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16.12.2009 | Von:
Christian von Soest

Regenbogennation als regionale Führungsmacht?

Seit 1994 gilt Südafrika als regionale Führungsmacht auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land verfolgt dabei eine Strategie der "kooperativen Hegemonie", agiert zum Teil aber auch eigennützig.

Einleitung

Seit dem Ende der Apartheid 1994 hat Südafrika eine beispiellose Karriere gemacht: Vom geächteten "Stinktier der Welt"[1] zur weltweit bewunderten "Regenbogennation" als Symbol für Befreiung, Ausgleich und Wiedergutmachung historischen Unrechts. Die Überwindung der weißen Minderheitsherrschaft, die Verabschiedung einer Verfassung, die weitreichende Freiheits- und soziale Rechte verbürgt, und eine modellhafte Wahrheits- und Versöhnungskommission ließen das Land an der Südspitze Afrikas zum Vorbild werden.






Außenpolitisch trat die neue, demokratisch gewählte Regierung des African National Congress (ANC) mit dem Ziel an, ein "guter globaler Bürger" zu sein. Bereits 1993 hatte der spätere Präsident Nelson Mandela die grundlegenden Werte benannt, die von nun an Südafrikas Außenpolitik leiten sollten. Dazu gehören der Schutz der Menschenrechte, die Verbreitung der Demokratie, gewaltfreie Konfliktlösungen, verstärkte regionale und internationale Kooperation und die Hinwendung zum afrikanischen Kontinent.[2]

Auf der anderen Seite hofften die Vereinigten Staaten und andere Regierungen im Norden, dass das "neue" Südafrika mit seinen politischen, diplomatischen und militärischen Fähigkeiten, seiner Wirtschaftskraft und dem hohen internationalen Vertrauensvorschuss Orientierung für einen ganzen Kontinent geben würde, der in vielerlei Hinsicht seine Richtung verloren hatte. Erwartet wurde, so Jack Spence, "eine konstruktive und dynamische Rolle, sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene".[3] Zu welchem Grad hat Südafrika diese Führungsrolle in Afrika tatsächlich eingenommen? Welche Faktoren haben das Ausüben dieser Rolle befördert oder behindert?

Fußnoten

1.
Dieser Ausdruck wird Nelson Mandela zugeschrieben, zit. in: David White, Moving on in South Africa, in: Survival, 51 (2009) 4, S. 149-158, hier S. 150 (alle Übersetzungen CvS).
2.
Vgl. Nelson Mandela, South Africa's Future Foreign Policy, in: Foreign Affairs, 72 (1993) 5, S. 86-97, hier S. 87.
3.
Jack Spence, South Africa's Foreign Policy: Vision and Reality, in: Elizabeth Sidiropoulos (ed.), South Africa's Foreign Policy 1994-2004: Apartheid Past, Renaissance Future, Johannesburg 2004, S. 35-48, hier S. 36; Adebayo Adedeji (ed.), South Africa and Africa: Within or Apart?, London 1996, S. 4-27.

Afrika - Länder und Regionen
Informationen zur politischen Bildung (Heft 302)

Afrika – Länder und Regionen

Der afrikanische Kontinent lässt sich in fünf Großräume untergliedern: Nord-, West- und Zentralafrika, das Horn von Afrika plus Ostafrika sowie das südliche Afrika. Ein Überblick über ihre jeweiligen Entwicklungen und Besonderheiten verbindet sich mit Analysen von Ländern, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind.

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