APUZ Dossier Bild

Strafvollzug

  • PDF-Icon PDF-Version (2.769 KB)

    Im Jahr 2006 wurde im Rahmen der Föderalismusreform die Gesetzgebungskompetenz für den Strafvollzug vom Bund auf die Länder verlagert, was vorwiegend unter Experten diskutiert wurde. In der öffentlichen Wahrnehmung erfährt der Strafvollzug fast nur bei spektakulären Fällen wie dem Foltermord an einem Häftling durch Mitgefangene in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg 2006 Aufmerksamkeit. Erstaunliche Entwicklungen und Kennzeichen des deutschen Strafvollzugs, wie die seit 2003 rückläufige Gefangenenrate, bleiben dagegen in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet.

    Kriminalität und Strafvollzug geraten immer wieder in Gefahr, für populistische Forderungen wie nach einem härteren "Durchgreifen" der Justiz, lebenslangem "Wegschließen" von Sexualstraftätern und nach robusterem Vorgehen zum Beispiel gegen "kriminelle Ausländer" herhalten zu müssen. Dies wird der Komplexität der Materie nicht gerecht und schafft ein gesellschaftliches Klima, das Ängste schürt und Resozialisierungsmaßnahmen als "Kuschelpädagogik" abtut. Dem Schutz der Gemeinschaft dient es nicht.

       
  • Manuel Halbauer

    Editorial

    Der deutsche Strafvollzug weist erstaunliche Parameter wie eine sinkende Gefangenenrate aber auch einen hohen Anteil an Inhaftierten auf, die im geschlossenen Vollzug gemeinschaftlich untergebracht sind. Weiter...

    Winfried Hassemer

    Vom Sinn des Strafens - Essay

    Gelingende Rechtfertigung des Strafens ist heute präventive Rechtfertigung; der strafende Eingriff in Grundrechte muss sich darauf berufen können, dass er die Welt verbessert, wobei Maß und Würde gewahrt bleiben müssen. Weiter...

    Frieder Dünkel

    Strafvollzug in Deutschland - rechtstatsächliche Befunde

    Der Beitrag geht zunächst auf die rechtliche Situation des Strafvollzugs in Deutschland ein und stellt anschließend einige aktuelle statistische Daten hinsichtlich der Belegungsentwicklung und Insassenstruktur vor. Weiter...

    Horst Entorf

    Strafvollzug oder Haftvermeidung - was rechnet sich?

    Der Aufsatz geht der Frage nach, ob der Nutzen des Strafvollzugs die Kosten der Sicherung und Resozialisierung von Straftätern überschreitet oder ob alternative, haftvermeidende Strategien vorzuziehen sind. Weiter...

    Philipp Walkenhorst

    Jugendstrafvollzug

    Das Angebot des Jugendstrafvollzugs steht im Widerspruch zu den durch die Zwangsunterbringung mitbedingten subkulturellen Gewalt- und Drogenproblematiken. Relativ hohe Rückfallquoten machen die Übergangsbegleitung unabdingbar. Weiter...

    Georg Stolpmann

    Psychiatrische Maßregelbehandlung

    Die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus gemäß § 63 StGB gehört zu den freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung. Über deren Dauer entscheidet die vom Patienten ausgehende Gefährlichkeit. Weiter...

    Klaus Laubenthal

    Gefangenensubkulturen

    Der Beitrag befasst sich mit Erscheinungsformen der Gefangenensubkulturen in den Justizvollzugsanstalten. Herausgearbeitet sind die dort Sicherheit und Ordnung beeinträchtigenden mit den Subkulturen verbundenen Problembereiche. Weiter...

    Joachim Walter

    Minoritäten im Strafvollzug

    Minoritäten sind in den Gefängnissen überrepräsentiert. Die Gründe liegen in unterschiedlichem Verhalten, unterprivilegiertem rechtlichen Status sowie unterschiedlicher Behandlung durch die Kontrollinstanzen und Massenmedien. Weiter...

     

    Dossier

    Menschenrechte

    Auf der Flucht vor Zwangsheirat, hinter Gittern wegen der "falschen" Meinung, in der Textilfabrik von Kindesbeinen an: Auch sechzig Jahre nach Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte ist die Frage nach Freiheit und Würde des Menschen aktuell. Sind Menschenrechte universell? Wer verfolgt Verstöße gegen Menschenrechte? Und wie sieht die Situation in verschiedenen Regionen aus? Weiter...