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16.12.2009 | Von:
Helga Dickow

ANC forever? Innenpolitische Entwicklungen und Parteien in Südafrika

Democratic Alliance

Der wirkliche Machtkampf - allerdings nicht auf nationaler, sondern auf Provinzebene - spielte sich letztendlich zwischen dem ANC und der Democratic Alliance (DA) ab. Die DA ist die Nachfolgepartei der Democratic Party, die schon zu Zeiten der Apartheid im Parlament als liberale Opposition vertreten war (seinerzeit als Progressive Federal Party) - lange Zeit nur mit einer Abgeordneten, der mutigen Helen Suzman. Sie war so etwas wie das "weiße Gewissen" im Apartheid-Staat und hielt mit ihren parlamentarischen Anfragen die Erinnerung an die verhaftete ANC-Führung wach.[16]

Zwei Provinzen, nämlich KwaZulu Natal und das Western Cape gelten als Gradmesser für die Stärke des ANC. Beide sind keine Stammländer des ANC, hier stellte er nicht immer wie selbstverständlich die Provinzregierung. So gewannen 1994 und 1999 die Inkatha Freedom Party (IFP) KwaZulu Natal, die NP bzw. deren Nachfolgepartei New National Party (NNP) die Kapprovinz. Die Mehrheit der dortigen Bevölkerung sind sogenannte "coloureds", Nachkommen der burischen Siedler und der Schwarzen. Sie sind häufig Arbeiter auf Farmen, und viele von ihnen sind arbeitslos. Was Sprache und Religion anbelangt, stehen sie ihren weißen Vorfahren näher als ihren schwarzen. Der Großteil der Bevölkerung spricht Afrikaans und gehört der Reformierten Kirche an. Zudem leben in Western Cape mehr Weiße als in anderen Provinzen. Viele sind erst in jüngster Zeit dorthin gezogen, da dort bis vor kurzem das Leben als wesentlich sicherer galt als im wirtschaftlich boomenden Gauteng. Die Kapprovinz spiegelt daher nicht die ethnische Zusammensetzung des Landes wider. Nach fünf Jahren ANC-Herrschaft hatte die DA nun 2009 eine realistische Chance, hier die Macht zu erringen.

Erst kurz vor dem Wahltermin beendete der Generalstaatsanwalt das jahrelange juristische Tauziehen um Zuma und stellte das Verfahren ein. Für Zuma war damit der Weg zur Präsidentschaft endgültig frei, weshalb die Vorsitzende der DA, Helen Zille, in den letzten Wochen vor dem Urnengang auf eine "Stop Zuma"-Kampagne setzte. Die Bürgermeisterin von Kapstadt hatte den Parteivorsitz 2006 von Tony Leon übernommen, der als Vertreter der größten Oppositionspartei den ANC immer wieder heftig angegriffen und ihm fehlende Effizienz bei der Armuts- und Arbeitslosigkeitsbekämpfung vorgeworfen hatte. Mit 16,66 Prozent wurde die DA auf nationaler Ebene nun erneut zweitstärkste Partei. Aus der Wahl im Westkap ging sie als Siegerin hervor, und Zille wurde zur neuen Premierministerin der Provinz gekürt.

Fußnoten

16.
Die Gefangenen auf Robben Island durften in der Öffentlichkeit nicht erwähnt werden, in Reden im Parlament freilich schon.

Afrika - Länder und Regionen
Informationen zur politischen Bildung (Heft 302)

Afrika – Länder und Regionen

Der afrikanische Kontinent lässt sich in fünf Großräume untergliedern: Nord-, West- und Zentralafrika, das Horn von Afrika plus Ostafrika sowie das südliche Afrika. Ein Überblick über ihre jeweiligen Entwicklungen und Besonderheiten verbindet sich mit Analysen von Ländern, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind.

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