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5.7.2011 | Von:
Silke Helfrich
Felix Stein

Was sind Gemeingüter? - Essay

Der Begriff "Commons" verdeutlicht, dass wir gleichberechtigte Menschen sind, deren Teilhabeanspruch an Gemeinressourcen in diesem Menschsein begründet ist. Dies widerspricht der Sicht vom Mensch als homo oeconomicus.

Einleitung

Muss ein einführender Artikel zur Gemeingüterdebatte tatsächlich die alte These der "Tragik der Allmende" wieder aufkochen? Eine Geschichte also, die wenig realitätstauglich ist und die wir daher erneut kritisieren müssen. Wäre es nicht zielführender, sofort darzulegen, was es mit den vielerorts wiederentdeckten Commons (zu Deutsch Gemeingüter oder Allmende) auf sich hat und warum wir uns mit Enthusiasmus und Leidenschaft dazu entschlossen haben, mehr über sie herauszufinden? Wäre es nicht angemessener, die Commons ohne Umweg über die allzu holzschnittartige "Tragik" verständlich zu beschreiben? Wir könnten die Gemeingüter schlicht als das einführen, was sie sind: spezifische Formen sozialer Übereinkünfte zur kollektiven, nachhaltigen und fairen Nutzung von Gemeinressourcen. Anschließend könnten wir Beispiele dafür liefern, wo wir solchen Übereinkünften begegnen.

Doch dafür scheint es noch ein bisschen früh zu sein, denn allzu oft finden Debatten über Gemeingüter statt, ohne gängige Grundannahmen über das Sosein des Menschen zu hinterfragen. Eine dieser leider weit verbreiteten Grundannahmen - der Mensch sei in erster Linie individueller Nutzenmaximierer - liegt auch Garrett Hardins Metapher der "Tragik der Allmende" zu Grunde. Die Kritik seines gleichnamigen Essays in diesem Einführungstext dient also nicht dazu, einer hartnäckigen Metapher Referenz zu erweisen. Vielmehr wird sie uns helfen, uns von den Grundannahmen zu trennen, die auch Hardins These unterliegen.

Sobald es gelingt, uns von dem vereinfachenden Bild des Menschen als inhärent individuellem Nutzenmaximierer zu verabschieden - eine Idee, die von der Wissenschaft ob ihrer Einseitigkeit mehrfach widerlegt wurde,[1] - öffnet sich der Blick für die anschließend hier dargestellten Ideen, Beispiele, Geschichten und Gedankenspiele zum Thema Commons. Darauf aufbauend ließe sich überlegen, was genau Gemeingüter ausmacht und wie sie uns helfen, die Gesellschaft etwas lebenswerter zu gestalten. Deshalb, und nur deshalb, beginnen wir mit der knappen Darlegung einer in vielfacher Hinsicht "tragischen" Metapher ...

Fußnoten

1.
Vgl. Joachim Bauer, Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren, Hamburg 2006.

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