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19.2.2010 | Von:
Heike Kratt

Zivile Konfliktbearbeitung in Israel und Palästina

Arbeit am Konflikt: Der Zivile Friedensdienst

Als Gegenmodell zur Entsendung von Soldaten und Armeen, die Sicherheit garantieren sollen, stehen beim ZFD Friedensfachkräfte im Mittelpunkt, die in Methoden der Konfliktbearbeitung ausgebildet sind und in Konfliktregionen entsendet werden. Diese Person(en) mit ihren spezifischen Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt. Es geht nicht um finanzielle Unterstützung, sondern darum, durch den gezielten Einsatz von geschultem Personal und damit verbundenen Aktivitäten in den Konfliktgebieten die Gewalt zu verhindern oder zu mindern. Das setzt einen hohen Anspruch an die Qualifizierung des Personals voraus.

Die Kriege im ehemaligen Jugoslawien gaben den Anstoß dazu, dass sich diese Idee im Zusammenwirken von Entwicklungs- und Friedensdiensten institutionalisierte. Der ZFD wurde als eigene Programmlinie der Entwicklungspolitik aufgenommen. Die Zivilen Friedensfachkräfte werden damit im Rahmen des Entwicklungshelfergesetzes entsandt. Der Dachverbund des Zivilen Friedensdienstes in Deutschland ist das Konsortium ZFD, in dem sich die Trägerorganisationen (sieben anerkannte Entsendeorganisationen[3] und ein Dachverband[4]) zusammengeschlossen haben.

"Ziel des ZFD ist, Form und Dynamik einer Konfliktaustragung mit gewaltfreien Mitteln dahin zu beeinflussen, dass Gewalt vermieden oder beendet oder zumindest gemindert wird ("working on conflict")."[5] Der ZFD hat dabei den Anspruch, in allen drei Phasen eines Konfliktes anzusetzen: vor, während und nach einem gewalttätigen Konflikt. Er sieht sich damit in Abgrenzung und Ergänzung der konfliktsensiblen Entwicklungszusammenarbeit, die nicht am Konflikt, sondern in einem Konflikt arbeitet ("working in conflict").

Der ZFD arbeitet grundsätzlich mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Dadurch sollen lokale Friedenspotenziale besser erkannt und genutzt sowie lokale Kräfte gezielt gefördert werden. Die meisten Konsorten entsenden ihre Fachkräfte direkt in bestehende lokale Organisationen (integriertes Modell).[6] Auch die Einflussnahme auf Gewaltakteure wird angestrebt. Die gezielte Kooperation mit Gewaltakteuren zum Zwecke der Verhinderung weiterer Gewalt ist nicht ausgeschlossen. Außerdem sollen auch lokale Friedensfachkräfte im Sinne der Nachhaltigkeit gezielt beschäftigt und gefördert werden.

Die Friedensfachkräfte in Israel und Palästina arbeiten an unterschiedlichen geografischen Orten und mit unterschiedlichen Partnerorganisationen zusammen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich zum Ziel gesetzt haben, die Konfliktsituationen in Israel und Palästina so zu beeinflussen, dass weniger Gewalt stattfindet. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, darum soll es in den folgenden Absätzen gehen.

Fußnoten

3.
Das sind Deutscher Entwicklungsdienst (DED), Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Weltfriedensdienst (WFD), Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD), Evangelischer Entwicklungsdienst (EED), Internationaler Christlicher Friedensdienst (EIRENE), Christliche Fachkräfte International (CFI), geordnet nach ihrem prozentualen Finanzanteil von Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; vgl. M. Quack (Anm. 1), S. 27.
4.
Das ist die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF).
5.
Konsortium ZFD: Standards für den Zivilen Friedensdienst. Gemeinsame Grundlage des Konsortiums Ziviler Friedensdienst bei der Entwicklung von Projekten, Bonn 2005, S. 2.
6.
Das forumZFD bildet hier eine Ausnahme: Die Fachkraft arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, ist aber nicht bei ihnen angesiedelt.

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