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5.7.2011 | Von:
Leonhard Dobusch
Sigrid Quack

Auf dem Weg zu einer Wissensallmende?

Schöpfung und Zugang

Beide historischen Argumentationsstränge für geistiges Eigentum - utilitaristische und naturrechtliche - finden sich auch in aktuellen Debatten über Gestaltung und Ausmaß des Schutzes geistiger Eigentumsrechte. Insbesondere im Urheberrechtsbereich, den wir im Folgenden fokussieren, wird aus beiden Perspektiven sowohl einer Ausweitung als auch einer Einschränkung der Schutzrechte das Wort geredet.[5] Im utilitaristischen Paradigma steht dabei die Frage nach der ökonomischen Effizienz bzw. Ineffizienz eines höheren bzw. niedrigeren Schutzniveaus im Vordergrund. In naturrechtlicher Hinsicht wird hingegen dem Recht des Urhebers an seinem Werk das Recht der Allgemeinheit an Informationsfreiheit gegenübergestellt.

Für beide Sichtweisen aber gilt, dass das Problem der Schöpfung neuer Werke und das Problem des Zugangs zu bestehenden Werken als dilemmatisch dargestellt werden. Ohne Schutz des geistigen Eigentums und damit verbundener Beschränkung des Zugangs, so die Argumentation, würden mangels monetärer und ideeller Anreize weniger neue Werke erschaffen. Im Vordergrund von Auseinandersetzungen um geistige Eigentumsrechte stand deshalb weniger deren prinzipielle Sinnhaftigkeit als vielmehr ihre Ausgewogenheit und Balance. Fundamental in Frage gestellt wurde das Konzept des "geistigen Eigentums" erst in jüngerer Zeit anlässlich neuer technologischer Möglichkeiten der Erstellung und Verbreitung immaterieller Güter. Insbesondere im Internet sehen manche die Chance einer echten Wissensallmende für alle digitalisierbaren Güter, in der zumindest das Zugangsproblem ein für alle Mal gelöst wäre. Andere befürchten hingegen mit Blick auf das weiterhin bestehende Problem der Schöpfung neuer Werke eine völlige Entwertung und Unterminierung geistiger Eigentumsrechte und fordern, wie schon Kant und Fichte angesichts von "Raubdruckern" im 18. Jahrhundert,[6] ein strikteres Vorgehen gegen allgegenwärtiges "Raubkopieren".

Fußnoten

5.
Vgl. Thomas Dreier/Georg Nolte, Einführung in das Urheberrecht, in: J. Hofmann (Anm. 3).
6.
Vgl. Immanuel Kant, Von der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks, in: Berlinische Monatsschrift, (1785) 5, S. 403-417; Johann G. Fichte, Beweis der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks: Ein Räsonnement und eine Parabel, in: ebd., S. 443-483.

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