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16.2.2010 | Von:
Heike Wiese

Kiezdeutsch - ein neuer Dialekt

Begriff "Kiezdeutsch"

In der öffentlichen Diskussion werden zum Teil auch andere Bezeichnungen verwendet, etwa "Kanak Sprak", ein Begriff der besonders in den Comedybereich Eingang gefunden hat. "Kiezdeutsch", die Bezeichnung, die hier benutzt wird, ist aus mehreren Gründen besonders passend für diese Jugendsprache. Zum einen macht sie deutlich, dass wir es mit einer Varietät des Deutschen zu tun haben. Zum anderen weist sie darauf hin, dass diese Jugendsprache im Kiez beheimatet ist, der im Berlinerischen ein alltägliches Wohnumfeld identifiziert, dass es sich also um eine informelle, alltagssprachliche Form des Deutschen handelt. Schließlich beinhaltet der Begriff keine ethnische Eingrenzung und kann so erfassen, dass Kiezdeutsch nicht nur von Sprecherinnen und Sprechern einer bestimmten Herkunft gesprochen wird.

Demgegenüber fasst eine Bezeichnung wie "Kanak Sprak" zunächst nur Jugendliche nicht-deutscher Herkunft in den Blick und tut dies auf eine stark herabsetzende Weise. Der Gebrauch des Ausdrucks "Kanak Sprak" war zwar ursprünglich als Rückeroberung eines negativ besetzten Begriffs im Rahmen politischer Migrantenbewegungen motiviert.[1] Wie sprachideologische Untersuchungen betonen, sind die herabsetzenden Assoziationen zu "Kanak" aber erhalten geblieben.[2] Ich verwende daher ausschließlich den Begriff "Kiezdeutsch", der solche negativen Vorabbewertungen vermeidet und mittlerweile auch in der politischen Diskussion gut eingeführt ist.

Fußnoten

1.
Vgl. Feridun Zaimo?lu, Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft, Berlin 1995.
2.
Vgl. Jannis Androutsopoulos, Ethnolekte in der Mediengesellschaft, in: Christian Fandrych/Reinier Salverda (Hrsg.), Standard, Variation und Sprachwandel in germanischen Sprachen, Tübingen 2007.

Joachim Scharloth

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