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Auf dem Weg zu einer Wissensallmende?

5.7.2011

Lücke des 20. Jahrhunderts



Auch für andere Probleme auf dem Weg zur Wissensallmende bietet Creative Commons keine Lösung. So scheitert eine Digitalisierung und Öffnung von bestehenden Archiven häufig weder an entsprechenden Technologien noch an fehlender Zustimmung der Rechteinhaber, sondern daran, dass die Abklärung der Rechte zu teuer oder unmöglich ist.[21] Die Verlängerung urheberrechtlicher Schutzfristen bis weit über den Tod der Urheberinnen und Urheber hinaus hat dazu geführt, dass die Zahl sogenannter "verwaister Werke", bei denen kein Rechteinhaber mehr auffindbar ist, enorm zugenommen hat. Dies gilt insbesondere für Inhalte, die im vergangenen Jahrhundert entstanden sind. Archivare sprechen in diesem Zusammenhang von der "Lücke des 20. Jahrhunderts".

Selbst groß angelegte, öffentliche Digitalisierungsprojekte wie die europäische Initiative Europeana[22] - ein Zusammenschluss europäischer Bibliotheken zur Digitalisierung ihrer Bestände - sind deshalb zur Bewältigung ihrer Aufgabe auf Änderungen entsprechender Bestimmungen angewiesen. Einen Schritt weiter ging der Suchmaschinenkonzern Google mit seinem Books-Projekt. Auf Basis von privaten Vereinbarungen mit ausgewählten Bibliotheken begann auch Google mit der Digitalisierung von Büchern - allerdings ohne eine Änderung urheberrechtlicher Regelungen abzuwarten oder die Zustimmung der Rechtinhaber einzuholen.[23] Von den geschätzten sieben Millionen bis November 2008 digitalisierten Büchern war bei einer Million der Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen und eine weitere Million war noch urheberrechtlich geschützt und lieferbar. Die große Mehrheit von rund fünf Millionen Büchern war zwar noch urheberrechtlich geschützt, aber nicht mehr lieferbar.[24] Der Versuch, diese Vorgehensweise nachträglich im Rahmen eines Vergleichs mit Verlags- und Autorenverbänden für den US-Markt zu legalisieren, wurde jedoch Anfang 2011 durch ein Gerichtsurteil gestoppt.[25] Der Vergleich hätte allerdings keineswegs einen freien Zugang zu den digitalisierten Büchern gebracht, sondern eine Teilung von (Werbe-)Einnahmen zwischen Google und Rechtinhabern vorgesehen. Ob Google Books in dieser Form einen Schritt in Richtung Wissensallmende bedeutet hätte, ist deshalb ebenfalls mehr als fraglich.

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Fußnoten

21.
Für diesbezügliche Fallbeispiele vgl. die Stellungnahme der britischen Libraries and Archives Copyright Alliance, März 2011, online: http://bit.ly/e5h22S (30.5.2011).
22.
Vgl. http://www.europeana.eu/ (30.5.2011).
23.
Vgl. Jeanette Hofmann, Zukunft der digitalen Bibliothek, in: APuZ, (2009) 42-43, S. 25-32.
24.
Vgl. Robert Darnton, Google & the Future of Books, in: The New York Review of Books, 56 (2009) 2, online: www.fulminiesaette.it/_uploads/biblioteca
/Darnton%20-%20Biblioteca%20
Universale%20e%20Google.pdf (30.5.2011).
25.
Vgl. z.B. http://governancexborders.com/2011/03/25/
rejection-of-the-google-book-settlement-the-transnational-dimension/(30.5.2011).

 
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