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Politische Führung in der Diktatur


22.12.2009
Politische Führung in der Diktatur gründet sich auf persönliche Netzwerke der Macht und den Versuch, eine charismatische, "emotionale Vergemeinschaftung" (Max Weber) zwischen Herrscher und Beherrschten herzustellen.

Einleitung



Max Weber vertrat gegen Ende des Ersten Weltkriegs die Auffassung, dass es schwer sein werde, die Monarchie als legitimierende Kraft zu substituieren. Das Erbcharisma eines Königs versehe die staatliche Ordnung mit einer Legitimitätsquelle, die "gerade in modernen Massenstaaten nicht leicht ersetzt werden könne".[1] Der radikale Bruch, den die Revolution im Herbst 1918 für die deutsche Staatlichkeit bedeutete, erschien ihm deshalb als problematisch. Und auf einer allgemeinen Ebene verdeutlichte Weber ein Grundproblem moderner Herrschaft: Wie konnte eine Republik emotionale Bindungen zwischen Herrschaft und Gesellschaft aufbauen, die Europas Monarchien stark gemacht hatte? Wie konnte politische Führung neu begründet, legitimiert und durchgesetzt werden?






Der politische Beobachter Max Weber war ein Seismograph dafür, wie aktuell diese Fragen zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren. In vielerlei Hinsicht haben sie nur wenig von ihrer Dringlichkeit eingebüßt: In Zentralasien, China und in Teilen Südamerikas sind Formen diktatorischer Herrschaft und Varianten autoritärer Führerschaft fest verankert. Sie schöpfen ihre Legitimität aus einer antiliberalen Agenda, die auch die Diktaturen Europas im 20. Jahrhundert auszeichnete.


Fußnoten

1.
Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie [1921], Tübingen 1972, S. 689.

 

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