker, Wider die Verleugnung sexueller Wünsche, in: AIDS-Infothek, 1 (2000), S. 4-10; ders., Erosion der HIV-Prävention, in: Zeitschrift für Sexualforschung, 15 (2002) 1, S. 58-64; ders., Abschied von AIDS, in: Zeitschrift für Sexualforschung, 19 (2006) 1, S. 63-67; ders., Zur Transformation von AIDS in eine behandelbare Krankheit, in: Volkmar Sigusch (Hrsg.), Sexuelle Störungen und ihre Behandlung, Stuttgart-New York 2007, S. 257-262.

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