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16.12.2009 | Von:
Heike Becker

Kids of the Rainbow Nation: Blicke in die junge südafrikanische Gesellschaft

Geprägt von der globalen Jugendkultur

Noch bis vor wenigen Jahren wurde die UWC - vor allem von aktuellen und ehemaligen Studierenden - manchmal liebevoll, manchmal ironisch bush genannt. Sie lag in der Tat "im Busch", ohne Läden oder Gaststätten in der Nachbarschaft, trotz des Standorts im weltstädtischen Kapstadt vom urbanen Leben abgeschnitten.[4] Das lag daran, dass die Apartheidregierung die den "Farbigen" zugedachte Hochschule 25 Kilomenter vom Stadtzentrum entfernt inmitten der Townships auf den Cape Flats errichtet hatte, wo es nur minimale Infrastruktur gab. Heute ist das anders. Ein nahegelegenes Shopping Center ist bequem zu Fuß zu erreichen, neben Ladenketten gibt es dort Fast-Food-Restaurants, Fish and Chips, Pizzerien und - immer gut besucht - das in Südafrika allseits beliebte KFC (Kentucky Fried Chicken).

Die Studierenden der UWC sind in aller Regel ganz ähnlich wie ihre deutschen Altersgenossinnen und -genossen in der legeren Mode der globalen Markennamen gekleidet. Ehemalige UWC-Studierende sind oft erstaunt, wie ganz anders als zu ihrer Studienzeit der Campus und die Studierenden wirken. "Richtig wohlhabend" sehe es aus, sagte mir eine Ehemalige, die ihren Abschluss 1997 gemacht hatte: jede Menge Studentenautos, die modische Kleidung der jungen Studierenden, und natürlich deren schicke Mobilfunktelefone, mit denen sie ständig in virtueller Verbindung zur global vernetzten Welt und untereinander stehen. Dazu kommen eine zunehmende Anzahl von privat betriebenen Cafeterien, die an den Studierenden gut verdienen.

Terri Barnes, die von 1997 bis 2008 an der Universität beschäftigt war, behauptet, dass anders als zu Beginn ihrer Zeit als Dozentin die ganz Mittellosen von der Hochschule inzwischen einfach nicht mehr zum Studium zugelassen würden.[5] Heißt das, dass zumindest bescheidener Konsum für die Studierenden der UWC, die ja nach wie vor zumeist aus den unterprivilegierten (und dunkelhäutigen) Bevölkerungsschichten Südafrikas und der Nachbarländer kommen, heute selbstverständlich ist? Nicht für alle: Unter der Oberfläche gibt es immer noch bittere Not. So stellte die Universität im vergangenen Winter auf dem Campus Container auf, um Lebensmittelspenden für ärmere Studierende zu sammeln.

Dennoch ist nicht zu übersehen, wie sehr sich das Bild der Universität und ihrer Studierenden im Laufe des vergangenen Jahrzehnts in materieller Hinsicht verändert hat. Gleichzeitig hat sich ein anderer bedeutender Wandel vollzogen: Vor wenigen Jahren noch fehlten den meisten Studierenden selbst die grundlegendsten Computerkenntnisse: Bis vor etwa fünf Jahren war es durchaus üblich, Hausarbeiten handschriftlich einzureichen. Heute hingegen gehen schon Erstsemester souverän mit der digitalen Technik um. Ihre Freizeit verbringen die Studierenden des aktuellen Jahrgangs gern in beliebten Chatrooms wie "Mxit". Ohne Frage, der Alltag dieser jungen Südafrikanerinnen und Südafrikaner ist von der globalen Jugendkultur geprägt, in der sie sich vollkommen zu Hause fühlen.

Fußnoten

4.
Vgl. Jeffrey Lever, Report from UWC: Radical Rhetoric Gives Way to Bitter Reality, in: Focus. Magazine of the Helen Suzman Foundation, 13 (1999), online: www.hsf.org.za/resource-centre/focus/issues- 20 - 11/issue-13-first-quarter-1999 (14. 10. 2009).
5.
Vgl. Terri Barnes, Merre Christmas, 14. 12. 2007, in: www.thoughtleader.co.za (11. 10. 2009).

Afrika - Länder und Regionen
Informationen zur politischen Bildung (Heft 302)

Afrika – Länder und Regionen

Der afrikanische Kontinent lässt sich in fünf Großräume untergliedern: Nord-, West- und Zentralafrika, das Horn von Afrika plus Ostafrika sowie das südliche Afrika. Ein Überblick über ihre jeweiligen Entwicklungen und Besonderheiten verbindet sich mit Analysen von Ländern, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind.

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