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16.12.2009 | Von:
Heike Becker

Kids of the Rainbow Nation: Blicke in die junge südafrikanische Gesellschaft

Was interessiert die Kinder der "Regenbogennation"? Was sind die Hoffnungen und Sorgen der ersten südafrikanischen Generation, die nach dem Ende der Apartheid aufgewachsen ist?

Einleitung

Is race a good indicator of youth culture?", fragte schon vor einigen Jahren der Autor eines südafrikanischen Wirtschaftsblogs.[1] Die Frage ist noch immer berechtigt. Spielt die Hautfarbe also noch eine Rolle für die Jugendlichen in dem ehemaligen Apartheidstaat, wo die "Rasse"[2] eines Menschen bis vor 15 Jahren noch ihre oder seine Lebenschancen eindeutig bestimmte? Wie sehen sie sich selbst, wie gehen sie miteinander um, die jungen Frauen und Männer der ersten Generation, die nach dem Ende der Apartheid aufgewachsen ist? Was bewegt die Kinder der "Regenbogennation", was sind ihre Hoffnungen und Sorgen? Was ist mit HIV/Aids? Wie stehen sie zu der fremdenfeindlichen Gewalt, die das Land zu Beginn des südafrikanischen Winters 2008 erschütterte? Und wie sehen sie die übrige Welt, die sich in wenigen Monaten zur ersten Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden bei ihnen einfinden wird?






Ich lade Sie ein, in diesem Artikel mit mir den Campus der University of the Western Cape (UWC) zu besuchen, an der ich seit 2001 Ethnologie lehre. Diese Universität mit ihren 15.000 Studierenden spiegelt in vielerlei Hinsicht die Hoffnungen wie auch die Frustrationen der jungen südafrikanischen Gesellschaft wider. Die UWC wurde 1960 als Apartheidinstitution gegründet: Sie ließ ursprünglich nur "Farbige" ("coloureds")[3] als Studierende zu, um ebendiese von den "weißen" Universitäten zu entfernen bzw. fernzuhalten. 1985 unternahm die Universität einen wahrhaft revolutionären Schritt und ließ von da an Studienbewerberinnen und -bewerber aus allen Bevölkerungsgruppen zu. Innerhalb weniger Jahre stieg die Anzahl der "schwarz-afrikanischen" Studierenden rapide an.

Fußnoten

1.
Graeme Codrington, Is Race a Good Indicator of Youth Culture, 24. 8. 2005, in: www.connectioneco nomy.com (20. 10. 2009).
2.
Ich setze "Rasse" durchweg in Anführungszeichen, um klarzustellen, dass es sich um eine soziale Konstruktion und keineswegs um eine biologische Kategorie handelt.
3.
Leider lassen sich auch heute noch die "Rasse"-Kategorien der Apartheid in Südafrika nicht vermeiden, denen zufolge "coloureds" als Menschen gemischter Herkunft von "africans/blacks" unterschieden werden. In Kapstadt stellen "coloureds" etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Afrika - Länder und Regionen
Informationen zur politischen Bildung (Heft 302)

Afrika – Länder und Regionen

Der afrikanische Kontinent lässt sich in fünf Großräume untergliedern: Nord-, West- und Zentralafrika, das Horn von Afrika plus Ostafrika sowie das südliche Afrika. Ein Überblick über ihre jeweiligen Entwicklungen und Besonderheiten verbindet sich mit Analysen von Ländern, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind.

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