APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 Pfeil rechts

Auf dem Weg zu einer Wissensallmende?


5.7.2011
Mit digitalen Technologien verbinden manche die Hoffnung auf eine universale und globale Wissensallmende. Im gegenwärtigen Regime geistiger Eigentums­rechte ist diese Vision allerdings kaum in die Realität umzusetzen.

Einleitung



Im frühen Mittelalter hatten viele Dörfer ihre Allmende: ein mehr oder weniger großes Stück Land, das von allen Dorfbewohnern gemeinsam als Weideland oder zum Brennholzsammeln genutzt wurde. Eine Allmende bildete gemeinsames Eigentum der Dorfgemeinschaft, die auch die Nutzung regelte. In Form von Gemeingütern ist das zugrunde liegende Prinzip auch heute noch von Bedeutung. Öffentliche Straßen stellen ebenso wie die Atemluft Gemeingüter dar, die mit Hilfe verschiedenster Maßnahmen - von Mautgebühren bis hin zu Grenzwerten für Luftverschmutzung - vor zu intensiver Nutzung geschützt werden. Denn die von Ökonomen blumig als "Tragödie" bezeichnete Übernutzung ist die größte Gefahr für die klassische Allmende materieller Güter.

Mit der Wissensallmende verhält es sich hingegen genau umgekehrt. Übernutzung von immateriellen Gütern ist prinzipiell unmöglich. Dies gilt für die kleinste denkbare Wissenseinheit - die Idee - genauso wie für komplexe immaterielle Güter wie Musik, Fotografien, Software oder Filme. Wer sein Wissen mit anderen teilt, muss es deshalb selbst nicht hergeben. Vielmehr gilt, je mehr Leute Zugang zum vorhandenen Wissen haben, desto mehr neue Ideen und Innovationen können aus der Rekombination dieses Wissens entstehen. Auch diese Erkenntnis ist keineswegs neu. So funktioniert bezeichnenderweise die Wissenschaft seit jeher nach dem Prinzip der Wissensallmende. Wissenschaftlicher Fortschritt basiert immer auf der Weiterentwicklung, Widerlegung oder Ergänzung bestehenden Wissens. Das Leitmotiv der Wissenschaft lautet entsprechend, dass heute Forschende nur deshalb weiter sehen können, weil sie auf den Schultern von Riesen stehen; die zentrale Bedeutung gut ausgestatteter Bibliotheken für jede Form von Wissenschaft folgt unmittelbar daraus.

Die Aufgabe von Bibliotheken - möglichst breiten Zugang zu vorhandenem Wissen zu ermöglichen - illustriert dabei auch eines von zwei grundlegenden Problemen jeder Wissensallmende. Denn während keine Gefahr der Übernutzung besteht, können Wissensallmenden einerseits mangels neuer Beiträge austrocknen und andererseits aufgrund von Zugangshürden unternutzt werden. In der Antwort auf diese Probleme liegt die größte Gemeinsamkeit von klassischer und Wissensallmende: Auch wenn die Gefahren für beide Arten von Gemeingütern unterschiedliche sind - beide erfordern Regeln für Zugang und Nutzung; es bedarf der Governance.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen


 
Open Educational Resources “Komm! Ins Offene, Freund!”

Open Educational Resources “Komm! Ins Offene, Freund!”

Smartphones und Tablets - die Zukunft des Lernens? Im Interview plädiert der Präsident der bpb, Thomas Krüger, für einen sinnvollen Mix alter und neuer Medien, um zukünftiges Lernen erfolgreich zu gestalten. Eine immer größere Rolle werden - nicht nur für mobile Geräte - sog. "Open Educational Resources" spielen. Weiter... 

Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik. Weiter... 

Deutschlandradio Kultur Logo

Zeitfragen: Die Wiederentdeckung der Allmende. Über den Streit um Gemeinschaftsgüter

Allmende nannte man früher das Gemeinschaftsgut, das allen gehörte. Dorfwiese und See zum Beispiel, Wald und Luft. Heute zählt dazu auch die Versorgung der Bürger mit Wasser, Strom und Bildung. Im Zuge neoliberaler Politik und klammer Kassen haben aber immer mehr Kommunen in den letzten zwei Jahrzehnten beschlossen, ihre öffentlichen Güter an Privatleute und Investoren zu verkaufen. Weiter...