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16.2.2010 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Sprache ist allgegenwärtig – durch sie verleihen wir unseren Gedanken Ausdruck und sind in der Lage, zu kommunizieren. Auch in der Politik spielt Sprache eine besondere Rolle.

Sprache ist allgegenwärtig - durch sie verleihen wir unseren Gedanken und Emotionen Ausdruck und sind in der Lage, mit anderen zu kommunizieren. Sie ist Teil unserer Identität. In der Politik spielt Sprache eine besondere Rolle - oder besser: ihr Gebrauch, durch den sie zu einem politischen Instrument werden kann. So sind Auseinandersetzungen um politische Inhalte und die "Besetzung" von Themen meist verknüpft mit einem Wettstreit um die "richtige" Benennung von Dingen oder die "wahre" Bedeutung von Worten. Jüngstes Beispiel ist die öffentlich geführte Debatte um die Bezeichnung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, in dessen Zusammenhang erst seit kurzem auch offiziell von "kriegsähnlichen Zuständen" bzw. einem "bewaffneten Konflikt" die Rede ist.

In der parlamentarischen Demokratie ist Sprache nicht automatisch "demokratisch" im Sinne von ideologie- oder gar herrschaftsfreier Kommunikation - man denke nur daran, wie unterschiedlich etwa "sozial gerecht" interpretiert werden kann. Vielmehr gewährleisten demokratische Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit den Wettstreit konkurrierender Sprach-deutungen (und Ideologien), was in der deutschen Geschichte nicht immer der Fall war. Der Wortschatz offenbart vorherrschende Wertvorstellungen, weshalb er auch als "geronnenes gesellschaftliches Bewusstsein" bezeichnet wird. Zwar wandelt er sich mit politischen Umbrüchen, aber jede Zeit hinterlässt auch ihre lexikalischen Spuren. Ein allzu unbekümmerter Sprachgebrauch kann schnell zu Irritationen führen.

Sprache ist nicht zuletzt etwas Lebendiges, das sich ständig weiterentwickelt. So haben zahlreiche Anglizismen längst Eingang ins Deutsche gefunden, und neue urbane Jugendsprachen wie etwa das "Kiezdeutsch" haben sich herausgebildet. Auch diese Entwicklungen spiegeln ein Stück gesellschaftlicher Realität wider.


Joachim Scharloth

Revolution der Sprache?

"Unordentliche" Kleidung, lange Haare und offene Verstöße gegen Benimmformen: Die 68er-Bewegung war eine Rebellion gegen die herrschende Ordnung. Auch in der Sprache und Kommunikationsritualen sorgten die 68er für reichlich Unordnung.

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